Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Eine Wahl ganz ohne Männer

In Vellberg kandidieren zwei Frauen

Novum bei einer Bürgermeisterwahl: In Vellberg kämpfen zwei Frauen um den Posten. Im rein weiblichen Wahlkampf gibt es viele Fragen zum Privatleben.

30.01.2010

Von HANS GEORG FRANK

Vellberg Manfred Walter (56), seit 1986 Bürgermeister von Vellberg bei Schwäbisch Hall, hat auch eine Ausbildung als Traumdeuter. Als er vor anderthalb Jahren verkündete, dass er für eine vierte Amtszeit nicht mehr antreten werde, fiel ihm dennoch nicht einmal im Traum ein, welche Sonderstellung die Wahl am morgigen Sonntag erreichen wird. Um seine Nachfolge hat sich kein einziger Mann beworben. In Vellberg machen sich zwei qualifizierte Frauen Hoffnungen auf den Chefposten für 4300 Einwohner.

Das Interesse an den Kandidatinnen ist so groß, dass bei zwei Vorstellungen die Halle überfüllt war. Wenn Brigitte Kieser (48), Regierungsdirektorin im Kultusministerium, und Ute Zoll (47), Fallmanagerin im Landratsamt Künzelsau, ihren beruflichen Werdegang und Visionen für die Kommune präsentieren, wird rasch klar, dass sie für den Posten qualifiziert sind. Beide haben sich so in die Materie eingearbeitet, dass sie auch die Tabellenplätze der örtlichen Kreisliga-Kicker kennen. Kieser wohnt seit vier Jahren in Vellberg, Zoll "verliebt" sich stets neu in den Ort.

Anders als bei Männern üblich müssen sich die parteilosen Frauen sehr persönliche Fragen gefallen lassen. Ausführlich legen sie Rechenschaft ab über Kinder und Beziehungen, als ginge es um Umgehungsstraßen und Gewerbeansiedlung. Die von einem Bauernhof in Ertingen (Kreis Biberach) stammende Zoll hat zwei Töchter, die sie mit dem von ihr getrennt lebenden Vater erzieht. Für die in einem Schuhgeschäft in Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) aufgewachsene Kieser sind Kinder "ein Geschenk, das mir nicht vergönnt war". Eine Ehe nach herkömmlichem Muster führen beide nicht.

Bürgernähe ist den Kandidatinnen sehr wichtig. Zoll möchte "eine Bürgermeisterin zum Anfassen" sein. Kieser würde selbst um 3 Uhr ans Telefon gehen. Bei der Gunst um die Stimmen spricht Zoll gerne von ihrem früheren Job als persönliche Referentin einer Bürgermeisterin. Kieser scheut keine Kritik an ihrem Minister, nennt G 8 und Werkrealschule offen "Fehler".

Zoll hofft auf einen Wahlsieg in Vellberg, weil sie im Landratsamt keine Aufstiegschancen mehr sieht. Kieser könnte in der Ministerialbürokratie Karriere machen, aber sie möchte in ihrer "zweiten Heimat" Impuls- und Ideengeberin sein und sich damit auch täglich mehr als drei Stunden Fahrt zum Arbeitsplatz und zurück ersparen. Beide Frauen haben ihre Ziele klar formuliert, Zoll eher mit Schlagworten, Kieser mit vielen Details.

Eine klare Favoritin ist nicht zu erkennen. Mancher Vellberger will sich deshalb morgen erst kurz vor der Stimmabgabe entscheiden.

Ein Duell zweier Frauen um den Bürgermeisterposten hatte es am 29. November 2009 zwar auch in Nufringen (Kreis Böblingen) gegeben. Allerdings wurde dort die bereits 2001 gewählte Amtsinhaberin Ulrike Binninger (41) von der Polizeikommissarin Friederike Konßen (41) herausgefordert. Siegerin wurde Binninger mit 76,8 Prozent. Acht Jahre zuvor hatte sie sich gegen drei männliche Mitbewerber durchgesetzt.

Brigitte Kieser ginge, wenn gewählt, selbst um 3 Uhr ans Telefon.

Ute Zoll will "eine Bürgermeisterin zum Anfassen" werden.

Zum Artikel

Erstellt:
30. Januar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Januar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2010, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+