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Wer tötet Habicht & Co?

Immer wieder werden verletzte oder vergiftete Greifvögel gefunden

Wer wollte schon Greifvögel vergiften? Es passiert aber immer wieder. Auch in Baden-Württemberg werden regelmäßig Habichte, Rotmilane oder Wanderfalken getötet. Der Naturschutzbund schlägt Alarm.

29.10.2015
  • ROLAND BÖHM, DPA

Stuttgart Bei Weinstadt war es ein Wanderfalke, bei Bleichstetten ein Rotmilan. Immer wieder werden im Land verwundete, gefangene oder vergiftete Greifvögel gefunden, für deren Tod oder Verletzung laut Naturschutzbund Nabu die Menschen verantwortlich sind. Auf einer Nabu-Liste steht neben dem Wanderfalken "Abtrennung des linken Beins durch ein scharf schneidendes "Werkzeug"", neben dem Rotmilan "Abtrennung der Beine durch Tellereisen".

Andere Greifvögel starben demzufolge nach Vergiftung etwa durch Carbofuran oder Chloralose. Vergiftete Fleischköder wurden gefunden, andernorts auch Gifteier. Die Täter dieser Attacken bleiben stets unerkannt. Im Südwesten liegt die Aufklärungsquote im Gegensatz zu anderen Regionen bei null, wie Landeschef Andre Baumann berichtet.

Dabei würden im Land nach Nordrhein-Westfalen die meisten getöteten Greifvögel sichergestellt. Laut Nabu wurden 2014 bundesweit 700 Fälle dokumentiert, bei denen 1130 Greifvögel gefangen, verletzt, getötet, abgeschossen oder beim Bruten gestört wurden.

"Das sind kriminelle Taten", sagt Jürgen Becht von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im Nabu. Schwerpunkte solcher Taten im Südwesten sind Schwäbisch Hall und Heilbronn. Die Vergiftung streng geschützter Greifvögel sei "kein Kavaliersdelikt", heißt es im Naturschutzministerium, und müsse "mit aller Härte" verfolgt werden.

Die Dunkelziffer sei hoch, berichtet Baumann, zumal viele Tötungen gar nicht als solche erkannt würden, etwa weil der tote Greifvogel dann selbst zur Nahrung werde. "Wir bekommen nur die Spitze des Eisbergs mit", sagt Baumann. Der Habicht - Vogel des Jahres 2015 - werde oft zum Opfer, aber auch der Wanderfalke. Beide sind bedrohte Arten und strengstens geschützt. Stecken Taubenzüchter dahinter? Die perfideste Art, einen Greifvogel zu töten, ist es nach der Ansicht des Nabu, präparierte Tauben als Köder zu benutzen.

Dabei werde deren Nackengefieder mit einer hochkonzentrierten Giftlösung bestrichen und die Tiere losgeschickt. Der Wanderfalke als erster Fressfeind der Taube schlägt die "Giftbombe" - und stirbt.

"Die Taubenzüchter fürchten um ihre Rassetiere", vermutet Baumann.

Doch Christoph Schulte vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter, wehrt sich: "Schwarze Schafe mag es geben, aber als Verband können wir uns von sowas nur distanzieren", sagt der Redakteur der Verbandszeitschrift "Die Brieftaube". Es sei aber auch so, dass die Zahl der Wanderfalken deutlich zugenommen habe. Und viele Taubenzüchter hätten so ihre Mühe mit dem Greifvogel, der seine Beute im Flug schlägt - darunter Brieftauben. Deren ideeller Wert sei nicht zu beziffern. Viele sind 50 Euro wert, die besten mehrere zehntausend Euro, wie Schulte bestätigt. Es soll auch schon mal eine Taube für über 300 000 Euro versteigert worden sein.

Oder sind es die Jäger? Fressfeinde des Niederwildssind bei Jägern nicht beliebt. "Jäger sehen in Greifvögeln Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen, Rebhühner und Fasane", heißt es beim Nabu. Doch Armin Liese, Sprecher des Landesjagdverbands in Stuttgart, hält das für abwegig: "Die Anschuldigungen sind nicht haltbar." Die Jäger beteiligten sich im Gegenteil aktiv am Artenschutz. Kein Jäger gefährde seinen Jagdschein, indem er streng geschützte Vögel vergifte oder abschieße. Womöglich gingen die Vögel an Giftstoffen aus der Landwirtschaft im Fettgewebe diverser Kleinsäuger zugrunde.

Die Forderung des Nabu nach einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft mit speziellen Kenntnissen in der Umweltkriminalität hat Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) übrigens zuletzt zurückgewiesen. Alle Staatsanwaltschaften hätten Spezialabteilungen, um solche Fälle ordnungsgemäß zu bearbeiten, schreibt Stickelberger dem Nabu.

Immer wieder werden verletzte oder vergiftete Greifvögel gefunden
Rotmilan (oben links), Wanderfalke mit einer kurz zuvor geschlagenen Krähe, Habicht (unten): Immer wieder werden Greifvögel auch in Baden-Württemberg umgebracht.

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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