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Kommentar · US-Wahl

Im Sturzflug

18.08.2016
  • VON PETER DE THIER, WASHINGTON

Die Republikaner können ihr Chaos schönreden, Einheit vortäuschen und sogar Zähne knirschend behaupten, sie stünden vorbehaltlos hinter ihrem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Dabei gibt es nichts zu verniedlichen: Die Partei liegt in Trümmern. Von Funktionären auf der Bezirksebene bis hin zu etablierten Politikern wie Jeb Bush, Marco Rubio und Ted Cruz ließen sich alle von einem rüpelhaften Demagogen überrollen. Sie demonstrierten mangelnden Einfallsreichtum, als es darum ging, dessen unsachliche Attacken zu entschärfen. Der Ruf der Partei ist ramponiert, die Glaubwürdigkeit zerstört. Dabei geht es mittlerweile um deutlich mehr als die Präsidentschaft. Die Republikaner bangen zu Recht um ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern. Beide könnten sie im November verlieren.

Seit Jahrzehnten haben die Republikaner ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit. Liegt ein Kandidat, ob es um den Senat oder das Weiße Haus geht, in Umfragen im Rückstand, dann fahren sie schweres Geschütz gegen den politischen Gegner auf. Belanglose Episoden von Demokraten aus der Vergangenheit werden ausgegraben und gewaltig dramatisiert. Unter Trump haben die Schmutzkampagnen aber ganz andere Dimensionen angenommen. Leidtragender ist diesmal nicht der politische Gegner, also Hillary Clinton, sondern der eigene Kandidat und die eigene Partei.

Dass die Tradition der schmutzigen Wahlkämpfe irgendwann einen Bumerang-Effekt entfalten würde, darf die Republikaner nicht wundern. Ein fataler Fehler bestand aber auch darin, dass sie auf die Lawine Trump keine Antwort hatten. Als die Vorwahlen begannen, hielt niemand für möglich, dass ein selbstverliebter, dünnhäutiger und politisch unerfahrener Unternehmer, der bereits vor der ersten Stimmabgabe jede Wählerschicht beleidigt hatte, es zur Präsidentschaftskandidatur bringt. Dabei ist es weniger Trump selbst, der die Schwächen bloßgelegt hat. In welch desolatem Zustand sich heute eine Partei befindet, die große Präsidenten wie Abraham Lincoln und Ronald Reagan stellte, kommt vielmehr in jenen Millionen von Wählern zum Ausdruck, die Trump ihre Loyalität geschworen haben.

Es sind fast ausschließlich weiße Männer mit geringer Bildung, unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Lage, in Angst vor Ausländern und Terror und zutiefst misstrauisch gegenüber allem politisch Etablierten. Sie sehen in Trump eine Art Wunderheiler, der die besten Jobs schaffen wird und mit seinen rabiaten Plänen gegenüber Muslimen und Einwanderern Amerika sicherer machen soll. Dabei fehlt es Trumps Gefolgsleuten an der Intelligenz, um ihren Helden als Hochstapler zu durchschauen, der nur selten Fakten vorträgt. Etwa, wenn er wie jüngst die falsche Behauptung in die Welt setzt, in Deutschland sei die Kriminalität durch den Flüchtlingszuzug stark gestiegen. Die Partei hat dieses Wählerpotenzial lange vernachlässigt.

Bisher waren es Flügelkämpfe zwischen gemäßigten Republikanern und der rechtsgerichteten Tea Party, die interne Konflikte prägten. Nun aber ist es ein Tauziehen zwischen ihrem opportunistischen neuen Fahnenträger und einer Partei, die ums Überleben kämpft. Trump-Wähler künftig auf einen konsensfähigen Kandidaten einzuschwören wie es 2012 Mitt Romney war – das wird für die Republikaner ein langfristiges Projekt sein. Kurzfristig geht es darum, den Schaden zu minimieren. Für die Präsidentschaft dürfte es schon zu spät sein. Die Partei kann sich glücklich schätzen, wenn es ihr gelingt, im November in auch nur einer der beiden Kammern im US-Kongress die Mehrheit zu behaupten.

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18.08.2016, 06:00 Uhr
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