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Lisa Maria Sporrer kennt die Lärmquelle an der Neckarbrücke

Im Sinne der Nachtruhe: bitte rechtsrum drehen

Üüüüüt –zwei Sekunden Pause – üüüüüt – Pause – dann ein Rattern, dazu ein Quietschen, das den spontanen Gedanken an einen schreienden Schwan oder eine gequälte Ente über den Haufen wirft.

08.11.2018
  • lms

Wer in Tübingen am Neckar wohnt, bezahlt das in den Sommermonaten bisweilen mit einer vielfältigen Geräuschkulisse. Die meisten Töne sind aber schnell zuzuordnen: kreischende Mädchen auf der Neckarinsel, nächtliche Musik aus dem Ghettoblaster, der platschende Sound, wenn Studenten in der Sommerhitze Arschbomben vom Indianersteg machen. Morgens um sieben dann das Motorengeräusch des städtischen Autos, das auf der Platanenallee die Mülleimer leert.

Die Tage sind kürzer geworden, kälter, geräuschloser. Das Müllauto dreht morgens wie gehabt seine Runde, die Glocken der Stiftskirche schlagen, und das üüüüüt, das sich im Sommer in den Pool der Geräusche mischte, kommt immer stärker zur Geltung. Der Blick aus dem Fenster auf die Neckarinsel gibt keinen Aufschluss. Die Google-Suche „Was hört sich an wie üüüüüt?“ auch nicht. Unregelmäßig, meist kurz hintereinander und besonders gut hörbar ab 22 Uhr, wenn sich die Stadtgeräusche beruhigt haben, kommt es wieder: Üüüüüt.

Ein halbes Jahr hat es bis zur Erleuchtung gedauert. Mit ihr verbunden war eine akustische Erinnerung an Studientage: Schon damals knarzte die Fahrplananzeige auf der Neckarbrücke. Auf der einen Seite hängen elektronische Anzeigetafeln. Auf der anderen Seite aber stehen nur Drehgestelle. Wer sich für Abfahrtszeiten seiner Buslinie interessiert, muss an ihnen drehen. Die Probe zeigt: Alle vier Drehtafeln klingen anders, ähnlich unterschiedlich hoch befüllten Wassergläsern.

Das obere Gestell für die Linien 7 und 8, klingt, wie übrigens alle anderen Gestelle, rechtsherum gedreht fast gar nicht. Dreht man es aber links herum, rattert es wie eine Festplatte, bevor sie ihren Geist aufgibt. Nur viel lauter. Das darunter hängende Gestell ist das üüüüüt-Gestell. Es macht den meisten Krach und wird am häufigsten benutzt, weil die wichtigen Stadtbuslinien 2,3,4 und 5 dort aufgehängt sind.

Einen kratzigeren Ton, mit fließendem Übergang ins Quietschen, machen die Nachtbuslinien. Aber bis die in der Nacht von den Heimkehrwilligen gefunden werden, ertönt es ratter, ratter, üüüüt, üüüüt, quietsch. Das Gestell für die Teilort-Busse beschränkt sich hingegen auf ein dezentes Kratzen.

Auf Nachfrage bei den Stadtwerken, die für die Fahrpläne und ihre Gestelle zuständig sind, war zu erfahren: Die wichtigste Aufgabe des SWT-Haltestellendienstes sei die Aktualisierung und der Austausch der Fahrpläne. Darüber hinaus seien die Mitarbeiter hauptsächlich mit dem Entfernen von Graffiti, Aufklebern, Flugzetteln und sonstigen Schmierereien beschäftigt.

Auch das Ölen der Drehhalter-Mechanik zähle zu ihren Aufgaben. „Daher freuen wir uns über Hinweise, wo mal wieder etwas Öl nötig wäre“, antwortete Pressesprecher Ulrich Schermaul. Einen Termin dafür nannte er auch schon: Der anstehende Fahrplanwechsel im Dezember biete sich doch an. Bis dahin bleibt nur ein Appell: Bitte zugunsten der schlafenden Anwohner zumindest in der Nacht rechtsherum drehen.

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08.11.2018, 01:00 Uhr
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