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In den erfolgreichen Krimis tummeln sich die Gourmets

Kochen und Spannung? In Johannes Mario Simmels "Es muss nicht immer Kaviar sein" war es noch ein Alleinstellungsmerkmal, dass da der clevere und smarte Held Thomas Lieven, der im Zweiten Weltkrieg sämtliche Geheimdienste an der Nase herumführen konnte, sich gern die Schürze vor den mitternachtsblauen Smoking band, um Feind, Freund und Angebetete kochend zu becircen und zu verwirren. Simmels Romanerfolg erschien 1960.

06.10.2015
  • HELMUT PUSCH

Und so lesen sich die Rezepte im Rückblick denn auch. Nur: Die Republik war damals noch eine andere; Pizza war noch ein italienisches Fremdwort, Pommes frites noch eine belgische Spezialität und der Toast Hawaii noch Zukunftsmusik. Der gastronomische Horizont des Großteils der Bevölkerung endete beim Wienerwald, jener Händelbraterei, die die Küchen kalt ließ. Kochen war etwas für die Hausfrau am Herd und nichts für toughe Detektive.

Und heute? Sind die Ermittler dutzendweise ins Lager der Gourmets und der Köche übergelaufen. Einer der erfolgreichsten kochenden Polizisten residiert im Périgord: Martin Walkers Bruno Courrèges. Der Dorfpolizist ist am Herd mindestens ebenso findig wie als Ermittler, hantiert virtuos an den Kasserollen und Töpfen und kennt sich mit den regionalen Zutaten bestens aus. Kein Wunder: Definiert sich das Périgord geradezu durch Trüffel, Wein und gestopfte Gänseleber. Walker macht diese Spezialitäten auch immer wieder zu Themen in seinen Romanen. Und die lösten einen regelrechten Tourismusboom im Périgord aus. Ein Trend, auf den Walker und der Diogenes-Verlag mit "Brunos Kochbuch" aufsprangen, das Rezepte und Landeskunde vereint und charmante Kochtipps bereithält. Kostprobe: "Bruno singt beim Braten seiner foie gras die Französische Nationalhymne, die Marseillaise. Nach der ersten Strophe ist exakt eine Minute um, und er kann die Leber wenden."

Nicht weniger genussfreudig ist auch Kommissar Georges Dupin, den sein Autor Jean-Luc Bannalec ans Ende der Welt verbannt hat, ins Department Finistère in der Bretagne. Und dort wird nicht weniger Aufhebens um die Spezialitäten gemacht, die neben frischem Fisch, gesalzener Butter und den Hummern der Glenans auch das wohl edelste Salz beinhalten, das Fleur de Sel, das in "Bretonisches Gold" die heimliche Hauptrolle spielt.

Essen ohne die Italiener? Geht gar nicht. Donna Leons Commissario Brunetti oder Andrea Camilleris Commissario Montalban: Diese Polizisten wissen zu schlemmen - in aller Ausführlichkeit. Und zumindest bei Camilleris sizilianischem Helden weiß man, dass seine grauen Zellen erst nach einem Besuch in der Trattoria ihre Arbeit aufnehmen.

Doch auch in deutschen Landen lässt sich essend gut ermitteln - etwa wenn Rita Falks Dorfpolizist, der Eberhofer Franz in Niederkaltenkirchen, seine etwas eigensinnige Dienstauffassung praktiziert, dann freut sich nicht nur der findige Sturkopf auf das, was die Oma wieder auf den Tisch zaubert, dann freut sich auch der Leser auf den Anhang. Denn dort hat Rita Falk ihre Rezepte "aus dem Kochbuch von der Oma anno 1937" aufgelistet.

In den erfolgreichen Krimis tummeln sich die Gourmets

In den erfolgreichen Krimis tummeln sich die Gourmets

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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