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Im Zentrum der Tübinger Stadtwerke werden Entscheidungen getroffen und Störungen beseitigt
Dirk Baur ist einer von sieben Mitarbeitern, die in der Leitwarte arbeiten. Hier beobachtet er die Tübinger Stromversorgung auf dem großen Monitor. Links am Bildrand ist die Videoüberwachung zu sehen – etwa der Parkhäuser. Bild: Hagemann
Die Leitwarte ist das geheime Herzstück der Stadtwerke

Im Zentrum der Tübinger Stadtwerke werden Entscheidungen getroffen und Störungen beseitigt

Das Telefon klingelt. Eine Frau meldet sich, die im Tübinger Parkhaus König Probleme mit dem Bezahlautomaten hat. Sie kann nicht sehen, wer sich mit ihr unterhält. Wohl aber die Mitarbeiter in der Leitwarte der Tübinger Stadtwerke (SWT), die auf einen Monitor die Bilder aus dem Parkhaus geliefert bekommen.

23.06.2018
  • Moritz Hagemann

„So etwas gibt’s immer wieder“, sagt Dirk Baur. Er ist einer von sieben Angestellten, die in der Leitwarte in der Eisenhutstraße arbeiten. Anlässlich des heutigen Tages der Daseinsvorsorge durfte sich das TAGBLATT dort umschauen.

Es ist das Herzstück der SWT, das Zentrum, in dem Informationen zusammenfließen, Störungen behoben und Einstellungen vorgenommen werden. Seit 2011 gibt es die Leitwarte in dieser Form, der Raum wurde zuvor als Archiv genutzt. Wer ihn betreten möchte, wird von einer Kamera gefilmt. Die Öffentlichkeit hat keinen Zutritt, „selten kommen wir mal mit kleinen Schulklassen oder Geschäftspartnern hier rein“, sagt SWT-Geschäftsführer Achim Kötzle. In zwei Wochen hat sich eine japanische Delegation angekündigt. Dort sollen Stadtwerke aufgebaut werden und die Tübinger Leitwarte könnte ein Vorbildmodell sein.

Rund um die Uhr besetzt

Es ist der einzig klimatisierte Raum im ganzen Gebäude. Ausgestattet auch mit einem Fernseher und „den bequemsten Stühlen, die wir haben“ (Kötzle). Eine eigene Küche und Toilette gehören zur Ausstattung, die Angestellten müssen im Dienst im Raum bleiben. Auch nachts und am Wochenende ist die Leitwarte besetzt. Zwei Rechnerräume sind angeschlossen und so konzipiert, dass bei einem Brand das Feuer 90 Minuten nicht auf die Leitwarte übergreifen würde. Im Lager steht zudem ein ausgelagerter Arbeitsplatz bereit, an dem alle wesentlichen Funktionen integriert sind.

In der Warte sind gebogene Schreibtische mit vielen Monitoren in einem Kreis angeordnet; dazu ein großer Bildschirm, etwa 3,50 Meter lang und 2 Meter hoch. „Mich erinnert das ein bisschen an Raumschiff Enterprise“, sagt Kötzle. Er erzählt, dass er sich gerne in Notfällen mal an die Wand stelle und zusehe, wie das Problem gelöst werde: „Das ist faszinierend, wie ruhig und gelassen, aber zügig da gearbeitet wird.“ Eingreifen würde der Geschäftsführer in solchen Situationen aber nicht: „Das Wichtigste ist, dass man die Mitarbeiter da schaffen lässt.“ Intern gehe bei größeren Störungsfällen direkt eine Rundmail heraus, damit alle Angestellten informiert sind – das erspart Nachfragen. Bei vielen eingehenden Anrufen von Kunden werde auch ein Anrufbeantworter zwischengeschaltet, der die Störung bestätigt. So herrscht Ruhe.

Per Mausklick kann sich Baur verschiedene Servicezweige auf den Bildschirm rufen: Strom-, Gas- und Trinkwasserversorgung, Blockheizkraftwerke (BHKW), sogar die Wassertemperatur im Freibad lässt sich von hier aus ändern. Am vergangenen Donnerstag ist sie auf 23 Grad im Schwimmer- und 24 Grad im Nichtschwimmerbecken eingestellt. Die exakte Temperatur stimmt nicht ganz überein, was auch mit der Witterung zusammenhängt. Selbst der Chlorgehalt wird angezeigt. Pro Badegast werden indes 30 Liter Frischwasser zugeführt. Während das Freibad über einen eigenen Brunnen das Wasser bezieht, wird die Trinkwassermischung hauptsächlich vom großen Behälter auf dem Sand reguliert. Früher wurde das Wasser nicht gemischt. Wer da das weiche vom Bodensee bekam, hatte Glück. Der Rest durfte seine Maschinen oft entkalken. Heute sorgen Neckar und Bodensee gemischt für eine mittlere Härte.

