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Die Kreuzritter des 21. Jahrhunderts

In Frankreich bilden ehemalige Soldaten Kampfeinheiten gegen den IS

Der Kreuzritter von heute kommt aus Frankreich. Mindestens vier Trupps, in denen sich ehemalige Soldaten zusammengeschlossen haben, sind in den nahen Osten gezogen, um dort gegen den IS zu kämpfen.

23.10.2015
  • PETER HEUSCH

Sie nennen sich Bataillon Beaufort, Task Force Lafayette, Assyrian French Legion (AFL) oder Unité 732. Mindestens vier von ehemaligen Soldaten gebildete Gruppierungen, die sich als die Kreuzritter des 21. Jahrhunderts verstehen, rekrutieren derzeit in Frankreich per Internet junge Männer für den "Anti-Dschihad".

Laut Informationen der Tageszeitung "Le Parisien", deren Reporter Anfang der Woche ein geheimes Ausbildungslager der AFL in Südfrankreich besuchten, sollen die ersten vier dieser neuchristlichen Krieger Ende September im Irak eingetroffen sein und seither an der Seite der kurdischen Peschmerga an Bodenoperationen gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) teilnehmen.

Dass im Nahen Osten Franzosen gegen Franzosen kämpfen, ist spätestens seit der französischen Beteiligung am Luftkrieg gegen den IS Tatsache. Nach Angaben des Pariser Innenministeriums haben sich rund 520 Franzosen IS-Einheiten angeschlossen, an die 100 sollen im Irak und in Syrien bereits getötet worden sein. Zudem ist es denkbar, dass Franzosen auch zu den Opfern der jüngsten Luftschläge zählen, die französische Jets gegen IS-Ausbildungslager in Syrien flogen. Vermutungen, die Premierminister Manuel Valls vergangene Woche mit einer knochentrockenen Bemerkung kommentierte: "Terroristen haben keinen Pass!"

Die Realität sieht ein wenig anders aus. Die französischen Kandidaten für den Dschihad benötigten einen Pass, um in den Nahen Osten zu reisen. Ebenso wie die Rekruten der Kreuzritter, die sich ihnen nun entgegen stellen wollen. Bei den Organisatoren des Anti-Dschihad, ausnahmslos frühere Offiziere der französischen Armee, türmen sich angeblich die Bewerbungen. Nach den Gründen, so erklärt ein Mitglied des Bataillon Beaufort am Telefon, müsse man nun wirklich nicht lange suchen: "Die blutigen Attentate in Paris natürlich und die Gräueltaten des IS."

Sowohl das Bataillon Beaufort als auch AFL wollen bis Neujahr 50 Kämpfer in den Irak geschickt haben und dort vor Ende des kommenden Jahres sogar mit "mehreren Hundert Soldaten" vertreten sein. Für dieses Vorhaben werben sie zwar völlig offen auf eigenen Webseiten, doch ansonsten wahren die Verantwortlichen strikte Anonymität. Angst vor dem Gesetz? Vielleicht, aber bislang bewegen sich alle Gruppierungen im Rahmen der Legalität. Es ist Franzosen nicht verboten, im Ausland zu kämpfen, solange sie sich keiner terroristischen Organisation anschließen oder sich dafür als Söldner bezahlen lassen.

Tatsächlich ist es sehr viel einfacher, sich bei den modernen Kreuzrittern zu bewerben, als deren Bedingungen zu erfüllen. Ein paar Klicks genügen, um wenig später von einem Führungsoffizier kontaktiert zu werden.

Dieser fühlt dem Kandidaten auf den Zahn. In die engere Auswahl kommen allein Männer bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren, die in bester körperlicher Verfassung sind, eine militärische Vergangenheit sowie Kampferfahrung haben und vorzugsweise Eliteeinheiten wie der Fremdenlegion, den Fallschirmspringern oder den Gebirgsjägern angehörten. Auch Scharfschützen und Sprengstoffexperten haben gute Karten.

Vor allem aber dürfen die Kandidaten keinen Sold erwarten. Im Irak winken ihnen allein Verpflegung und Unterbringung, ansonsten gilt das Prinzip der Freiwilligkeit sowie der Selbstausstattung. Mit anderen Worten: Kleidung, Bewaffnung, ja sogar das Geld für den Flug ins Einsatzgebiet müssen sich die Anti-Dschihadisten selber besorgen. Zumindest offiziell.

Frédérique Gerschel, der für "Le Parisien" im Ausbildungslager der AFL war, bestätigte unserer Zeitung die offenbar eisern angewandten Auswahlkriterien: "Ich habe dort fast nur Afghanistan-Veteranen getroffen. Erfahrene Ex-Soldaten, die zum Teil ihr Auto oder ihre Möbel verkauft haben, um das nötige Geld für ihr Engagement aufbringen zu können." Im Übrigen sei das Ausbildungslager eher eine Art Wartestation, wo die Zeit bis zur Abreise ins kurdische Erbil überbrückt werde. "Da den Männern der Umgang mit Waffen oder das Verhalten in Gefechtssituationen nicht mehr beigebracht werden muss, absolvieren sie dort lediglich ein Training in der israelischen Nahkampftechnik Krav Maga", berichtet Gerschel.

In Frankreich bilden ehemalige Soldaten Kampfeinheiten gegen den IS
Ehemalige Soldaten proben den Kampf gegen den Dschihad Foto: picture alliance/dpa

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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