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Im Tübinger Sudhaus geht es dieses Jahr mit den Erweiterungsbauarbeiten los
Der Blick auf das Soziokulturzentrum Sudhaus von hinten zeigt linkerhand das Hanggelände, in das der erweiterte Veranstaltungssaal gesetzt wird. Sowohl die Werkstätten und Ateliers in der Bildmitte als auch der Theatersaal bleiben auch während des Umbaus in Betrieb. Das neue Parkdeck wird sich an der B27, also auf der Vorderseite des hier gezeigten Gebäudekomplexes befinden, zum Biergarten geht es noch ein Stückchen weiter nach rechts.Bild: Metz
Was lange währt, wird allmählich gut

Im Tübinger Sudhaus geht es dieses Jahr mit den Erweiterungsbauarbeiten los

Im 30. Jahr seines Bestehens startet das Tübinger Sudhaus mit dem Erweiterungsbau seines Veranstaltungssaales durch – und überbrückt die Sommerzeit unter anderem mit Public Viewing während der Fußball-WM.

12.04.2018
  • Wilhelm Triebold

In diesem Jahr gibt es an der Bundesstraße im wilden Tübinger Süden ein Jubiläum zu feiern: Vor 30 Jahren hat die Stadt das Sudhaus, eine ehemalige Brauerei und Möbelfabrik, an den Sudhaus-Verein verpachtet. Seither ist das Soziokultur- und Gewerbezentrum ein fester Bestandteil des Tübinger Kulturlebens. Doch mindestens die Hälfte dieser Zeit sehnt man sich dort auch schon nach einer Erweiterung vor allem des großen Veranstaltungssaales, um wirtschaftlich Schritt zu halten mit der Kultur-Konkurrenz in den Nachbarstädten. Vor allem eben auch, um überhaupt das Tübinger Publikum zu halten, bevor es mehr und mehr abwandert, nach Reutlingen oder anderswohin.

Nach zähen Verhandlungen mit einer lärmgeplagten Nachbarschaft und dem Zukauf des „Transcontor“-Nachbargrundstücks durch die Stadt als Sudhaus-Eigentümerin setzte sich dann eine moderate Erweiterungsvariante durch. Bis zu 470 Sitz- und 800 Stehplätze werden zur Verfügung stehen, wenn Ende 2019 der modernisierte Saal eröffnet wird. Bis dahin wird in zwei Etappen erweitert: Jeweils im Sommer läuft der Umbau des Konzert-Herzstücks, während das Programm teils reduziert, teils ausgelagert wird. Sudhaus-Geschäftsführer Adalbert Sedl-meier: „Wir wollen, nicht, dass die komplette Saison flachfällt.“

Im Tübinger Sudhaus geht es dieses Jahr mit den Erweiterungsbauarbeiten los
Die Band Hiss kommt mit neuem Album im Gepäck nach Tübingen. Bild: Sudhaus

Das ließe sich auch finanziell kaum vertreten. Als vor fast genau sechs Jahren die Erweiterung und Modernisierung des Sudhauses unter einigem Grummeln des Gemeinderats endgültig beschlossen war, lag die Kostenschätzung noch bei 3,2 Millionen Euro. Inzwischen nähert man sich der Verdoppelung, zuletzt wurde als Zahl 6,2 Millionen Euro genannt. 1,45 Millionen Euro schießt das Land zu, knapp 180000 Euro wird der Sudhaus-Verein aus Eigenmitteln refinanzieren.

Vorm Sudhaus sind inzwischen Bagger und Planierraupe angerückt. Der Händler Galip Kiranta ist mit seiner Terracotta-Ware inzwischen weggezogen, von dort, wo künftig ein Parkdeck für die – auch vom Regierungspräsidium eingeforderte – Entlastung vom abendlichen Parksuchverkehr der Konzertbesucher entstehen wird.

Seit Anfang Januar, so Sedlmeier, wurden nach und nach die Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke veröffentlicht. Im Augenblick werden die Rückläufe bearbeitet, danach wird der Bauzeitenplan festgelegt. Die vorbereitenden Bauarbeiten, etwa auf dem Gelände des ehemaligen Terrakottalagers, sind bereits vergeben und begonnen worden.

Ebenso wurde bereits mit einer Fluchttreppe südlich des alten Saales angefangen, die nötig wird, sobald auf der Ostseite gebaut wird und dort damit die Zugänge wegfallen. Zur Vorbereitung des Abbruches des Backstagegebäudes wurde die Stromversorgung des alten Saales umgebaut, vom Bau betroffene Lagerräume im Keller wurden geräumt.

Im Tübinger Sudhaus geht es dieses Jahr mit den Erweiterungsbauarbeiten los
Sarah Lesch kommt am 27. Juli auf die Waldbühne hinterm Sudhaus. Bild: Sudhaus

In Erwartung des Baubeginnes hat das Sudhaus bereits für diesen Sommer sein Programm angepasst, erklärt Sedlmeier. „Im Open-Air-Programm haben wir auf bestuhlte Veranstaltungen verzichtet, da hierfür eine Schlechtwetter-Ausweichmöglichkeit zwingend ist.“ Die beiden kleinen Säle Werkstatt und Theatersaal werden weiter bespielt. „Wir erwarten hier lediglich lärmbedingte Einschränkungen für den Probebetrieb.“

Das Sudhaus konnte erreichen, dass der Vorplatz des Biergartens nicht mit in die Organisation des Baus (Materiallager, Kranstellung und anderes) einbezogen wird, sodass der Biergarten „eine zumutbare Eingangssituation behält“, so Sedlmeier. Neben den Lagerfeuerabenden donnerstags, diversen Angeboten wie die Matinee der Musikschule oder für Kinder (Theater, BamBamband, Baumklettern) wird außerdem während der Fußball-WM auch wieder Public Viewing (aber nur der Deutschlandspiele) an der Sudhaus-Waldbühne angeboten.

„Verzichtet haben wir schweren Herzens auf Comedy im Garten und auf ein hochkarätiges Jazzkonzert“, sagt Sedlmeier, „weil hierfür der Saal als Ausweichort nicht gesichert ist. Um mit allen Eventualitäten klarzukommen, haben wir einen Toilettencontainer reserviert.“

Der Sudhaus-Geschäftsführer fügt hinzu: „Wir stehen in den Startlöchern und fiebern dem Projekt entgegen. Denn was lange währt, wird doch hoffentlich gut.“

Von Pierrot Lunaire bis Sarah Lesch: Das Sommerprogramm im und beim Sudhaus

Bevor der Sudhaus-Saal bis zum Oktober nicht mehr zur Verfügung steht, gibt es dort im Mai als letzte Termine „Pierrot Lunaire“ mit der Reutlinger Kammeroper (1. Mai), denm Alternative-Pop-Singer-Songwriter Vona (5. Mai) und zwei Mal die Comedy-Stube (6. und 7. Mai). Der Sudhaus-Biergarten und die Waldbühne eröffnen am 10. Mai am Lagerfeuer mit der Band Tanglefoot, fünf weitere Lagerfeuerabende folgen.

Als größere Konzerte sind geplant: Das Sommerkonzert von Folklang; Hiss mit neuem Album; Afrob und Band, Von Wegen Lisbeth, Sepultura und Sarah Lesch. Die WM-Gruppenspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sind am 17., 23. und 27. Juni.

Zum Dossier: Sudhaus Erweiterung

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12.04.2018, 01:00 Uhr
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