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„Rußflecken-Pieten“

„Sinterklaas“-Streit: Immer Ärger mit dem Knecht

Die Helfer des „Sinterklaas“ treten dieses Jahr im niederländischen Fernsehen nicht als „Schwarze Pieten“ auf, sondern nur noch als „Rußflecken-Pieten“.

16.11.2019

Von dpa

Zwei „Zwarte Pieten“ noch traditionell schwarz geschminkt. Foto: Patrick Post/dpa

Amsterdam. Wenn in den Niederlanden der Nikolaus kommt, werden schon mal auf einen Schlag 90 Demonstranten festgenommen. Berittene Polizisten müssen den Gabenbringer schützen. Allerdings ruft nicht er selbst die Aufregung hervor, sondern sein schwarzer Knecht. Dieses Jahr soll manches anders werden. Der schwarze wird ein rußiger Knecht.

Nikolaus wird in den Niederlanden traditionell viel größer gefeiert als in Deutschland. Schon mitten im November, drei Wochen vor dem Nikolausabend am 5. Dezember, kommt „Sinterklaas“ auf einem Dampfschiff an. Seinen festlichen Empfang mit anschließendem Umzug kann man in vielen Städten erleben, atmosphärisch bewegt es sich zwischen Rosenmontag und St. Martin.

Es ist nicht Nikolaus selbst, der die Gemüter erhitzt, es ist sein Begleiter, die niederländische Version von Knecht Ruprecht. Anders als dieser ist der „Zwarte Piet“ (Schwarze Peter) nicht furchteinflößend, sondern freundlich und lustig, er ist der Liebling der Kinder. Es gibt auch nicht nur einen davon, sondern ein ganzes Gefolge. So weit, so gut.

Das Problem ist ihr Aussehen: Jeder Piet trägt ein Pagenkostüm mit lila Pumphosen, einen Federhut und goldene Ohrringe. Vor allem aber ist er schwarz – mit roten Lippen. Über seine Funktion lassen die vielen Nikolaus-Lieder, die jedes Kind kennt, keinen Zweifel: Er ist seines weißen Herrn „Knecht“.

Wissenschaftlich untersucht

Seit dem frühen 20. Jahrhundert gebe es Kritik an der Figur, sagt der Ethnologe Markus Balkenhol, der das Fest erforscht hat. Die Kritik verstärkte sich, als nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr Menschen afrikanischer Herkunft, vor allem aus den Kolonien Surinam und Antillen, in die Niederlande zogen.

Dazu komme, dass Konzepte wie „Kultur“ und „Tradition“ an Bedeutung gewonnen hätten. „Die Vorstellung ist die, dass es ein ,Volk' gibt mit einer charakteristischen ,Kultur', und das Sinterklaas-Fest wird als ein solches Phänomen betrachtet und auf ein Podest gehoben. Dabei wird oft übersehen, dass unterschiedliche Menschen in den Niederlanden unterschiedliche Dinge darin sehen.“

Es gehe dabei nicht nur um die Rassismus-Frage, sondern auch um Spannungen zwischen den großen Metropolen im Westen des Landes und den östlichen Provinzen, die sich oft übergangen fühlen. Manche wollten dem Fest seinen ursprünglich katholischen Charakter zurückgeben, andere wünschen es sich gerade ohne religiöse Bezüge, damit sich alle Kinder gleichermaßen angesprochen fühlen können.

Dieses Jahr wird sich nun etwas Wesentliches verändern: Im niederländischen Fernsehen werden erstmals keine „Schwarzen Pieten“ mehr auftreten, sondern nur noch „Rußflecken-Pieten“. Das sind weiße Pieten mit einigen wenigen schwarzen Flecken im Gesicht – Ruß aus den Schornsteinen, durch die sie die Geschenke abseilen.

Die schwarz geschminkte Version verschwindet sowohl aus den beliebten „Sinterklaas-Nachrichten“ als auch aus dem live übertragenen „nationalen Einzug“, der an diesem Samstag (16. November) in Apeldoorn stattfindet. Eine Klage gegen das Verschwinden der „Schwarzen Pieten“ aus dem Einzug wurde am vorigen Donnerstag von einem Gericht in Arnheim abgewiesen. Die Piet-Kritiker feiern das als großen Erfolg.

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Erstellt:
16. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2019, 06:00 Uhr

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