Corona

Der Immunitätsausweis lässt auf sich warten: Fragen und Antworten

Der digitale Nachweis für Impfung oder Genesung ist in Arbeit, doch bis er einsatzfähig ist, wird wohl noch einige Zeit verstreichen. Für den Sommerurlaub könnte es eng werden.

08.05.2021

Von Michael Gabel

Impfausweis aus Papier: Er soll bald durch eine digitale Variante ergänzt werden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin. Mit einem digitalen Immunitätsausweis soll Geimpften und Genesenen das Reisen erleichtert werden. Die entsprechende Smartphone-App ist für Ende Juni geplant. Sie komme zu spät, meinen Kritiker. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Reisen mit dem Impfpass – wie funktioniert das? Im Idealfall so: Urlauber zeigen im Hotel, im Restaurant, vor dem Flug, im Freizeitpark ihren digitalen oder papiernen Immunitätsausweis vor und brauchen dann keine Tests auf das Coronavirus mehr nachzuweisen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt den digitalen Ausweis für spätestens Ende Juni in Aussicht.

Geplant ist, dass der Nachweis über Impfung oder Genesung per App im Smartphone erbracht werden kann, wahrscheinlich über die Corona-Warn-App des Bundes. Ähnlich wie beim Barcode eines Flug- oder Bahntickets sollen Impfstatus oder Genesung gescannt werden können, zum Beispiel am Flughafen. Ausgestellt werden kann der Nachweis nur in Impfzentren, Arztpraxen, Krankenhäusern oder Apotheken. Das Dokument soll kompatibel sein mit dem von der EU für Ende Juni/Anfang Juli geplanten digitalen Immunitätsausweis.

Beim Wirtschaftsrat der CDU hält man das Ziel Ende Juni, das Spahn nennt, für zu wenig ambitioniert. „Die Entwicklung des digitalen Impfpasses muss beschleunigt werden“, sagt Generalsekretär Wolfgang Steiger dieser Zeitung. Seit fünf Monaten gebe es zugelassene Impfstoffe, „und schon wieder fragt man sich, warum so viel Zeit verloren wurde“. Dies sei vor allem deshalb ärgerlich, weil der Impfpass für viele einen unbeschwerten Sommerurlaub bedeuten könnte.

Was machen diejenigen, die keinen Immunitätsausweis haben? Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie zumindest bis zum Frühsommer nur mit einem negativen Coronatest ins Land oder ins Hotel dürfen. In Griechenland zum Beispiel müssen Nicht-Geimpfte bei der Einreise derzeit noch einen höchstens 72 Stunden alten negativen PCR-Test vorlegen. Die Quarantänepflichten für Rückkehrer aus den meisten EU-Ländern werden wahrscheinlich in den nächsten Wochen entfallen.

Warum soll der Abstand zwischen den beiden Astrazeneca-Impfungen verkürzt werden? Damit die Zweitimpfung nicht mitten in den Sommerurlaub fällt. Minister Spahn formulierte es so: Es sei „lebenspraktisch“, bei Astrazeneca die Zeit zwischen den Impfungen von bisher vorgesehenen zwölf Wochen auf vier zu reduzieren. Das bewege sich im Rahmen der von der europäischen Arzneimittelagentur Ema empfohlenen Zeitspanne. Allerdings: Nach einer im britischen Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichten Studie beträgt die Schutzwirkung des Impfstoffs bei zwölf Wochen Wartezeit auf die zweite Spritze 81 Prozent, bei vierwöchigem Abstand nur 55 Prozent.

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Erstellt:
8. Mai 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Mai 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Mai 2021, 06:00 Uhr

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