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Erst die zweite Professorin

In der Männerwelt der Frauenheilkunde erfolgreich

Als Operateurin und Entwicklerin von medizinischen Instrumenten hat die Gynäkologin Sara Brucker international einen ausgezeichneten Ruf. Die Berufung zur Leiterin der Salzburger Paracelsus-Klinik lehnte sie allerdings ab. Die 37-Jährige bleibt in Tübingen: als stellvertretende Chefin der Frauenklinik und als Forscherin mit eigens eingerichteter Professur.

25.02.2012

Von Angelika Bachmann

Tübingen. Frauenheilkunde ist immer noch ein Männerfach. Zumindest, wenn man die Besetzung der Lehrstühle betrachtet. Von den rund 30 Professuren in Deutschland war bislang gerade mal eine mit einer Frau besetzt – der Münchner Ordinaria Prof. Marion Kiechle. In Deutschland gibt es jetzt eine zweite Gynäkologie-Professur, die mit einer Frau besetzt ist: Sara Brucker, seit drei Jahren geschäftsführende Oberärztin an der Tübinger Uni-Frauenklinik, hat eine Professur für Spezielle Gynäkologie und Frauengesundheit erhalten.

Mit der Einrichtung dieser Professur ist es dem Uni-Klinikum gelungen, die 37-Jährige in Tübingen zu halten. Den Ruf, den Brucker im März 2011 nach Salzburg erhalten hat, hat sie abgelehnt. Das auch finanziell durchaus attraktive Angebot hätte die Leitung der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie der Medizinischen Privat-Universität Paracelsus beinhaltet. Auch ein Doppellehrstuhl wäre damit verbunden gewesen. Und: „Salzburg ist eine wunderschöne Stadt“, sagt Brucker.

Ein Skalpell in Schlingenform

Klinikums-Chef Michael Bamberg ist sichtlich erleichtert, dass Brucker – „eine echte Leistungsträgerin“ – dem Klinikum erhalten bleibt. „Wir halten sie für eine äußerst engagierte und kompetente Ärztin“, sagt Bamberg.

Ein Schwerpunkt Bruckers, die in Gengenbach geboren und auch im Badischen aufgewachsen ist, ist die minimal-invasive Chirurgie. Brucker hat zusammen mit der Tuttlinger Medizintechnik-Firma Storz bereits mehrere Instrumente entwickelt, etwa den Morcellator. Dieses Gerät kommt zum Einsatz, wenn man große gutartige Geschwüre mit minimal-invasiver Chirurgie entfernen will. Das Gerät kam 2006 auf den Markt und hat auch die FDA-Zulassung für den amerikanischen Markt. Auch ein elektronisches Skalpell in Schlingenform, das bei Gebärmutterentfernungen zum Einsatz kommt, entstammt einer Kooperation von Brucker mit Storz.

International bekannt ist Brucker als Spezialistin für gynäkologische Fehlbildungen. Brucker bearbeitet das Thema wissenschaftlich, entwickelte neue Operationsmethoden und -geräte. Als Operateurin und Spezialistin ist sie über Europa hinaus gefragt.

Vorträge und Studien über Frauengesundheit

Zudem leitet Brucker das Institut für Frauengesundheit an der Uni-Frauenklinik. Das Institut wurde vor sieben Jahren gegründet. „Wir brauchen eine gesamtheitliche Betrachtungsweise der Frau in der Medizin – in allen Lebenslagen und durch alle sozialen Schichten“, sagt Brucker, die das Institut mit aufgebaut hat. Die Einrichtung ist wissenschaftlich aktiv und legt zum Beispiel Studien auf, die sonst nicht finanziert würden. Vor allem aber sind die Mitarbeiterinnen als Referentinnen gefragt. Halten Vorträge etwa bei türkischen Vereinen oder bei Selbsthilfegruppen. Auch Firmen wie etwa Bosch laden Referentinnen zu Seminaren über Prävention ein.

Mit ihren medizintechnischen Entwicklungen eine eigene Firma zu gründen, kommt für Brucker nicht infrage. „Ich brauche den Patientenkontakt. Und auch, dass ich jeden Tag im OP stehe.“

Auch aus anderen Gründen hat Brucker sich entschieden, in Tübingen zu bleiben: „Ich habe vor zwei Jahren begonnen, mir hier ein sehr gutes wissenschaftliches Team aufzubauen.“ Nur in der Zusammenarbeit etwa mit der Genetik, der Physiologie oder der Sozialmedizin kann sie auf ihrem Fachgebiet der gynäkologischen Fehlbildungen so arbeiten, dass die Ergebnisse hervorragend sind und die betroffenen Frauen sich gut betreut fühlen. In der Medizintechnik-Entwicklung kann sich Brucker keinen besseren Standort vorstellen. „Wir haben hier mit Storz, Aesculap und Erbe eine Konzentration der weltbesten Firmen in der Medizintechnik.“

Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern

Nicht zuletzt versteht Brucker ihren „Ruf“ auf die neu geschaffene Tübinger Professur auch als Berufung und Verpflichtung, sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu kümmern und den „Staffelstab weiterzugeben“ an junge, fähige Mitarbeiter/innen.

Forscht und operiert weiter in Tübingen – und schlug dafür die Leitung der Klinik in Salzburg aus: die Gynäkologin Sara Brucker. Archivbild: Metz

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Erstellt:
25. Februar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Februar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2012, 12:00 Uhr

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