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Durchsichtiger Internetkunde

Immer mehr Unternehmen platzieren speziell angepasste Werbung

Werbung finanziert viele Internetseiten. Doch dürfen dabei Nutzerdaten für personalisierte Anzeigen genutzt werden? Was für die Werbebranche interessanter ist, ärgert viele Datenschützer.

30.04.2010

Von JOHANNES WAGEMANN, DPA

Eine Familie sucht im Internet nach einem neuen Fahrrad. Nach einigen Anfragen bei einer Suchmaschine gibt es auch später auf der Seite immer wieder passende Angebote. Diese sind sogar in der Nähe des Wohnortes der Familie und mit der passenden Rahmengröße. Das funktioniert, weil der Internet-Browser feststellt, wo die Familie gesurft und auf welche Angebote sie geklickt hat. Und zwar dauerhaft, dafür sorgen auf dem Computer abgelegte spezielle Cookies.

Was für die Branche ein Traum sein kann - vielen Datenschützern ist es ein Graus. Auch wenn es Nutzer gibt, die speziell auf ihre Interessen abgestimmte Werbung durchaus schätzen, wissen viele doch nicht, warum das passiert, sagen die Datenschützer.

Gut fürs Geschäft, schlecht für die Nutzer? Lohnt sich die auch als "Re-Targeting" (target bedeutete Ziel, zielen) bezeichnete Werbeform überhaupt für Firmen und andere Werbekunden? "Damit sind sie natürlich näher an der Kaufentscheidung der Konsumenten", sagt Cordelia Wagner vom Kölner Werbevermarkter IP Deutschland. Interessant seien Spezialseiten für Bankprodukte. Wer auf solche Seiten schaue, habe wohl Erfahrung mit Geldanlagen. Dann lohnt sich personalisierte Werbung.

Google, Marktführer unter den Suchmaschinen, stellt seit kurzem allen Kunden von Anzeigen neben den Suchergebnissen die "Re-Targeting"-Technik zur Verfügung. "Wenn ein möglicher Kunde den Store eines Sportschuhherstellers besucht hat, dann aber doch nicht gekauft hat, kann der Hersteller dem User beim nächsten Mal genau dieses Paar Schuhe zum Beispiel zu einem günstigen Preis anbieten", sagt Lena Wagner, eine Sprecherin von Google Deutschland. Nutzer könnten diese Funktion aber deaktivieren. So bietet Google eine Erweiterung für Internet-Browser, die solche Cookies deaktiviert.

Auch Wettbewerber Yahoo ist in dem Geschäft aktiv: "Wir sehen im Bereich des "Re-Targeting" eine deutliche Steigerung in der Nachfrage", sagt Heiko Genzlinger von Yahoo Deutschland.

Harsche Kritik übt hingegen Thomas Duhr von United Internet Media (web.de; gmx.net): "Faktisch wird der anonyme Nutzer beim ,Re- Targeting markiert und auf Basis dieser Markierung dann im Netz quasi mit auf sein Profil abgestimmter Werbung verfolgt - man könnte hier auch leicht von ,Stalking sprechen." Google und Yahoo sagen, sie nähmen die Kritik ernst. "Natürlich muss man Aufklärung betreiben, damit jeder das auch weiß", fordert Wagner von IP Deutschland.

Datenschützer sehen die Werbemethoden kritisch: "Nach geltendem Recht müssen die Verbraucher solcher personalisierten Werbung widersprechen können. Viele Nutzer wissen davon gar nichts", sagt eine Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten. Sie sieht ein Problem bei den Browsern. "Die sind immer schon so eingestellt, dass sie automatisch Cookies akzeptieren", beklagt sie.

Eine EU-Arbeitsgruppe zum Datenschutz diskutiere derzeit über das Thema. "Es ist zum Beispiel vorstellbar, dass die Browserhersteller dazu verpflichtet werden, die Voreinstellungen datenschutzfreundlicher zu gestalten und mehr auf den Umgang mit den Nutzer-Daten hinzuweisen. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir es mit mündigen Bürgern zu tun haben."

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Google-Blog zum Re-Targeting (englisch): http://dpaq.de/google-target; deutsche Google-Seite zu personalisierter Werbung: http://dpaq.de/google-privacy-ads; Yahoos Interest Manager: http://dpaq.de/yahoo-imanager; EU-Datenschutzgruppe: http://dpaq.de/eu-datenschutz

Personalisierte Werbung ist umstritten. Nach geltendem Recht könnten Verbraucher dieser Werbeform widersprechen - sie wissen aber oft nichts davon. Foto: apn

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Erstellt:
30. April 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. April 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. April 2010, 12:00 Uhr

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