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Trend zum Abbruch

Im Kreis Tübingen schmeißen Azubis im Handwerk zunehmend ihre Lehre hin

608 der 4890 Ausbildungsverhältnisse (12,4 Prozent) im Bereich der Handwerkskammer Reutlingen-Tübingen sind im Jahr 2017 abgebrochen worden.

04.04.2018
  • itz

Dazu zählen die Landkreise Reutlingen, Tübingen, Zollernalb, Sigmaringen und Freudenstadt. Im Kreis Tübingen brachen im Vorjahr 127 von 961 Azubis (13,9 Prozent) die Lehre ab. 2016 waren es noch 10 Prozent.

Damit macht sich in der Region ein Trend bemerkbar, der sich bundesweit widerspiegelt: Seit Anfang der 90er-Jahre war die Abbrecherquote in Deutschland nie so hoch wie 2016 – das geht aus dem Entwurf für den „Berufsbildungsbericht 2018“ hervor. Für Udo Steinort, den Pressesprecher der hiesigen Handwerkskammer, ist „der Klassiker der Praxisschock“. Viele Azubis gingen mit falschen Vorstellungen in den Beruf: 170 der 608 Abbrecher im Jahr 2017 hörten binnen der Probezeit in den ersten drei Monaten auf. Ein zweiter Grund sei, dass es oftmals in den Betrieben nicht funktioniert. So kommt es häufig vor, dass Azubis den Handwerksbetrieb wechseln – in der Statistik aber dennoch als Abbrecher auftauchen. Die Handwerkskammer hat zwei Kräfte zur Beratung von Auszubildenden im Einsatz: „Sie sind im Konfliktfall Ansprechpartner für beide Seiten.“

In Steinorts Kammer sind die Abbrecherquoten bei Malern und Lackierern (50 von 210, 23,8 Prozent) sowie Friseuren (70 von 302, 23,2 Prozent) im Jahr 2017 besonders hoch. Ob das auch mit den niedrigen Einstiegsgehältern zu tun hat, wie es der Gewerkschaftsbund bemängelt? „Diesen Zusammenhang finde ich schwierig“, sagte Steinort. Einige Abbrecher gebe es in der Region auch bei den besser bezahlten Ausbildungsberufen wie Maurer (14,7 Prozent) oder Beton- und Stahlbetonbauer (15,4).

Die Reutlinger Industrie- und Handelskammer (IHK) gibt für die Azubis im ersten Ausbildungsjahr 2017 eine sogenannte Lösungsquote von 14,1 Prozent (294 von 2089) in der Region an. 2016 lag der Anteil der Abbrecher bei 14,6 Prozent (291 von 1988). Petra Brenner, die IHK-Ausbildungsbeauftragte, errechnete die Lösungsquote im Handel über die komplette Ausbildungsdauer (Start: 2013) und kam auf 24 Prozent. Außerdem erreichen die Bereiche Hotel und Gastronomie ähnliche Quoten. Das habe einen „Hauptgrund zeitlicher Art“, sagte sie. Anders die Elektrotechniker, die in der Region viele Firmen finden. Da liege die Quote laut Brenner bei nur etwa 8 Prozent.

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04.04.2018, 21:45 Uhr
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