Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Prozess

„Ich habe keinen Schlaf mehr“

Hauseigentümer klagen über Lärm aus einer Flüchtlingsunterkunft. Das Landratsamt Esslingen muss jetzt handeln.

12.06.2019

Von TILMAN BAUR

Esslingen. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat entschieden: Das Landratsamt Esslingen ist für den Lärm verantwortlich, der von einem Flüchtlingswohnheim in der Gemeinde Beuren ausgeht. Das Landratsamt als Betreiber des Wohnheims muss nun dafür zu sorgen, dass der Lärm in dem Gebäude sinkt. Damit gab das Gericht der Klage zweier Eigentümer des Hauses statt, das unmittelbar an jenes der Flüchtlingsunterkunft angrenzt. „Ich habe überhaupt keinen Schlaf mehr und fühle mich total unsicher“, sagte eine Zeugin und Bewohnerin des Nachbarhauses in der mündlichen Verhandlung am Dienstag.

Die Bewohner der Unterkunft machen laut Anklage seit der Inbetriebnahme im Oktober 2015 einen solchen Lärm, dass an eine Nachtruhe, die diesen Namen verdient, kaum mehr zu denken sei. Verschärfend wirkt die bauliche Situation vor Ort. Denn Gemeinschaftsraum und Küche der in einem Zweifamilienhaus untergebrachten Unterkunft liegen diagonal gegenüber dem Haus der Kläger, das L-förmig anschließt. Der Abstand zwischen den Häusern beträgt lediglich dreieinhalb Meter. Eine Bauweise, die nach Landesbauordnung heute gar nicht mehr zulässig wäre, wie der Vorsitzende Richter Frank Wenger sagte. Als „unglückliche Standortentscheidung“ bezeichnet das Gericht in der Kurzbegründung seines Urteils die Auswahl des Gebäudes.

Nachts sei es am schlimmsten

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass es zu Beeinträchtigungen komme, die über das Maß hinausgehen, das bei Zweifamilienhäusern üblicherweise zu erwarten sei. Was das bedeutet, schilderte die Zeugin: „Gegen 10 Uhr abends fangen sie an zu kochen, dann gibt es Diskussionen, es wird gelacht, gestritten, geschrien. Ich höre das alles trotz geschlossener Fenster.“ Auch bedroht hätte man sie. Die Kläger bestätigten die Aussagen, räumten aber ein, dass sich die Lage etwas verbessert habe. Dennoch: „Der Hauptlärm aus der Küche ist unverändert“, so die Klägerin. Sie verdeutlichte, dass es nicht um punktuelle Störgeräusche gehe, sondern um einen dauerhaft hohen Lärmpegel, der nachts am schlimmsten sei und sogar bis in die frühen Morgenstunden andauere.

Die Vertreter des Landkreises teilten mit, bereits alles Erdenkliche getan zu haben, um die Situation zu entschärfen. So habe man Zimmer getauscht und die Belegung minimiert. Heute leben noch 10 Flüchtlinge in der Unterkunft, in der es Platz für 23 gibt. Diese Maßnahmen reichen dem Gericht aber nicht aus. Jetzt ist im Landratsamt Kreativität gefragt. Tilman Baur

Zum Artikel

Erstellt:
12. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+