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„Ich war völlig ahnungslos“
Caveman? Nein, das ist Martin Luding als Karl Moor in Schwäbisch Hall. Foto: braintain media
Caveman Martin Luding über die Anfänge, Comedy-Hits und die „Räuber“ auf der Haller Treppe

„Ich war völlig ahnungslos“

Mehr als 2000 Mal stand er als Caveman auf der Bühne. Diesen Sommer spielt Martin Luding in Schwäbisch Hall den Karl Moor in Schillers „Die Räuber“.

02.08.2016
  • HELMUT PUSCH

Schwäbisch Hall. 1200 Stühle stehen in Reih und Glied auf dem Schwäbisch Haller Marktplatz, auf der berühmten Treppe von St. Michael verteilen sich ein riesiges zerbrochenes Herz, ein paar Finger, zwei Füße: Heiko Mönnichs Bühnenbild für Thomas Goritzkis Inszenierung von Friedrich Schillers „Die Räuber“. Und mit wehenden Haaren kommt da einer den Berg hochgeradelt, den man eigentlich vor allem als Solist auf deutschen Bühnen kennt: Martin Luding (45), der seit 14 Jahren als Caveman in Rob Beckers Dauerbrenner „Caveman“ unterwegs ist. Er hat für Hall das Fach gewechselt, ist von Comedy auf Drama umgestiegen und steht als Karl Moor auf den 54 Stufen der Treppe und im Café am Markt Rede und Antwort.

Sie haben trotz all der Hügel in Schwäbisch Hall kein Elektrofahrrad…

MARTIN LUDING: Brauche ich auch nicht. Wer drei Monate lang auf diesen Stufen probt und spielt, der ist fit. Das geht ganz schön in die Beine, wenn einen der Regisseur den einen oder anderen Gang ein paar Mal machen lässt. Und ich trage Vilmar Bieri, der den Vater Moor spielt, in jeder Vorstellung drei Mal die Treppen hoch und runter. Das sind jedesmal 54 Stufen. Wie gesagt: Das trainiert.

Auch ansonsten haben Sie ein schweißtreibendes Programm. In ihren Comedy-Theater-Programmen Caveman, „Hi Dad“ und „Auf und davon“ stehen Sie ja alleine auf der Bühne. Wie oft haben sie Caveman eigentlich gespielt?

LUDING: Genau weiß ich das gar nicht. Allein in Stuttgart waren es mehr als 800 Mal, insgesamt dürften das 2000 bis 2500 Vorstellungen gewesen sein. In den ersten Jahren waren das bis zu 250 Auftritte pro Jahr, jetzt stehe ich pro Jahr etwa 120 Mal auf der Bühne.

Und wie viele Menschen haben Ihnen dabei zugesehen?

LUDING: Auf jeden Fall mehr als ein Million, nicht schlecht für einen, der eigentlich gar nicht daran gedacht hat, mal Schauspieler zu werden.

Wie kam es eigentlich dazu?

LUDING: Alles begann damit, dass ich 1990 Esther Schweins kennenlernte. Ich studierte in Berlin Betriebswirtschaft. Sie arbeitete beim WDR und suchte Kandidaten für die TV-Show „Techtelmechtel“. Sie kam also nach Berlin, machte ein Video von mir, und wir verstanden uns sofort, sind bis heute gute Freunde. Sie stellte mich auf allen Partys immer so vor: Das ist mein Freund Martin. Er ist Schauspieler. Er weiß es nur noch nicht.

Dadurch wird man aber noch kein Schauspieler.

LUDING: Esther amüsierte sich immer darüber, wenn ich vor meinen Kumpels Witze riss. Sie meinte, ich sollte das doch mal auf einer Bühne machen. Ich dachte mir: Wenn ich das tue, dann mach ich das aber richtig, und dafür musst du Sprechen lernen. Also nahm ich Sprech-Unterricht bei Michael Gräwe.

Und wann gab's das erste Engagement?

LUDING: Ich saß in Berlin im Café, da kam Dirk Martens vorbei, den ich von den Partys mit Esther kannte, die mich dort ja immer als Schauspieler vorgestellt hatte. Und Dirk fragte „Drehst du gerade? Nein? Dann hab ich was für Dich“, und stellte mich Regisseur Jörg Grünler vor. Abends kam dann der Anruf, dass ich in dem Film drin bin. Zwei Tage später war mein erster Drehtag. Und ich mit meinem Sprechunterricht legte so richtig los. Also viel zu laut. Was mir sofort den Ruf einbrachte, dass ich ein Theatermann sei, obwohl ich noch nie auf einer Bühne gestanden hatte. „36 Stunden Angst“ war der erfolgreichste Sat-1-TV-Film des Jahres 1998. Damit war ich im Geschäft, tauchte in verschiedenen Serien auf, bekam dann in „Großstadt Träume“ meine erste Hauptrolle. Die Serie wurde nach sieben Folgen eingestellt, gedreht hatten wir aber 27. Und da habe ich jede Menge gelernt.

