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Immer noch wird schwarz gewischt
Putzfrauen wollen immer noch oft nicht angemeldet werden. Dabei ist das nicht nur illegal, sondern für den Arbeitgeber und sie selber auch riskant. Aber die legale Beschäftigung nimmt zu. Foto: dpa
Haushaltshilfen

Immer noch wird schwarz gewischt

Minijobber in Privathaushalten entwickeln sich zu einer Wirtschaftsmacht. Allerdings arbeiten weiterhin viele illegal. Das birgt Gefahren für Arbeitgeber und Putzfrauen.

20.09.2017
  • CAROLINE STRANG

Sie sind gefragt wie nie zuvor: private Haushaltshilfen. Sie putzen, kochen, waschen, hüten die Kinder oder pflegen alte Menschen. In vielen Haushalten sind sie unverzichtbar, gerade wenn beide Partner berufstätig sind. Außerdem wächst der Bedarf durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Zwar beschäftigen bisher nur knapp 9 Prozent der Haushalte Hilfskräfte. Mehr als 40 Prozent wünschten sich derzeit allerdings welche – ein großes Potenzial. Haushalte, die Minijobber beschäftigen, verfügen übrigens durchschnittlich über 4200 EUR Nettoeinkommen im Monat – der bundesdeutsche Gesamtschnitt liegt bei 2600 EUR.

Putzhilfen sind inzwischen eine Wirtschaftsmacht. Die Wertschöpfung der als Minijobber angemeldeten Kräfte aus Löhnen, Steuern und Sozialabgaben habe sich von 2006 bis 2016 auf rund 760 Mio. EUR mehr als verdoppelt, heißt es in der Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) im Auftrag der Minijob-Zentrale. Aktuell sind mehr als 300.000 Haushaltshilfen als Minijobber angemeldet, 2006 waren es noch rund 130.000. Davon sind 91 Prozent Frauen.

„Haushaltsnahe Dienstleistungen sind ein Wachstumsmarkt von großer ökonomischer Bedeutung“, sagt Heinz-Günter Held, der Direktor der Knappschaft-Bahn-See, die die Minijob-Zentrale führt.

Die Haushaltshilfen kurbeln die Wirtschaft an. Zwei Drittel des verdienten Geldes würden sofort wieder ausgegeben und sorgten damit für Extraeinnahmen beim Staat und in der Wirtschaft, sagte der Linzer Volkswirt Prof. Friedrich Schneider.

Allerdings arbeiten immer noch die allermeisten Putzkräfte schwarz. Die Quote liegt bei rund 80 Prozent, heißt es in der IW-Studie. Das entspricht 2,7 bis 3 Mio. Haushaltshilfen ohne Anmeldung. Damit entgehen dem Staat weiter Jahr für Jahr Einnahmen in Milliardenhöhe.

Aber: Es werden immer mehr Hilfen angemeldet, die Zahl der illegal beschäftigten Helfer hat sich nach den IW-Berechnungen in den zehn Jahren bis 2016 um etwa 657 000 verringert. Der Staat tut viel dafür, dass eine Anmeldung so einfach wie möglich geht. So kann man auf den Internet-Seiten der Minijob-Zentrale mit wenigen Klicks und Angaben eine Haushaltshilfe anmelden.

Die Risiken der illegalen Beschäftigung liegen auf der Hand: Dem Arbeitgeber, also auch dem Privathaushalt, droht eine Geldbuße von bis zu 5000 EUR, außerdem haftet er bei Unfällen. Das kann bis zu späteren Rentenansprüchen für ein Unfallopfer gehen. Die Vorteile einer angemeldeten Beschäftigung: Versicherungsschutz bei Schäden sowie die das Einlösen der Verpflichtung gegenüber dem Sozialstaat, der auf ehrliche Steuerzahler angewiesen ist.

Steuern und Abgaben sind übrigens überschaubar. Private Arbeitgeber zahlen nur halb so viel Steuern wie in einem Gewerbe, bis zu 510 EUR können noch von der Steuer abgezogen werden. Auf der Internetseite der Minijob-Zentrale kann sich jeder Arbeitgeber leicht ausrechnen lassen, wie viel Abgaben fällig werden. Zahlt er zum Beispiel 250 EUR im Monat für eine Putzhilfe, fallen 37 EUR Abgaben an.

Steuerlich absetzbar

20 Prozent der Gesamtaufwendungen können aber als Steuerermäßigung wieder abgezogen werden. Dementsprechend zahlt der Arbeitgeber in diesem Fall gar keine Abgaben. Wichtig ist, die Putzhilfe zu fragen, ob sie schon andere Minijobs ausübt. Denn wenn sie insgesamt mehr als 450 EUR verdient, muss sie auf Lohnsteuerkarte beschäftigt werden.

In der Praxis wollen häufig die Beschäftigten selbst nicht angemeldet werden – entweder, weil sie mit mehreren Mini-Jobs die 450-Euro-Grenze überschreiten oder weil der Verdienst auf Hartz-IV- und Unterhaltsleistungen angerechnet werden würde. Ursula Knupfer, Vorsitzende des Landesverbands DHB Netzwerk Haushalt, sagt aber klar: „Ziel jeder Arbeitskraft sollte sein, Rentenpunkte zu erwerben und versichert zu sein.“

Sie sieht auch die Arbeitgeber in der Pflicht, die oft eine „verquere“ Vorstellung vom Wert der Arbeit einer Haushaltshilfe hätten. „Eine qualifizierte Kraft sollte mindestens 20 EUR in der Stunde verdienen, auch eine ungelernte Putzhilfe hat mehr als den Mindestlohn verdient, zwischen 10 und 15 EUR finde ich angemessen.“ Dass Putzhilfen viel arbeiten sollen für möglichst wenig Geld sei ein falsches Ziel. (mit dpa)

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20.09.2017, 06:00 Uhr
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