Ammerbuch

In der Moderne?

05.03.2019

Von Roland Fakler, Ammerbuch

Es ist klar, dass Literatur Einfluss auf das Denken der Menschen hat und dass Denken das Verhalten steuert. Es kann zu Auserwähltheits- und Größenwahn führen und die wiederum zu Verfolgung und Kriegen. Ich würde Romanliteratur diesbezüglich allerdings als weniger gefährlich einstufen. Man nahm sie nie so ernst wie Texte, die Anspruch auf absolute Autorität erhoben, die angeblich göttlichen, päpstlichen, philosophischen, wissenschaftlichen Ursprungs waren. Diese Texte müssen, wenn sie verhängnisvolles Gedankengut enthalten, unbedingt „neutralisiert“, das heißt kritisiert werden. Vom freiheitlich-demokratischen Wertestandpunkt gesehen gehören dazu Bibeltexte, die Kirchenväter, der Koran, die gegen Heiden, Juden, Ketzer, Ungläubige … hetzen. Auch Platon und manche Aufklärer waren nicht unbedingt Freunde der offenen und toleranten Gesellschaft, so wenig wie Luther. Verhängnisvoll war „Der Hexenhammer“; mit päpstlicher Druckerlaubnis. Gefährlich wichtig waren Arthur de Gobineau, Herbert Spencer, H. S. Chamberlain für den Sozialdarwinismus/Rassismus/Kapitalismus/Imperialismus, Lenin für die Terrorherrschaft der kommunistischen Partei. Hitler hat in „Mein Kampf“ die NS-Ideologie gefestigt, die Rosenberg und andere begründet haben. Sind wir nun glücklich in der Moderne angekommen? Vor kurzem meinte Papst Franziskus: „Wer die katholische Kirche zu sehr kritisiert, ist ein Freund des Teufels!“

Dazu kann ich nur sagen: Den Teufel, lieber Franz, hat es nie wirklich gegeben!