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Jacken für alle

In der Kleiderkammer der Diakonie-Sozialstation herrscht reges Kommen und Gehen

Die Mössinger Kleiderkammer ist eine Schatztruhe für alle, die nur wenig Geld für ihre Ausstattung ausgeben wollen oder können. Gudrun Steinmann sorgt dafür, dass Optik und Atmosphäre im Laden stimmen.

17.10.2015
  • Susanne mutschler

Mössingen. „Schaut mal!“, mit diesen Worten spaziert eine Stammkundin in die Mössinger Kleiderkammer in der Zollerstraße. Stolz präsentiert sie ihre Erwerbung aus Vorwoche, die sie geschickt mit ihren vorhandenen Sachen kombiniert hat. Es seien längst nicht mehr nur Bedürftige, die in den ständig wechselnden Beständen der Kleiderkammer kramten, erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Gudrun Steinmann. Sie weiß von einer Schneiderin aus Nehren, die sich ihre Fundstücke aus der Kammer regelmäßig zu kleinen Unikaten umnäht.

Bei Steinmann ist jeder zusätzliche Kunde willkommen, der – gegen einen kleinen Geldbetrag – ein Kleidungsstück, Schuhe, Bettwäsche oder etwas für seinen Haushalt mitnimmt: „Wir sind eine Kleiderkammer für Jedermann“. Jeder Euro helfe, die Miete zu bezahlen. Nur Leute mit einem Berechtigungsschein bekommen die Waren umsonst.

Alle Waren in den drei Verkaufsräumen stammen aus Spenden. In Wäschekörben und großen Tragetaschen liefern Mössinger die Überbestände ihres Wohlstands an, um sie hier einer zweiten Verwendung zuzuführen. „Bei uns geht nichts verloren, und nichts wird weggeschmissen“, das ist Steinmann wichtig. Die 70-Jährige Ofterdingerin arbeitet jeden Tag in der früheren Fabriketage in der Zollerstraße, die einst zu einem Mössinger Textilbetrieb gehörte. „Die Leute bringen die Sachen ja unsortiert“, erklärt sie. Manches nimmt sie sogar zuerst zum Waschen mit nach Hause. „Es ist wichtig, dass alles gut riecht“, findet sie. Ständig ist sie am Ein-, Um- und Aufräumen. Ihr liegt an Ordnung und Sauberkeit, und sie hat ein Auge für eine gefällige Präsentation.

Zusammen mit ihren ebenfalls ehrenamtlichen Helferinnen Hanne Wick und Elke Karrer ordnet sie die angelieferten Blusen und Pullis nach Farben, hängt ausgefallene Sachen als Blickfänger an einen Extra-Ständer oder drapiert sie über die beiden Schaufensterpuppen, die sie selbst angeschafft hat. „So was zieht die Leute an“, hat sie beobachtet. Wenn allerdings die Kundschaft nach den Öffnungsstunden dienstags und donnerstags wieder verschwunden ist, sei vieles nicht mehr am richtigen Platz. Dann beginnt die Arbeit von neuem. Manchmal denke sie daran, kürzer zu treten. „Aber ich kann’s nicht“, erklärt die frühere Schneiderin. Die Kleiderkammer ist ihr ans Herz gewachsen.

…Zu ihren Stammkunden hat sie inzwischen ein persönliches Verhältnis. „Wir kennen unsere Leute“, sagt auch Hanne Wick. Manche kommen jede Woche. Andere seien glücklich, wenn sie hier jemandem zum Sprechen fänden. Wenn Steinmann um spezielle Vorlieben weiß, legt sie auch mal was zur Seite oder besorgt das Gewünschte auf dem Warentauschtag. Blumenfreunden zieht sie Ableger aus ihren Topfpflanzen. Und sollte sich jemand seiner Bedürftigkeit schämen, vereinbart sie hin und wieder auch einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten.

Inzwischen gehören auch einige der Asylbewerber zu ihren Kunden. Deren Interesse richte sich vor allem auf Elektrogeräte wie Kaffeemaschinen und Wasserkocher, berichtet sie. Weil die „alle so dünn sind“, hat Steinmann im Männerkleider-Raum vorausschauend Jeans in kleinen Größen aufgehängt. Die beiden 26-jährigen Syrer, die aus Ofterdingen hergeradelt sind, freuen sich über die warmen Daunenjacken, die sie gefunden haben. „The winter is cold here“, wissen sie.

Klamotten, die in der Kleiderkammer keinen neuen Besitzer finden, werden im Nebenraum säuberlich in Säcke gepackt und in Kartons gestapelt. Sie übernimmt der inzwischen 88-jährige, frühere Belsener Pfarrer Fritz Hirning für seinen nächsten Hilfstransport nach Rumänien.

In der Kleiderkammer der Diakonie-Sozialstation herrscht reges Kommen und Gehen
Voll zur Zeit: Über mangelnde Ware können sich Gudrun Steinmann (links) und Hanne Wick in der Kleiderkammer gerade nicht beklagen. Bild: Franke

Dienstags von 9.30 bis 12 Uhr und Donnerstags von 14 bis 17 Uhr können in der Mössinger Kleiderkammer in der Zollerstraße 6 Pullis, Schals und Hosen mitgenommen oder gespendet werden. Derzeit herrscht dort aber enorme Platzknappheit.
Die Mitarbeiterinnen bitten potenzielle Spender deshalb, zur Zeit nur warme und wintertaugliche Sachen zu bringen.

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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