Die Entscheidungen, die in der Leitwarte getroffen werden, erklärt Geschäftsführer Ortwin Wiebecke, „haben wirtschaftliche Auswirkungen“. Ausgegliedert aus der Eisenhutstraße ist nur die Leitstelle für den öffentlichen Nahverkehr – auch sie könnte laut Wiebecke bald integriert werden. Es ist also nicht nur eine Reaktion bei Notfällen, sondern auch strategisches Geschick gefragt. Wann etwa Strom in den BHKW erzeugt wird, entscheidet der Börsenpreis. In Ausnahmesituationen könnte ein Mitarbeiter sofort Strom für beispielsweise 5000 Haartrockner bereitstellen, erklärt Kötzle. Auf der Karte (oben im Bild) ist das Stromnetz in drei Farben unterteilt, die das jeweilige Umspannwerk kennzeichnen. Alleine in Tübingen haben die SWT rund 42 000 Stromkunden, es gibt über 400 Trafostationen.

Alle 20 Minuten blinkt ein roter Knopf, eine Totmannschaltung, mit direkter Verbindung zur Feuerwehr. Durch Drücken bestätigt der jeweilige Mitarbeiter, dass die Leitwarte besetzt ist. In Zeiten, in denen IT-Sicherheit eine große Rolle spielt, haben die Stadtwerke auch vorgesorgt. Wer sich in das System einhacken will, müsste zwei Firewalls passieren. Baur sagt: „Ich glaube, wir haben als Stadtwerke einen guten Ruf. Und wir tun dafür vieles.“ Ab und zu sei es notwendig, den Menschen aufzuzeigen, was alles unter die Arbeit der Stadtwerke fällt, sagt Kötzle. Denn: „Als kommunales Unternehmen gehören wir den Menschen in Tübingen.“

Übrigens muss sich niemand Sorgen machen, dass seine Bilder aus Parkhäusern oder sonstigen SWT-Anlagen irgendwann auftauchen. Alles, was die Kameras filmen, werde zeitnah wieder gelöscht. Bilder: SWT

Bäder, Parkhäuser, ÖPNV: Wie die Stadtwerke planen

530 Angestellte, jährliche Investitionen von 20 bis 30 Millionen Euro in die Infrastruktur, über 230 000 Euro Umsatzerlöse im Jahr 2016 – das unterstreicht die Bedeutung der Tübinger Stadtwerke.

Bäder: Die Diskussionen über die Bäder in Tübingen ist aktuell in vollem Gange. Zwei Lösungen könnte es geben: Entweder wird das Uhlandbad grundlegend saniert oder ein neues Bad geschaffen. Dass die Stadtwerke bei der Erweiterung des Freibades zuletzt auf ein zusätzliches Becken verzichtet haben, erklärt Geschäftsführer Achim Kötzle so: „Man kann an einer Hand abzählen, wann die Becken mal wirklich so voll sind, dass es nicht mehr geht.“ Das sei auch eine Beobachtung der Bademeister. Ob Tübingen letztlich auch eine 50-Meter-Bahn unter dem Hallendach bekomme, mache 5 bis 6 Millionen Euro an Investitionen aus. Es gebe weitere Argumente, die dagegen sprechen: etwa Lehrer, die eine so große Fläche nur schwer alleine überwachen können. Vereine dagegen klagen oft über die fehlende Wasserfläche. Die Entscheidung trage aber letztlich die Politik. Die SWT-Geschäftsführer bleiben neutral und tendieren zu keiner Seite.

Parken: Aktuell wird das Parkhaus am Nonnenhaus saniert. Zuletzt hielten sich Gerüchte in der Stadt, dass danach das Parkhaus König dran sein könnte. „Wir befassen uns damit“, sagt Geschäftsführer Ortwin Wiebecke. Konkret sei allerdings noch nichts, also weder Zeitpunkt, noch Dauer. Die Sanierung der Parkhäuser sei jedoch in gewissen Abständen obligatorisch. Fast 880 000 Einfahrten in die Parkhäuser der SWT gab es im Jahr 2016. Seit März 2018 betreiben die Stadtwerke auch das Neckarparkhaus. Der automatische Teil des Hauses im Französischen Viertel soll 2019 geschlossen werden (wir berichteten).

ÖPNV: Über 20 Millionen Fahrgäste werden jährlich im Tübus befördert. „Unvorstellbar, wenn die im Auto durch die Stadt fahren würden“, sagt Wiebecke. Wie die SWT-Geschäftsführer zum von OB Boris Palmer gewollten Modell des kostenfreien Nahverkehrs stehen? „Das hängt von der Finanzierung ab“, sagt Wiebecke. „Momentan fehlt es noch an Grundlagen im rechtlichen Bereich.“

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23.06.2018, 01:00 Uhr
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