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"Ich war immer politisch"
Katarina Witt wird morgen 50 Jahre alt. Foto: dpa
Ex-Eislaufstar Kati Witt spricht über ihre Karriere, den Sport und Flüchtlinge

"Ich war immer politisch"

Katarina Witt wird morgen 50 und hat klare Meinungen zu den aktuellen gesellschaftlichen Themen. Die zweifache Eiskunstlauf-Olympiasiegerin ist weit gereist und zeigt großes Verständnis für Flüchtlinge.

02.12.2015
  • BRITTA KÖRBER, DPA

Frau Witt, Sie werden 50 und sind auch nach ihrer Eis-Karriere stark beschäftigt. So haben Sie den Bildband "So viel Leben" zusammengestellt und drehen mit der ARD eine Dokumentation über Ihre Erfolge. Können Sie inzwischen auch loslassen?

KATARINA WITT: Diesen Rückblick mit dem Buch habe ich genossen, das war ein Herzensprojekt. Man hakt sonst so schnell ab, was man erlebt hat. Das hat mich schon stolz gemacht, und ich habe mir gesagt: Jetzt kannste ruhiger werden, jetzt lass mal los. Das heißt ja nicht, dass ich Rentnerin werde.

Sie sind eine der wenigen Sportpersönlichkeiten, die ihren Wohnsitz immer in Deutschland hatte. Haben Sie nie daran gedacht, ins Ausland zu ziehen und Steuern zu sparen?

WITT: Nie. Ich bin sehr familienverbunden, und so kam für mich nie infrage, um Steuern sparen zu können, in ein anderes Land zu ziehen. Ich war zu Beginn meiner Profi-Karriere viele Jahre in Amerika, da bin ich im November aus Berlin abgehauen, Ostern kam ich wieder. Irgendwann hatte ich aber das Gefühl, ich brauche einen Anker.

Sie sind lange durch die Welt getingelt, wie empfinden Sie die Flüchtlingssituation?

WITT: Ich war eigentlich mein ganzes Leben lang unterwegs und oft auf Hilfe und Freundlichkeit angewiesen. Natürlich lässt sich das nicht vergleichen. Aber wie groß muss die Not sein, dass man alles zurücklässt, um mit Nichts neu anzufangen? Das letzte halbe Jahr hat Deutschland vor eine epochale Herausforderung gestellt, und wir müssen diesen leidgeplagten Menschen die Chance der Integration geben.

Wie empfinden Sie die Pegida-Demonstrationen und die vielen Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen?

WITT: Für Verunglimpfungen von Politikern und Gewalt gegen Flüchtlinge habe ich kein Verständnis. Es hätte nie so weit kommen dürfen. Für so etwas darf es keine Toleranz geben, da muss der Staat Rechtsstaatlichkeit durchsetzten. Hass-Postings haben auch nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Auch gehört nun große Besonnenheit dazu, die grausamen Terroranschläge von Paris und die Flüchtlingssituation nicht miteinander zu verbinden. Wenn es Deutschland und Europa schaffen, diese Menschen zu integrieren, kann es eine Bereicherung sein. Natürlich ist da wiederum Voraussetzung, dass sie ihre Kulturen und Religionen in einer Symbiose mit unseren leben müssen und die freie Gesellschaft und insbesondere die Gleichstellung der Frau akzeptiert wird.

Sie wirken politischer als früher.

WITT: Ich war immer schon politisch, und im Freundes- und Familienkreis wurde viel diskutiert. Wir stehen ja auch vor völlig neuen Herausforderungen. Da möchte ich mich schon einbringen.

Sie haben ein halbes Leben in der DDR verbracht, die andere Hälfte in Gesamtdeutschland - ist inzwischen alles schon zusammengewachsen?

WITT: Ich finde es gar nicht so schlimm, dass es noch Unterschiede gibt. Natürlich muss es gleiche Gehälter und Renten geben. Aber wir witzeln manchmal über Ostfrauen und Westmänner. Ich fände es schade, wenn diese unterhaltsamen und manchmal nicht ganz ernst zu nehmenden Diskussionen schon abgeschlossen wären.

Sie sind im Sportsystem der DDR aufgewachsen, haben Sie damals etwas von Doping mitbekommen?

WITT: Nein, ich habe gedacht, dass wir ehrlichen Sport betreiben. Aber ich habe mich gewundert, dass manche Athletin so eine tiefe Stimme hatte. Später habe ich mich erschrocken, wie flächendeckend gedopt wurde.

Wie sehen Sie die Diskussion um Korruption und Mauscheleien in den großen Sportverbänden?

WITT: Heutzutage muss sich mehr Transparenz durchsetzen - die männliche Kumpanei-Politik ist einfach von Gestern.

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02.12.2015, 08:30 Uhr
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