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Pestel-Institut: Es droht eine Wohnungskrise

Im Kreis Tübingen fehlen vor allem bezahlbare Wohneinheiten

In Tübingen fehlt bezahlbarer Wohnraum. Im Schnitt 400 Wohnungen werden pro Jahr neu gebaut – doch das reicht bei weitem nicht, so das Pestel-Institut. Und der Druck nimmt zu: Am Wochenende wurde ein seit vielen Jahren leeres Haus in der Gartenstraße 7 einige Stunden lang besetzt (wir berichteten).

26.10.2015
  • Volker Rekittke

Kreis Tübingen. Im Landkreis Tübingen werden rund 1060 Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts in Hannover hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Wohnungsbedarf für den Landkreis im Jahr 2015 auf rund 2000 Wohnungen. Im Schnitt wurden allerdings in den vergangenen Jahren im Kreisgebiet nur 920 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt – davon rund 400 in Tübingen.

„Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht der Landkreis Tübingen in diesem Jahr 2,2-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. Es sei zwingend notwendig, die bisherige Neubaurate „enorm zu steigern“ und beim Leerstand „kräftig zu sanieren“. Günther: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen, vor allem Sozialwohnungen“ – und zwar für Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte – und auch für Flüchtlinge. Gerade mal 90 Sozialwohnungen wurden 2013 im Südwesten gefördert.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat die Wohnungsmarkt-Analyse gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) in Auftrag gegeben.

Die Vertreter der Baubranche sprechen sich für eine Ankurbelung des Wohnungsneubaus und für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden könne dies durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen. Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize kombiniert mit Mietobergrenzen vor. Solche Modelle gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 1990er-Jahren. Günther: „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren.“

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, reichen laut Pestel-Institut „hinten und vorne nicht aus“. Bundesweit werden dadurch bestenfalls 12 000 Wohnungen neu entstehen. Das sei eine Kapazität, „die eine Großstadt nur so weggeschluckt. Der Landkreis Tübingen wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“

Das Pestel-Institut in Hannover geht von rund 2600 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres in den Landkreis Tübingen kommen. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlinge. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer wurde nach dem „Königsteiner Schlüssel“ berechnet, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl. „Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Landkreis Tübingen kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, so Günther.

Im Kreis Tübingen fehlen vor allem bezahlbare Wohneinheiten
Auch eine Art „Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen“: Das seit Jahren leerstehende Haus Gartenstraße 7 wurde Freitagnacht für einige Stunden besetzt. Bild: Rekittke

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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