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Stress vor dem Einzug

Im Rathaus am Markt schaffen die Handwerker bis in die Nächte hinein

So viel los wie in diesen Tagen ist im Rathaus selten. Ein Kommen und Gehen von Handwerkern, in allen Räumen, Treppenhäusern und Fluren wird geschafft. Von Montag an ziehen die Mitarbeiter der Verwaltung ein. Bis dahin ist noch viel zu tun.

24.10.2015
  • Sabine Lohr

Tübingen. „Ich muss den Termin platzen lassen.“ Hochbau-Chef Andreas Haas will dem TAGBLATT das Rathaus am liebsten noch gar nicht zeigen. Schließlich willigt er doch ein – aber nur unter dem Versprechen, keinen der Handwerker durch irgendwelche Fragen von der Arbeit abzuhalten.

Zum Beispiel jenen, der hochkonzentriert mit einem Schleifklötzchen die hellgraue Verkleidung einer der Pfeiler an der Fassade bearbeitet. Wie Sandstein sehen diese Verkleidungen aus, hinter denen die früheren schmalen Betonstützen verschwunden sind. Jetzt ähneln die Arkaden wieder jenen vor rund 500 Jahren, als das Rathaus gerade gebaut worden war.

Im Foyer streicht ein anderer Handwerker die alte Holzstrebe des einzigen noch erhaltenen Originalträgers an. Bei der Sanierung hatte sich herausgestellt, dass dieser Träger zur Hälfte von Käfern zerfressen war. Die Sanierer der 1960er-Jahre hatten diesem Holzträger schon nicht mehr getraut und ihm eine Stahlstütze an die Seite gestellt. Die aber hatte sich durch die Last des Hauses geneigt und dadurch so auf das Fundament gedrückt, dass das einen Sprung bekommen hatte. Bei der jetzigen Sanierung wurden deshalb sowohl der Stahl- als auch der Holzträger entfernt. Das Rathaus wurde, bis der Holzpfeiler saniert war, durch mehrere starke Eichenstämme getragen.

Im Foyer stehen weiße, schmale Schränke an der Längswand. Sie sind voller Staub. Wie alles im Rathaus: Wer mit dunklen Schuhen ins Rathaus geht, kommt mit weißen wieder heraus. Fast alle Böden und Treppen sind noch entweder mit Holzfaserplatten oder mit dicken Kartons abgedeckt. Nur im Hofgerichtssaal, wo am Donnerstag schon ein Ausschuss tagte, und in einigen Büros ist der Holzboden von diesem Gehschutz befreit.

Im Sitzungssaal ist ein Handwerker mit der Elektrik beschäftigt. Zwei große Monitore hängen von der Decke – damit die Zuschauer bei Sitzungen die Präsentationen verfolgen können. Hell ist der Saal geworden. Das liegt vor allem an den neuen Fenstern. Die butzenähnlichen Scheiben, die in den 1960er-Jahren eingebaut worden waren, sind weg. Stattdessen fällt der Blick durch klares Glas auf die Häuser am Marktplatz. „Wir haben die Stadt ins Rathaus geholt“, sagt Haas. So wirkt es tatsächlich, auch in der Gemeinderats-Kantine, wo hinter den vier großen Bogenfenstern die Haaggassen-Häuser ins Rathaus schauen. Würden sie tatsächlich etwas sehen, fiele ihr Blick auf eine Art Möbellager. Aufeinandergestapelte weiße Tische füllen fast jeden Zentimeter der Kantine. Es ist die Möblierung für den Sitzungssaal.

Zwei Etagen darüber ist Ursula Reuter von der Geschäftsstelle des Gemeinderats nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie verteilt im Hofgerichtssaal die Unterlagen für den Verwaltungsausschuss auf den im Oval aufgestellten Tischen und ist guter Dinge, dass bis zum Sitzungsbeginn in einer Stunde das Licht tut. Dieser Saal ist der dunkelste Raum im Rathaus. Die Antikfenster bekamen Scheiben vorgesetzt, die Schall und Kälte draußen lassen. Die Wände sind graublau gestrichen und haben am oberen Rand eine gelbliche Bordüre. Die Bemalung richtet sich nach dem, was die Handwerker beim Sanieren an einer Stelle der Wand entdeckt hatten: die Originalfarbe samt einem Stück Bordüre.

„Alle Handwerker sind extrem motiviert und sehr kooperativ“, lobt Haas. Sie arbeiten bis in die Nacht hinein – anders würden sie nicht fertig werden. Dennoch leide die Qualität unter dem Stress nicht, verspricht Haas. Beim Blick des Laien auf all das, was noch gemacht werden muss, steigt dennoch leichte Panik auf. Es fehlen Leisten in den Treppenstufen, von den Decken hängen Kabel für die Lampen, die Türen haben keine Klingen, in einem Flur fehlt die Farbe – und dann muss noch der ganze Dreck und Staub entfernt und alles auf Hochglanz gebracht werden.

Im Rathaus am Markt schaffen die Handwerker bis in die Nächte hinein
Schön sortiert wird der Renovierungsmüll aus dem Rathaus: Holz, Metall und der ganze Rest. Die Handwerker sind mit Feinarbeiten beschäftigt. Bild: Sommer

Offiziell eröffnet wird das sanierte Rathaus am Markt am Samstag, 28. November. An diesem Tag wird es unter anderem auch Führungen durch das Haus geben. Im Foyer wird eine Ausstellung eröffnet, die zeigt, wie das historische Gebäude saniert wurde – mit allen Entdeckungen und Schwierigkeiten. Vom kommenden Montag an zieht die Verwaltung ins Rathaus ein. Die erste öffentliche Gemeinderatssitzung ist am Dienstag, 10. November. Sie beginnt um 17 Uhr. Die nächste Ratssitzung am Montag, 26. Oktober, ist ein letztes Mal im Landratsamt. Oberbürgermeister Boris Palmer will sich dann bei Landrat Joachim Walter bedanken, der dem städtischen Gremium Obhut gab. Walter war bei der vergangenen Sitzung verhindert.

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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