Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Klinikum zeigt sich selbst an

In Heidelberg soll Skandal mit Spenderherzen aufgearbeitet werden

Die Universitätsklinik Heidelberg hat sich wegen Manipulationen an Listen für Spenderherzen selbst angezeigt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es geht um den Versuch der gefährlichen Körperverletzung.

17.10.2015
  • HANS GEORG FRANK

Heidelberg Guido Adler (69), Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, war sehr froh, als die Kontrolleure nichts gefunden hatten. Als im Juli 2012 bei den Kollegen der Universität Göttingen ein Schwindel mit Spenderlebern aufgeflogen war, wurden auch in Adlers Heimatstadt Heidelberg alle Daten des vergangenen Jahrzehnts überprüft: Fehlanzeige. Vorsichtshalber dehnten die Kontrolleure ihre Durchforstung auf die Bereiche Herz und Nieren aus: Ebenfalls alles in Ordnung.

Doch am 10. und 11. März dieses Jahres stieß die Prüf- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer (BÄK) auf "Fehler in der Dokumentation" in 34 Fällen aus den Jahren 2010 und 2011. Da einmal ein Übertragungsfehler vorlag, blieben 33 Fälle, in denen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Klinikleitung erschienen die Vorkommnisse so schwerwiegend, dass sie bereits am 25. August Strafanzeige gegen Unbekannt erstattete, wie erst jetzt durchsickerte.

Was es mit den Fehlern auf sich hat, erklärte Professor Adler mit Unregelmäßigkeiten bei der Medikamentengabe. Dabei geht es um das Stärkungsmittel Dopamin, das den Zustand der Kranken verbessern soll. Ist dies nicht der Fall, bekommen sie einen besseren Platz auf der Warteliste für Spenderherzen. Auf dem Papier erschienen die Patienten kränker, als sie in Wirklichkeit waren, rückten in der Dringlichkeitsstufe vor. Unklar ist, ob die Dosis tatsächlich verändert wurde.

Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Verdacht auf versuchte gefährliche Körperverletzung durch manipulierte Listungen von Herztransplantationen. Die Ermittlungen dürften eine längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Ob solches Gebaren strafbar ist, erscheint mindestens fraglich, nachdem ein Göttinger Arzt nach Manipulationen bei Lebertransplantationen freigesprochen worden ist. Auf diesen Umstand wies das Heidelberger Universitätsklinikum gestern in einer ausführlichen Stellungnahme besonders hin.

Adler geht davon aus, dass die Betroffenen nichts von den Tricks vor der Transplantation wussten. Es sei unklar, ob deshalb andere Herzkranke später ein Spenderorgan bekommen hätten. Schäden für andere Menschen seien "extrem schwer nachweisbar", erklärte er gestern.

Von 2010 bis 2014 haben 121 Heidelberger Patienten ein Spenderherz bekommen. Die Beanstandungen betrafen nach Klinikangaben allein die Jahre 2010 und 2011, "seit September 2011 gibt es keine Auffälligkeiten", betonte Adler. Die "Abweichungen" fielen in die Zeit vor dem neuen Transplantationsgesetz, das seit 1. August 2012 in Kraft ist.

Im März 2012 hat die Uniklinik die erste Herzinsuffizienz-Wachstation in Deutschland in Betrieb genommen. Sie sei bestimmt "speziell für Patienten mit einer akuten oder chronischen schweren Herzschwäche", sagte Adler. Das Bindeglied zwischen Intensiv- und Normalstation verfügt über acht Betten. Dort gilt das Sechs-Augen-Prinzip. Die Aufzeichnungen erfolgen "im Wesentlichen" durch Intensivpflegekräfte. Dadurch sei eine "intensive und korrekte Dokumentation sichergestellt", betonte Adler.

Jetzt will er das Renommee seiner Einrichtung retten. "Mit der intensiven, fundierten Aufarbeitung des Sachverhalts aus eigenem Antrieb trägt das Klinikum dazu bei, dass Herztransplantationen weiterhin richtliniengetreu auf höchstem medizinischen Niveau durchgeführt werden", teilte Adler mit.

In Heidelberg soll Skandal mit Spenderherzen aufgearbeitet werden
Seit September 2011 habe es "keine Auffälligkeiten" mehr an der Universitätsklinik in Heidelberg gegeben, sagt der Leitende Ärztliche Direktor, Guido Adler. Foto: dpa

In Heidelberg soll Skandal mit Spenderherzen aufgearbeitet werden
Ein Operationsteam operiert Patienten am offenen Herzen. Foto: dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Kennen Sie Tübingen? (5) Viertel mit „abseitiger Lage“
Millionen Rindviecher, Alpinisten und schwäbische Rentner Acht Dinge, die Sie im Allgäu tun sollten*
Uschi Kurz über ihren ertragreichen Apfelbaum Überaus dankbar – aber druckempfindlich
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular