Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Leitartikel · Bundeswehr

Im Kriegseinsatz

02.12.2015
  • SWP

Von Gunther Hartwig

Gestern hat das Bundeskabinett grünes Licht für den Syrien-Einsatz der Bundeswehr gegeben. Zwar war Deutschland schon seit über einem Jahr Teil der maßgeblich von Amerikanern und Franzosen befehligten Anti-Terror-Koalition gegen den "Islamischen Staat". Doch beschränkten sich die Beiträge der Bundesrepublik im Nordirak und in Mali auf Ausbildungsmaßnahmen und Waffenlieferungen, während das künftige Mandat auch Aufklärung und Logistik in der Krisenregion umfasst, die Entsendung von Tornados, Tankflugzeugen und einer Fregatte. Damit erhält das deutsche Engagement im Kampf gegen den IS eine neue Qualität.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande spricht offen von Krieg, weshalb es keinen Sinn macht, jetzt die Umstände und Risiken zu verbrämen, die mit dem Marschbefehl an unsere Soldaten verknüpft sind. Nur weil die Bundeswehr weder Bomben abwirft noch Bodentruppen stellt, ist die Mission kein ungefährlicher Freundschaftsdienst an der Seite des von blindwütigen Gotteskriegern attackierten Nachbarn. Es handelt sich vielmehr um einen ziemlich robusten Auftrag, der jederzeit in eine unmittelbare Verstrickung in Kampfhandlungen münden kann. Mit anderen Worten: Die schwarz-rote Koalition schickt die Bundeswehr in den Krieg gegen eine Terrormiliz, die nach dem Urteil von Experten allein auf dem Schlachtfeld in Syrien nicht zu besiegen ist.

Nun ziehen die Kanzlerin und ihre verantwortlichen Minister keineswegs mit Hurra in dieses Gefecht. Angela Merkel hat Frankreich nach den Anschlägen von Paris "jedwede Unterstützung" versprochen, und Paris wäre mit weniger als einem bedeutenden militärischen Beitrag Deutschlands nicht zufrieden gewesen. Soviel Solidarität sind wir unserem wichtigsten Verbündeten in Europa einfach schuldig. Nebenbei: Es wäre schön, wenn auch unsere EU-Partner dasselbe Maß an Gemeinsinn in anderen Fragen aufzubringen bereit wären.

Freilich wirft die Entscheidung für den Kriegseinsatz in Syrien ernste Fragen auf, die im Bundestag unbedingt zur Sprache kommen sollten, bevor dort über das Mandat abgestimmt wird: angefangen bei den völkerrechtlichen Grundlagen, die nicht zweifelsfrei sind, über die berechtigte Sorge, dass ein bewaffneter Feldzug gegen den Terror zumeist die potenzielle Zahl von Attentätern und damit die Anschlagsgefahr auch in Deutschland erhöht, bis zu den gleicher Maßen schmerzhaften wie kostspieligen Erfahrungen aus den Kriegen im Irak, in Afghanistan und Libyen.

Offen ist bis zur Stunde vor allem die zentrale Frage: Wer verfügt über ein einleuchtendes, effizientes und nachhaltiges Gesamtkonzept, das zur militärischen Ausschaltung der IS-Kommandostrukturen ebenso wie zur politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Eindämmung des islamistischen Terrors führt?

Dieser asymmetrische Krieg wirkt aus westlicher Perspektive wie eine Offensive ohne Strategie, bestritten von einer multinationalen Allianz, die zwar vom gemeinsamen Siegeswillen getragen wird, aber nicht von übereinstimmenden Interessen - wie denn auch? Russland und die Türkei, Saudi Arabien und der Iran, die Amerikaner und die Europäer verfolgen geopolitisch unterschiedliche, teilweise sogar gegensätzliche Ziele in dieser Region. Das alles wiegt schwer und steht einer militärischen Intervention mindestens so lange entgegen, wie diese als bloßer Selbstzweck erscheint, als Signal von Vergeltung und Symbol der Entschlossenheit.

Vor der Abstimmung kritische Fragen

debattieren

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

02.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Sozialwohnungen Offensive mit einem Haken
Angelika Bachmann über eine Erkenntnis 30 Jahre nach dem Abitur Sechs Algorithmen in einem karierten Schulheft
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular