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In Zeitlupe über den Neckar
Eine Brücke aus Stahl wird für den Ausbau der Autobahn 6 bei Heilbronn über den Neckar geschoben. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Straßenbau

In Zeitlupe über den Neckar

Die längste Brücke des Landes entsteht Stück für Stück zwischen Heilbronn und Neckarsulm. Der Verkehr soll bis zur Bundesgartenschau rollen.

10.07.2018
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Bauingenieur Hans Uhlmann ist angenehm enttäuscht. „Ich habe mir diese Sache viel spektakulärer vorgestellt, aber alles geht geräuschlos, da quietscht nichts.“ Der Mann vom Fach, der seinen Urlaub für eine Besichtigung nutzt, beschreibt die dritte Schiebeaktion am Neubau der Neckartalüberquerung der Autobahn 6 bei Heilbronn. Gerade so als handle es sich um eine banale Bohle, bugsieren Spezialisten eine 133 Meter lange, 21,10 Meter breite und 4000 Tonnen schwere Stahlkonstruktion im Zeitlupentempo in Richtung Westen.

Was immer auf der Baustelle zwischen Heilbronn und Neckarsulm geschieht, Michael Endres, Sprecher des Firmenkonsortiums Via 6 West, kann das Wörterbuch mit den Superlativen aufschlagen. Die Brücke aus den 1960er Jahren, die jetzt durch einen leistungsfähigeren Neubau ersetzt wird, sei die längste ihrer Art in Baden-Württemberg. Um die maroden Betonteile zu entfernen, müsse Europas größter Raupenkran aufgestellt werden. Bis die neue Kombination aus Beton (830 Meter) und Stahl (511 Meter) ihre endgültige Lage erreicht hat, müsse sie um 18 Metern quer verschoben werden: „Das ist einmalig in Europa.“

Beim Ausbau der stark belasteten Autobahn 6 spielt das Nadelöhr im Neckartal eine herausragende Rolle. Als sie die erste Brücke planten, gingen die Ingenieure von täglich 60 000 Fahrzeugen aus. „Jetzt sind es mehr als 115 000“, sagt Endres. Gerade wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens ist es nicht möglich, die Fernstraße für die Bauarbeiten komplett zu sperren. Zwar würde ein Drittel weniger Zeit benötigt, „aber die Anwohner in Neckarsulm und Heilbronn würden uns wegen der Umleitung an die Gurgel gehen“, vermutet der Pressesprecher.

Der Abschnitt aus Stahl, angeliefert aus Plauen in Sachsen, zusammengeschweißt von Experten einer polnischen Werft in Danzig, erreicht seine Länge in vier Etappen. Die ersten zwei seien „sehr gut gelaufen“, blickt Michael Endres zurück. Auch bei der dritten gibt es keine Probleme. Jeweils um 25 Zentimeter ziehen zwei Bündel aus 40 Stahlseilen den Koloss von Pfeiler zu Pfeiler. Dafür wurde eine Hebevorrichtung im XXL-Format 16 Meter tief im Boden verankert. Ein nach oben gebogener, 50 Meter langer „Vorschubschnabel“ soll garantieren, dass die Brücke nirgendwo anstößt. Kiloweise Schmierseife sorgt für zusätzlichen Reibungsverlust. Mit zwölf Meter in der Stunde bewegt sich der Metallgigant dorthin, wo die Betonfortsetzung folgt.

Das Ergebnis ist ein kostspieliges Provisorium. Weil der Verkehr für die Bundesgartenschau in Heilbronn nicht behindert werden darf, müssen bis Frühjahr 2019 sechs Fahrspuren fertig sein. Dann wird die alte Brücke abgerissen, sie macht Platz für den modernen Nachfolger, der um die 262 000 Tonnen wiegen wird. Mit der Fertigstellung rechnet Endres Mitte 2022.

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10.07.2018, 06:00 Uhr
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