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Unendliche Weiten so nah

Im Stuttgarter Planetarium werden die Sterne vom Himmel geholt

Das Planetarium in Stuttgart ist eine feste Institution in der Landeshauptstadt. Auch mehr als 35 Jahre nach seiner Eröffnung hat das "Tor zum Universum" nichts von seiner Strahlkraft verloren.

08.09.2012

Von JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Fasziniert sind die Besucher vor allem von der beeindruckenden Technik. Denn damit die Sterne an der 13 Meter hohen und 20 Meter durchmessenden Kuppel des Planetariums so wie am realen Himmelszelt richtig schön glühen und funkeln, kommen ganz spezielle Geräte zum Einsatz. "Überraschungsei" nennt Peter Schönamsgruber den riesigen Zeiss-Projektor, der seit Dezember 2001 im Planetarium in Betrieb ist und das in die Jahre gekommene Vorgängermodell ersetzte.

Überraschungsei deshalb, so der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Planetariums, weil der Projektor nicht nur diese besondere Form habe, sondern eben auch voller Überraschungen stecke. Der "Universarium Modell IX" kann mit Hilfe von 32 Glasfaserprojektoren den gesamten Sternenhimmel mit seinen rund 9000 Sternen, Planeten, Kometen, Asteroiden und Satelliten darstellen. Die Technologie der Faseroptik ermöglicht es, sehr viel Licht auf einen kleinen Punkt zu fixieren und so die Sterne realitätsnah an die Projektionskuppel zu zaubern.

"Aber nur mit einem Sternenhimmel allein ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen", weiß Uwe Lemmer, der Direktor des Planetariums. Auf die richtige Inszenierung komme es an. Und auf allerlei Spezialeffekte, die das Publikum zum Staunen bringen. Da wäre zum einen die aufwendige Laser-Show, die mit Hilfe von künstlichem Nebel sogar 3D-Effekte darstellen kann. Zum anderen die Video-Beamer, die seit einigen Jahren im Planetarium installiert sind und die den Besucher mit bewegten Bildern ferner Planeten in den Bann ziehen. Technische Finessen, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.

Doch seit das Planetarium am 22. April 1977 im Mittleren Schlossgarten eröffnet wurde, hat sich in dieser Hinsicht viel getan. Insgesamt 20 Computer sorgen für die Datenbearbeitung. Allein die aktuelle Show "Kosmische Dimensionen" hat ein Datenvolumen von einem Terabyte. Für die nahe Zukunft seien Shows mit bis zu 20 Terabyte Datenvolumen geplant, so Lemmer.

Viele der Shows werden nach wie vor im eigenen Haus konzipiert und produziert. Vom Kommandopult im Vorführraum haben die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Zugriff auf alle benötigten Werkzeuge für eine fulminante Reise ins Weltall. Zeiss-Projektor, Laser, Ton, Nebelmaschine - hier werden in der spielfreien Zeit die künftigen Shows "komponiert" und im Computer abgespeichert. Während den Vorführungen laufe das meiste dann zwar automatisch ab, die Kunst sei es aber, alles im Vorfeld synchron hinzubekommen, weiß Lemmer.

Auch die Zeit, die der Projektor für seinen Weg aus dem acht Meter tiefen Schacht unter der Erde nach oben braucht, ist genau abgestimmt - auf den Opus 30 des Komponisten Richard Strauss "Also sprach Zarathustra", der von Anfang vor jeder Sternen-Show aus den Boxen erklingt.

Pläne für die Zukunft gibt es zur Genüge. Seit zweieinhalb Jahren experimentiert man im Planetarium mit der so genannten Full-Dome-Videotechnik. Neun Beamer projizieren gemeinsam die Animationsfilme in neun Einzelteilen an die Kuppel. Zusammen ergeben sie beispielsweise den Start eines Space-Shuttles aus nächster Nähe oder einen detailgetreuen Flug durch den Saturn-Ring. Beeindruckende Ansichten, doch ganz zufrieden ist Direktor Lemmer mit der Technik noch nicht. Dort, wo sich die einzelnen Videoteile überlappen, sind bei dunklen Aufnahmen und bei genauerem Hinsehen unschöne Ränder zu erkennen. Abhilfe schaffen soll hier in naher Zukunft die neueste Generation digitaler Video-Beamer, die ein sattes Schwarz und hohe Auflösungen von bis zu 30 Megapixel liefern können. Unterstützung bei den Video-Shows könnte bald vom Institut für Visualisierungen der Universität Stuttgart "Visus" kommen, wo Wissenschaftler unter anderem die hochauflösende Visualisierung von astronomischen Daten und Objekten erforschen.

Später soll es einmal möglich sein, statt vorgefertigten Filmen Live-Shows zu zeigen, bei denen jeder gewünschte Blickwinkel in Echtzeit am Computer errechnet werden kann. Die Kosten für die moderne Beamer-Anlage liegen bei etwa zwei Millionen Euro. Lämmer wünscht sich, dass die Technik schon im kommenden Jahr installiert wird. Und zwar unabhängig davon, ob des Planetarium trotz des hohen Sanierungsbedarfs an seinem bisherigen Standort im Mittleren Schlossgarten bleibt, oder - wie schon seit geraumer Zeit im Gespräch - in den Neckarpark in Bad Cannstatt umzieht.

Vom "Cockpit" aus kann Peter Schönamsgruber, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Planetariums, den Sternenprojektor steuern. Fotos: Schütze

Planetariums-Direktor Uwe Lemmer schaut im acht Meter tiefen unterirdischen Technikschacht nach dem Rechten.

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Erstellt:
8. September 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. September 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. September 2012, 12:00 Uhr

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