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Großmugl

In Sternen ertrinken

Das österreichische Dorf Großmugl will hoch hinaus: Mit tiefster Dunkelheit drängt die Gemeinde auf die Liste des Unesco-Welterbes.

05.05.2010

Von LOTHAR TOLKS

Großmugl Es ist nicht überliefert, dass Vincent van Gogh (1853 - 1890) Zeit seines Lebens in Großmugl gewesen wäre. Dabei stammt von dem Niederländer das berühmte Gemälde "Starry Night", das einen wahrhaft imposanten Sternenhimmel in ansonsten sehr dunkler Nacht zeigt. Das provencalische Saint-Rémy gab die Kulisse dafür ab, das niederösterreichische Großmugl hätte aber wohl ebenso dafür getaugt: Bis zu 5000 der funkelnden Himmelskörper seien in klaren Nächten über der Gemeinde zu sehen, behaupten Kenner, 100 Mal mehr als im nur 40 Kilometer entfernten Wien. "Sie ertrinken in lauter Sternen", schwärmt der Astronom Günther Wuchterl, der sich bei Besuchen in Großmugl nahe "an der Milchstraße" wähnt.

Angesichts solcher Ergriffenheit kamen findige Großmugler auf die Idee, ihr Heimatort könnte, wie etwa die Wiener Innenstadt, die Semmeringbahn oder das Schloss Schönbrunn, geeignet sein für die Aufnahme in die Liste des Unesco-Welterbes. Schließlich sei eine derartige Sternenfülle in dicht besiedelten Gebieten der Welt äußerst selten zu besichtigen - Grund genug, den Nachthimmel über Großmugl zum schützenswerten Gut erklären zu lassen.

Dafür, dass es in Großmugler Nächten finsterer ist als anderswo, sorgen die Hügel der Umgebung, die das Licht angrenzender Ortschaften weitgehend abfangen. Die Gemeinde dunkelt nach, damit es über den 1600 Einwohnern sowie eventuell anwesenden Wissenschaftlern und Touristen möglichst oft eindrucksvoll glitzert: Die Straßenbeleuchtung arbeitet mit Dämmerlicht, die Kirche wird ab 22 Uhr nicht mehr angestrahlt.

Gute Voraussetzungen also, um vor der Unesco zu bestehen, die im Juli über die Großmugler Ambitionen befindet. Allerdings droht von Ferne scharfe Konkurrenz: Das einsame, 800 Einwohner zählende Dörfchen Tekapo (Neuseeland) hat sich mit extremer Finsternis bei Sternenguckern ebenfalls einen Namen gemacht. Neonlichter und Außenbeleuchtungen sind im Ort verpönt, auf dem Weg zur Sternwarte Mount John müssen selbst Busfahrer ohne Scheinwerfer auskommen. Die Unesco-Juroren werden möglicherweise im Dunkeln tappen.

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Erstellt:
5. Mai 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Mai 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Mai 2010, 12:00 Uhr

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