Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
"Ich hatte nur Angst"
Spurensicherung am Tatort: An diesem Haus mit Werkstatt ist am 9. Juni ein 18-jähriger Einbrecher erschossen worden. Foto: dpa
41-Jähriger wegen tödlicher Schüsse auf Einbrecher vor Gericht

"Ich hatte nur Angst"

Viele Hausbesitzer hätten wohl die Polizei gerufen. Doch ein Sportschütze in Hannover greift nach einem Einbruchversuch bei ihm zur Waffe und erschießt einen 18-Jährigen. Seit gestern steht er vor Gericht.

09.12.2015
  • MICHAEL EVERS, DPA

Hannover. Immer wieder kommen der Mutter des erschossenen Einbrechers die Tränen. "Ich wollte eigentlich gar nicht schießen", hört sie von dem Mann, der für den Tod ihres 18-jährigen Sohnes verantwortlich ist. Seit gestern steht er vor Gericht.

Der 41-jährige Werkstattinhaber und Sportschütze muss sich wegen Totschlags vor dem Landgericht Hannover verantworten, weil er nach einem nächtlichen Einbruchversuch zu seiner Pistole griff, die Haustür öffnete und den 18-Jährigen niederschoss. Er habe in panischer Angst die Waffe eingesetzt, heißt es in dem Geständnis, das seine Verteidiger verlesen. Die Waffe besaß er ganz legal.

Die angebliche Notwehrsituation, auf die sich der Mann nach der Tat Anfang Juni berufen hat, hält die Staatsanwaltschaft nicht für plausibel. In der Combat-Haltung, seine Sig Sauer 9mm-Pistole in beiden Händen haltend, habe der Angeklagte auf den jungen Mann angelegt, wirft sie ihm vor.

Teile der Tat sind von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden, die der Angeklagte zum Schutz seiner Werkstatt installiert hatte. Gleich nach dem Geständnis fragt der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch ihn: "Warum rufen Sie in so einer Situation nicht die Polizei? Was ist in Ihnen vorgegangen?" Antwort: "Ich hatte nur Angst."

Heute will das Gericht das Haus mit der angeschlossenen Werkstatt in Hannover besichtigen. Es will die Gegebenheiten und die Beleuchtungssituation in Augenschein nehmen. Was konnte der Schütze von den insgesamt vier jungen Eindringlingen sehen, von denen einer nach seiner Wahrnehmung eine Waffe trug? Aus welchem Abstand drückte der trainierte, zielsichere Sportschütze ab? Auch die drei Komplizen des jungen Mannes, die der Notwehrtheorie schon bei ihrer Polizeivernehmung widersprachen, könnten zu den Abläufen etwas sagen. Dem Schützen drohen bei einer Verurteilung fünf bis 15 Jahre Haft.

Die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" sieht sich von dem Fall in ihrer Forderung nach einem Verbot sämtlicher scharfer Waffen in den Händen von Sportschützen bestätigt. Ohne die Möglichkeit, in der Situation zu einer Waffe greifen zu können, hätte es das tödliche Drama nicht gegeben, sagt ihr Sprecher Roman Grafe. Seit dem Amoklauf von Winnenden 2009 seien mehr als 60 Menschen in Deutschland mit Waffen von Sportschützen getötet worden.

Fälle möglicher Notwehr wie in Hannover seien eher ungewöhnlich, sagt Grafe. Häufiger setzten Sportschützen ihre Waffen in Konflikten im familiären Umfeld ein. "Ich hoffe, dass in Hannover durch das Urteil ein Zeichen gesetzt wird, dass wir amerikanische Verhältnisse nicht wollen, bei denen jeder, der über ein Grundstück läuft, erschossen werden kann."

Bislang ist die Initiative ohne Erfolg geblieben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg habe eine Beschwerde gegen das deutsche Waffengesetz im Mai ohne weitere Prüfung abgelehnt, sagt Grafe. 2013 hat auch das Bundesverfassungsgericht eine Klage der Initiative für ein Verbot tödlicher Sportwaffen abgelehnt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular