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Nicht zugelassene Feuerwerkskörper aus dem Ausland sind gefährlich

Illegale Böller: Finger weg!

Drei Tote in der Nacht auf Neujahr 2015. Ursache: selbstgebastelte oder illegale Böller aus Osteuropa und China. Sie sind verboten, weil sie brandgefährlich sind. Von heute an ist legales Feuerwerk im Handel.

29.12.2015
  • EGBERT MANNS (MIT DPA)

Ulm. Eine Kugelbombe hat ein 33-Jähriger in Rommerskirchen (Nordrhein-Westfalen) gezündet, es war schon 2 Uhr in der Neujahrsnacht 2015. Noch als er sich über den Feuerwerkskörper beugte, ging der hoch. Noch in weiter entfernt stehenden Häusern wackelten Wände, "es war wie im Krieg", sagte der Anwohner Luigi Mazziotti dem Kölner "Express". Der 33-Jährige starb auf der Stelle. In solchen Kugelbomben "ist 100mal so viel Schwarzpulver im Spiel wie bei legalem, deutschen Feuerwerk", zitiert die Zeitung einen Pyrotechniker. Vier Tage vorher hatte das Hauptzollamt Krefeld noch vor solchen, aus Polen stammenden Kugelbomben gewarnt.

Der 33-Jährige aus Rommerskirchen war einer von drei Männern, die in der Nacht starben. Ein 19-Jähriger wurde in Mobendorf (Sachsen) von einem extra starken Feuerwerk getötet, das er nach Aussagen von Freunden selbst gebastelt hatte. Es hat ihm nichts genutzt, dass er das Zündrohr 30 Zentimeter tief vergraben hatte. Und in Alveslohe (Schleswig-Holstein) starb ein 18-Jähriger, weil sein polnischer Böller sofort explodierte, als die Lunte angezündet wurde.

Die vielen anderen körperlichen Schäden sind ungezählt. Finger abgerissen, Hände zerfetzt, Augenlicht verloren, Trommelfell gerissen, Brandwunden im Gesicht. "Die Unfallopfer kommen teilweise mit unglaublich schweren Verletzungen zu uns", sagte Lars-Peter Kamolz, der Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie am Grazer LKH-Uniklinikum, dem ORF. Das kann zwar auch passieren, wenn man falsch mit legalen Feuerwerkskörpern umgeht. Meistens aber ist es eine Folge der aus dem Ausland bezogenen Böller. Sie wirken "wie eine Granate", sagt Prof. Raymund Horch, der Präsident der Fachgesellschaft für plastische Chirurgie.

Illegale Böller: Finger weg!
Kein Wunder, wie die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) herausfand, als sie Böller aller Art in einer Handattrappe zündete. "So manch kleiner Böller, den wir angezündet haben, enthielt auch Sprengstoff", sagte die BAM-Sprecherin Ulrike Rockland. "Die Wirkung ist dann viel, viel heftiger." Das meiste illegale Feuerwerk wird in China hergestellt. Es kommt im Wesentlichen auf zwei Wegen nach Deutschland: per Bestellung übers Internet und in Kofferräumen, meistens aus Polen und Tschechien, aber auch aus Belgien und den Niederlanden.

Die Zollfahndung Berlin-Brandenburg erwischt beinahe jeden Tag Schmuggler. Ihre Autos sind oft vollgestopft mit Böllern und Raketen und, damit mehr rein passt, ohne Verpackung, berichtet die Zollsprecherin Claudia Bandelow. Für die Zollbeamten ein Risiko; manche Fracht würde ausreichen, um das ganze Auto in die Luft zu jagen. Die illegalen Böller seien eine Art unberechenbare Blackbox, sagt Rockland. Wie sind sie aufgebaut? Wie reagieren sie? Niemand wisse das.

Was in zugelassenen Böllern steckt, weiß man hingegen: Maximal sechs Gramm Schwarzpulver. In denen aus dem Ausland steckt meistens Blitzknallsalz, das viel stärker reagiert als Schwarzpulver. Die Pulvermengen sind auch größer. Man erkennt die Böller häufig schon auf den ersten Blick an ihrer werblichen Aufmachung.

Nüchtern sein und Abstand halten

Illegale Böller: Finger weg!
CE-Prüfsiegel der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM).
Zulassung Feuerwerkskörper, die erlaubt sind, sind mit mehreren Angaben beschriftet: Identifikationsnummer der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), Registriernummer und/oder CE-Zeichen. Dazu eine deutsche Gebrauchsanleitung. Die Beschriftungen „Kat 2“ oder „K II“ oder „P II“ oder „F 2“ (Kategorie 2) besagen, dass das Feuerwerk nur von Erwachsenen (ab 18) verwendet werden darf. Mit „Kat 1“/„K I“/„P I“/„F 1“ dürfen auch Jüngere hantieren. Mit Feuerwerk der höheren Kategorien 3 und 4 dürfen ausschließlich Profis hantieren.

Kaufen und zünden Feuerwerkskörper dürfen nur an den letzten drei Werktagen eines Jahres verkauft werden. In diesem Jahr sind das der 29. bis 31. Dezember. Gezündet werden dürfen sie nur an Silvester und Neujahr, jeweils den ganzen Tag, jedoch nicht in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Alten-, Pflege und Kinderheimen. In manchen Gemeinden gibt es weitere Tabuzonen.

Vorsicht Zur Sicherheit: Nur nüchtern mit Feuerwerk hantieren. Der Gebrauchsanweisung folgen. Böller, Raketen und anderes beim Zünden nicht in der Hand halten. Flaschen als Abschussrampen müssen senkrecht stehen, am besten im Kasten. Abstand von Häusern und Autos halten.

Kinder Schon allein des Lärms wegen sollten Kinder nicht in der Nähe von lautem Feuerwerk stehen. Böller können bis zu 170 dB laut sein. Zum Vergleich: Ein Sektkorkenknall hat 90 dB. Ein Gehörschutz ist daher sinnvoll. Kinder dürfen nur mit Feuerwerkskörpern der Klasse 1 (Kleinstfeuerwerk/Kinderfeuerwerk/Tischfeuerwerk) hantieren. Sofern sie unter zwölf Jahre alt sind, nur unter Aufsicht Erwachsener. ema

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29.12.2015, 08:30 Uhr
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