Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kamino öffnet Pforten

In Reutlingen geht ein Kinotraum in Erfüllung

Mit dem brasilianischen Film „Der Sommer mit Mamã“ wurde am Donnerstag, 17. September, das Reutlinger Genossenschaftskino „Kamino“ offiziell eröffnet.

16.09.2015

Von Matthias Reichert

Von Ende Februar bis Anfang September wurden die Räume in der ehemaligen Textilfabrik aus den 1920er-Jahren auf dem Wendler-Areal für rund 360000 Euro umgebaut. Mittlerweile haben 747 Genossen 897 Anteilsscheine à 200 Euro gezeichnet – das reicht sogar noch für 30 000 Euro Rücklage. Der nötige Baukredit wurde auf zehn Jahre aufgenommen, von einer knapp 50-prozentigen Finanzierung mit Eigenmitteln können andere Bauherren nur träumen.

Am Wochenende haben sich die Genossen schon vorab Räumlichkeiten und erste Filme angeschaut. „Alle haben sich sehr wohlgefühlt“, berichtete Vorständler Klaus Kupke. Hinten auf den 92 Sitzen steht unübersehbar „Volksbank“ zu lesen – neben zahlreichen regionalen Sponsoren hat die „Aktion Mensch“ 13 000 Euro für ausbaubare Sitze in der mittleren Reihe gestiftet. Damit ist das Kino barrierefrei; zehn Verstärkergeräte sichern den Filmgenuss auch für Menschen mit Hörbehinderung.

„Reutlingen braucht ein Programmkino“, erklärte Aufsichtsratschef Ulrich Bausch am Montag beim Pressetermin, wo preisgekrönte Kurzfilme das Kinoerlebnis veranschaulichten. Das „Kamino“ sei ein weiterer Reutlinger Ort der kulturellen Bildung, so Bausch. Und die Bürger wollten dieses Projekt, das habe die starke Unterstützung der Genossenschaft bewiesen. Das „Kamino“ sei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung des Bestehenden, so der VHS-Geschäftsführer weiter.

Der Vorführraum ist mit Hightech ausgestattet. Filme kommen schon längst nicht mehr in Zellu loid-Rollen – heute werden sie auf Festplatte angeliefert. Damit erstellen die Vorführer die Playlists, dann wird der Film per Knopfdruck gestartet. Im Kinoraum kann man Lautstärke und Helligkeit noch nachjustieren. 120 Ehrenamtliche haben sich gemeldet, die sich die Dreier-Schichten in der sogenannten „Abend-Regie“ teilen und die Filme zeigen wollen. Zugleich werden sie im Vorraum die kleine Bar bewirtschaften.

Immer montags werden auf der 21 Quadratmeter großen Leinwand Originalfilme mit Untertiteln gezeigt. Das „Kamino“ will außerdem überwiegend Arthouse-Filme bringen, abseits des Mainstreams, und auch ausländische Streifen vom Iran bis Brasilien. Zielgruppe sind eher Cineasten: „Wir haben nicht vor, die ganz neuen Hollywood-Blockbuster zu zeigen“, sagt Bausch.

Und so steht dem in Rekordzeit realisierten Kinoraum nichts mehr im Wege. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Anfangseuphorie über längere Zeit in hohen Besucherzahlen niederschlägt. Wie berichtet, hat sich der Reutlinger Gemeinderat geweigert, dem Genossenschaftskino im Doppelhaushalt einen Betriebskostenzuschuss zu gewähren. Und ob sich die deutsche Filmförderungsanstalt doch noch für eine Förderung breitschlagen lässt, bleibt ebenfalls eine ungeklärte Zukunftsfrage für das Programmkino.

Zum Artikel

Erstellt:
16. September 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. September 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+