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Leitartikel · Familiensynode

Im Ungefähren

Prozesse sind für Papst Franziskus wichtiger als Ergebnisse. Doch was, wenn der Prozess nicht in die gewünschte Richtung geht? Die Befragung von Katholiken in aller Welt und zwei Bischofssynoden sollten gemeinsame Wege für einen neuen Umgang mit Familien ebnen.

26.10.2015
  • Bettina Gabbe, Rom

Nun muss Franziskus jedoch feststellen, dass der gemeinsame Nenner katholischer Bischöfe aus Europa, Asien, Afrika und Amerika eher klein ist. Von einer breiten Mehrheit für Antworten auf die Frage, wie die Kirche dem veränderten Familienbild von heute Rechnung tragen kann, keine Spur.

Der charismatische Erzbischof von Buenos Aires war im Bestreben nach einer Reform der vatikanischen Kurie zum Papst gewählt worden. Dazu gehört für Franziskus auch, wichtige Entscheidungen nicht allein im Vatikan zu treffen, sondern teilweise an die Bischöfe der einzelnen Länder zu delegieren. Um entsprechende Veränderungen durchzusetzen, erhoffte der Papst den Rückhalt vieler Bischöfe. Doch mehr Kollegialität bedeutet nicht nur Offenheit für unterschiedliche Auffassungen. Sie lässt auch großen Widerstand gegen die Reformagenda des Papstes zutage treten.

Dass Bischöfe aus unterschiedlichen Kulturkreisen in Fragen wie dem Umgang mit Homosexualität keine einmütigen Antworten geben würden, war zu erwarten gewesen. Entscheidungen bleiben nach der Synode allein dem Papst vorbehalten, daran hat auch Franziskus bislang nichts geändert. Wenn er die auch von seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. geforderte Kollegialität in der Kirchenführung umsetzen wollte, müsste er die Entscheidungsprozesse demokratisieren. Doch genau das vermeidet Franziskus. Die Synode sei kein Parlament, betont er. Es gehe auch nicht um Kompromisse.

Die katholische Lehre in ihrer Interpretation durch die Seelsorge an die heutige Zeit anzupassen, erfordert jedoch Kompromisse zwischen konservativen Hütern der Tradition und Hirten, die sich auf Geheiß des Papstes die Hände an der ungeschminkten Wirklichkeit schmutzig machen. Was immer Franziskus nach dem Ende der Synode entscheidet, er kann sich auf den Ausgang der Bischofsversammlung berufen. Dazu ist das Abschlussdokument mit den Empfehlungen der 270 Synodenväter allgemein genug gehalten. Dass es für manch Konservativen zu wenig auf unveränderbaren Lehren beharrt und für Verfechter von Veränderungen unverbindlich bleibt, enttäuscht Anhänger beider Gruppen. Das Ergebnis der Synode unterscheidet sich kaum von der Lage vor dem Beginn der ersten der beiden Familiensynoden vor einem Jahr. Verfeindete Lager stehen einander unversöhnlich gegenüber, auch wenn sie immer wieder die offenen Auseinandersetzungen unter den Bischöfen beschwören.

Für eigene Entscheidungen des Papstes vor dem Hintergrund weit auseinanderklaffender Meinungen hätte es keiner einzigen Synode bedurft. Allein die Umfrage unter Gläubigen machte die geringe Bandbreite der in der Weltkirche vertretenen Meinungen deutlich. Enttäuschungen wird es am Ende nach Entscheidungen ohnehin geben, auf der einen, der anderen oder gar auf beiden Seiten. Das Problem der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene allein dadurch zu lösen, dass die Entscheidung den Ortsbischöfen überlassen wird, dürfte Gegner von Reformen nicht beruhigen. Sie fürchten eine Protestantisierung der katholischen Kirche im Sinn demokratischer Prozesse, die die eigene Gemeinschaft jeder x-beliebigen anderen immer ähnlicher und damit bedeutungslos macht.

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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