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Oper

In Verdis „Nabucco“ stirbt diesmal jemand anderes

Bei den Festspielen in Heidenheim wird das Sturm-und-Drang-Stück des Komponisten neu erzählt.

05.07.2018

Von MANFRED KUBIAK

Ein Auftritt wie ein baritonales Naturereignis: Antonio Wang als Nabucco. Foto: Opernfestspiele Heidenheim

Heidenheim. Dieser Tage in Israel: Nabucco ist alt geworden. Er besucht seine Tochter Fenena, die inzwischen in Jerusalem verheiratet ist. Einen Enkel gibt es auch – und ein Familienfest steht an. Abigaille schiebt den spürbar auf Krawall gebürsteten Vater im Rollstuhl zur Feier. Im Fernsehen läuft der Bericht zum jüngsten Bombenanschlag in der Altstadt. Und bald schon geraten sich der Opa aus Babylon und die hebräische Verwandtschaft in die Haare. Es geht um Politik. Und um Religion selbstverständlich auch.

Giuseppe Verdis „Nabucco“ bei den Opernfestspielen in Heidenheim: Helen Malkowsky inszeniert. Sie holt das Große ins Kleine, zeigt eine in Glaubensfragen nicht auf einer Wellenlänge befindliche Familie, die zu allem fähig ist und deren verwirrend und verlogen geknüpfte Bande genauso platzen wie ihre auf Halbwahrheiten und Unausgesprochenem gebauten Träume. Am Ende stirbt jemand anderes als in dieser Oper üblich. Und als Erbe wird jemand proklamiert, den es eigentlich nur bei Malkowsky gibt.

Denn eigentlich erzählt Malkowsky ja nicht den „Nabucco“ des Librettos von Temistocle Solera, das Giuseppe Verdi vertont hat, sondern den „Nabucco“ von Malkowsky, für den es passenderweise bereits eine Musik von Giuseppe Verdi gibt.

Die Regisseurin sprüht nur so vor Ideen. Wobei man ihr allerdings vorwerfen darf, dass sie dafür nicht die ursprüngliche Geschichte als Gerüst benutzt, sondern diese vielmehr in den Dienst ihrer eigenen Ideen stellt. Das geht ein wenig zulasten des Ganzen und nicht zuletzt an nicht unwesentlichen Details des gesungenen Texts vorbei, der freilich ja auch so seine logischen Mängel aufweist. Erzählt wird da alles mit brillanter Personenführung und sehr dicht und sehr spannend.

Wenn man so will, findet die diskutable Inkongruenz von Text und Szene ihre Entsprechung in der beim frühen Verdi so implementierten Inkongruenz von Text und Musik. Denn hier wird‘s bekanntlich immer dann besonders lustig, wenn es auf der Bühne gerade gefährlich wird.

Festspieldirektor Marcus Bosch führt Verdis Sturm-und-Drang-Stück mit den Stuttgarter Philharmonikern dankenswerterweise nicht als bläserlastige Dauerattacke auf, sondern ungemein farbenreich, an Zwischentönen interessiert, dynamisch subtil ausgemalt und präzise artikuliert. Und wenn der Philharmonische Chor aus Brünn, einer der besten seines Fachs in Europa, den Gefangenenchor singt, dann klingt der nicht berühmt, sondern wie gestern komponiert. Die Gesangssolisten bewegen sich auf demselben Niveau. Und Antonio Yangs Titelheld kommt gleichsam als baritonales Naturereignis daher. Manfred Kubiak

Info Weitere Vorstellungen am 6., 7., 13., 14., 18., 21., 26. und 27. Juli. Kartentelefon: 07321/327 77 77.

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Erstellt:
5. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juli 2018, 06:00 Uhr

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