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Ein neues Quartier im Grünen

Im Wennfelder Garten könnten bereits von 2012 an 260 Wohnungen gebaut werden

Das Quartier im unteren Wennfelder Garten wird abgerissen – und für über 40 Millionen Euro neu gebaut. Keiner der bisherigen Mieter wird dabei weichen müssen.

05.03.2011

Von Volker Rekittke

Tübingen. Den Siegerentwurf des kleinen städtebaulichen Wettbewerbs haben Vertreter von Stadt und Wohnungsbaugesellschaften am Freitag vorgestellt.

Es bröckelt schon länger an etlichen der nach dem Krieg errichteten Häuser im Wennfelder Garten. Auch die Energiebilanz in den 144 Wohneinheiten der Tübinger GWG (38 Wohnungen) und der Sigmaringer GSW (106 Wohnungen) ist schlecht. Weil eine Sanierung sich nicht mehr lohnt, wollen die beiden Wohnungsbaugesellschaften in drei Bauabschnitten, die sich über sieben bis zehn Jahre ziehen dürften, mindestens 40 Millionen Euro im Quartier investieren – in 260 neue Wohnungen für 500 bis 600 Menschen. Dort wird auch der Treffpunkt Wennfelder Gartenhaus untergebracht, die Kita Villa Kunterbunt sowie einige Gewerbeeinheiten.

Das Versprechen von Stadt, GWG und GSW: Jeder der rund 250 bisherigen Bewohner bekommt während der Bauzeit eine Ersatzwohnung in der Nähe angeboten und kann danach, wenn er will, ins neue Viertel ziehen. Die bislang sehr günstigen Mieten (4,80 bis 6 Euro pro Quadratmeter) sollen künftig nicht über 6,50 Euro liegen. 130 der 260 Wohneinheiten sind dafür reserviert. Aus den anderen 130 werden frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen – was zu einer Verjüngung und neuen Mischung im Quartier führen soll. Schließlich wird durch die Verdoppelung der Wohnfläche und den Immobilien-Verkauf die Finanzierung der günstigen Mieten erst möglich. Der Wennfelder Garten hätte allerdings auch nach der Umgestaltung nur die halbe Wohndichte wie das Französische Viertel.

Die Stadt hatte Ende 2010 fünf Architekturbüros aufgefordert, ihre Vorstellungen für das neue Quartier Wennfelder Garten einzureichen: Huhn, Eble (beide Tübingen), Ars Herrmann + Hornung, Lehen drei (beide Stuttgart) sowie Mühlich, Fink + Partner (Ulm).

Die Jury unter Leitung des Karlsruher Architekten Prof. Markus Neppl (zugleich Mitglied im Tübinger Gestaltungsbeirat) sprach sich am Donnerstag einstimmig für den Entwurf der Ulmer Architekten Mühlich, Fink + Partner aus. Der orientiert sich stark an der bestehenden Siedlungsstruktur längs den Hang herunter. Der Bewertungskommission gefiel, dass der Entwurf die Zeilenstruktur der alten Siedlung im Grundriss konsequent aufnimmt und eine städtebauliche Verbindung ins benachbarte Französische Viertel schafft. Wege und Plätze werden über die Eisenhutstraße hinweg ins neue Quartier fortgesetzt. Durch die versetzte Anordnung der Häuser entstehen teils hofähnliche Situationen.

Nicht zuletzt durch eine eigenwillige Höhenstaffelung der drei- bis sechsgeschossigen Gebäude wird die Siedlung aus den 1950er Jahren neu interpretiert. Im Zentrum der Neubaufläche westlich der Straße Wennfelder Garten entsteht zudem eine Art öffentlicher Platz zwischen den Häusern. Alle als wertvoll eingestuften Bäume und damit der grüne Siedlungscharakter bleiben erhalten. Kurz: Das Bestehende wird aufgegriffen – zugleich entsteht eine neue und eigenständige Formensprache des Quartiers, die es in dieser Form in Tübingen noch nicht gibt.

Baubürgermeister Cord Soehlke und Stadtplaner Tim von Winning bedankten sich bei der gestrigen Präsentation ausdrücklich bei GWG- Geschäftsführer Gerhard Breuninger und bei Roy Lilienthal, Chef der GSW Sigmaringen, für deren enge Kooperation. Beim Thema niedrige Mieten praktizierte die GWG ein ähnliches Konzept bereits erfolgreich in den drei Höfen zwischen Stuttgarter und Königsberger Straße.

Nun muss erst einmal ein Bebauungsplan erstellt werden. Wenn alles gut läuft, könnte bereits im kommenden Jahr Baubeginn im ersten Abschnitt längs der Eisenhutstraße sein. Begleitet wird der ganze Prozess weiterhin von einem Runden Tisch, an dem auch Bewohner/innen aus dem Quartier sitzen.

Info: Am Donnerstag, 17. März, 19 Uhr stellen Stadt, GSW und GWG in der Stadtwerke-Kantine (Eisenhutstraße) die Pläne vor. Bis zum 20. März sind dort alle fünf Modelle zu sehen. Führungen im Quartier gibt es am Samstag, 19. März, 16 Uhr, und am Sonntag, 20. März, um 11 Uhr.

Unterschiede: Wennfelder Garten (rechts), Französisches Viertel.Bild: Sommer

So ähnlich wird es einmal aussehen: Blick in den östlichen Wennfelder Garten, den Hügel hinauf Richtung Wagenburg.

GWG-Chef G. Breuninger

Stadtplaner Tim von Winning

Baubürgermeister Cord Soehlke

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Erstellt:
5. März 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. März 2011, 12:00 Uhr

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