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Leitartikel Konsum

Im Kaufrausch

Man hat sich schon fast daran gewöhnt: Die Bundesbürger sind im Kaufrausch, nicht nur die Ausgaben kurz vor dem Fest erreichen noch vor wenigen Jahren unvorstellbare Summen. Die GfK-Konsumforscher etwa erwarten für dieses Weihnachtsgeschäft ein Umsatzvolumen für Geschenke von 14,3 Milliarden Euro.

29.11.2017
  • HAJO ZENKER

Berlin. Dabei galten die Deutschen jahrelang als Sparweltmeister, die ihr Geld schön zusammenhielten – ganz anders etwa als die Amerikaner, die schon immer auf Teufel komm raus konsumiert haben, gern auch auf Kredit. Das hat sich hierzulande gründlich geändert. Die Deutschen haben die Lust am Shoppen entdeckt, was die heimische Konjunktur übrigens noch zusätzlich ankurbelt.

Nun ist es richtig, dass in Zeiten der von der Europäischen Zentralbank (EZB) verordneten Niedrigstzinsen das Sparen nicht lohnt und die Bundesbürger ihr Geld deshalb lieber ausgeben wollen. Vor allem in Zeiten, wo die meisten Deutschen im Bezug auf ihre wirtschaftliche Lage für die kommenden Monate Zuversicht zeigen. Denn die Erwerbstätigkeit legt weiter zu. Auch spülen viele Tarifabschlüsse zusätzliches Geld in die Haushaltskasse.

Aber das allein kann es noch nicht sein. Jahrzehntelang schien es in der alten Bundesrepublik so, als könne es nur noch besser werden. Als könnte die Republik nichts wirklich erschüttern. Konsens war, dass man im Ruhestand, Gesundheit vorausgesetzt, die Früchte seines Erwerbslebens würde genießen können. Und Sparen also sinnvoll war. Sinnbild dafür war auch die starke Deutsche Mark.

Doch die Zeit der vermeintlichen Gewissheiten ist vorbei. Die von Amerika ausgehende Finanzkrise führte zu globalen Erschütterungen und veranlasste die EZB, den Euro mit aller Macht zu stützen. Trump-Wahl und Brexit zeigen, wie schnell die Welt politisch aus den Fugen geraten kann. Syrien-Krieg, Krim-Annektion und Nordkoreas Raketen illustrieren, dass friedliche Verhältnisse alles andere als selbstverständlich sind. Der Terror wiederum mit immer neuen Toten auch in Europa unterstreicht, wie verletzlich die westlichen Gesellschaften erscheinen. Und die Folgen des Klimawandels sind ebenfalls bei vielen Menschen stärker ins Blickfeld gerückt.

Kein Wunder also, wenn bei immer mehr Deutschen das Motto gilt: Lebe den Augenblick! Gönne dir und den Liebsten etwas! Und mag es vielleicht irgendwann in Zukunft nur noch trocken Brot geben – heute wird möglichst luxuriös getafelt, gerade zum Jahresende. Das kann einem später keiner mehr nehmen. Konsequent erscheint da, dass eine bundesweite Supermarktkette vor wenigen Tagen Kobe-Fleisch aus Japan für 400 Euro das Kilo im Angebot hatte.

Aber selbst wenn uns Neuwahlen, Handelskriege, Naturkatastrophen in den kommenden Monaten erspart bleiben und so viele Ängste nicht wahr werden sollten – auch der längste Aufschwung geht einmal zu Ende. Und dann müssen wir wieder lernen, den Gürtel enger zu schnallen. Das dürfte weh tun.

leitartikel@swp.de

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29.11.2017, 06:00 Uhr
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