Wie kam dann der „Theatermann“ das erste Mal wirklich auf eine Bühne.

LUDING: Esther hatte die Regie für „Caveman“ gemacht, suchte noch Darsteller und sagte zu mir: „Du kannst das“.

Und wie kommt Caveman auf die Haller Treppe?

LUDING: Regisseur Thomas Goritzki hatte mich und Vilmar Bieri im Theaterhaus in Theresia Walsers „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ und später in Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ gesehen. Im Frühjahr klingelte auf jeden Fall das Telefon und der Schwäbisch Haller Chefdramaturg bot mir die Rolle des Karl in den Räubern an. Ich war völlig ahnungslos. Das Stück hatte ich mal im Gymnasium gelesen und hatte es furchtbar gefunden. Diese Sprache! Ich ging sofort in eine Buchhandlung und kaufte mir das Reclam-Heft. Da redete ständig ein Karl und ich fragte mich: Wo ist der andere Karl? Die wollen mir doch nicht etwa die Hauptrolle geben? Wie gesagt: völlig ahnungslos. Ich brauchte jemand, der sich auskennt. Also habe ich meinen Freund Kristian Bader angerufen, den Hamburger Caveman. Und der meinte nur: „Viele Kollegen nehmen fürs Vorsprechen die Rolle des Karl und wissen, dass sie sie wohl nie spielen werden. Und du bekommst sie angeboten und zwar nicht von irgendeiner Klitsche, sondern von einer der wichtigsten Freilichtbühnen. Da muss man zugreifen. Und du kannst das.“ Also habe ich ja gesagt.

Und diese furchtbare Sprache? LUDING: Da hat mir Kristian auch die Augen geöffnet. Er hat gesagt: Wenn du allein so sprichst, ist das seltsam, aber bei Schiller reden alle so. Und es stimmt: Diese Sprache entwickelt eine ganz eigene Gewalt.

Wer Sie in Ihren Soloprogramm gesehen hat, weiß, wie spontan und witzig Sie auf Unvorhergesehenes reagieren. Bei Klassikern hat man das nicht so gerne.

LUDING: Und ich halte mich dran. Ich habe aber den Regisseur gleich gewarnt, dass ich sicher kurz reflexartig zusammenzucke, wenn eine Flasche umfällt oder ein Handy klingelt. Aber ich hatte mich immer unter Kontrolle. Nur einmal fiel mir das richtig schwer: In der Schlussszene, da stehe ich mit der Pistole in der Hand da und ziele auf meine Räuber, da ist alles mucksmäuschenstill. Da klackert doch eine Dame des Catering-Teams mit ihren High-Heels neben der Bühne vorbei, da habe ich mir einige Augenblicke überlegt, ob ich nicht besser in ihre Richtung zielen soll...

…tja, das sind die Unbillen einer Freilichtbühne. Was nervt noch?

LUDING: Die Sonne. Nicht nur, weil sie manchmal noch ganz schön runterbrennt, wenn wir anfangen zu spielen. So ein Drama wie „Die Räuber“ im Sonnenschein ist Schwarzwälder Kirsch mit Ketchup: Das geht eigentlich nicht. Am Anfang spielt man regelrecht dagegen an – bis eben die Sonne untergeht.

Apropos Sonne: Wie sieht der restliche Sommer aus?

LUDING: Da mache ich erst mal Urlaub. Wir haben ein Haus gemietet auf Mallorca, 15 Kilometer neben dem Zuhause von Esther Schweins. Und dann arbeite ich mit Roland Baisch an einem neuen „Männerabend“-Programm. Premiere ist am 30. September im Theaterhaus.

Ein Schauspieler, der auch schreibt

Caveman Martin Luding steht seit 2002 in Rob Beckers Solo-Abend „Caveman“ in ganz Deutschland auf der Bühne: Neben Stuttgart, Ulm und Karlsruhe unter anderem auch im Hamburger Tivoli, der ersten Spielstätte des Bühnendauerbrenners, die seit 14 Jahren damit wirbt, dass dort das Original auf der Bühne stehe: Kristian Bader – der sich ausschließlich von Luding vertreten lässt.

Autor Zusammen mit Roland Baisch und Michael Schiller schrieb Martin Luding „Männerabend“. Gemeinsam mit seinem Caveman Kollegen Kristian Bader entwickelte er sein Solo-Stück „Auf und davon. Nackt über die Alpen!“ Und derzeit arbeitet Luding an einer Fortsetzung von „Männerabend“, die am 30. September im Theaterhaus Premiere hat.

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02.08.2016, 06:00 Uhr
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