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Porträt

„Ich genieße es, neue Wege zu gehen“

Der frühere VfB-Torwart Timo Hildebrand arbeitet heute als Eventmanager, hält sich mit Yoga fit und setzt sich für eine vegane Lebensweise ein.

24.09.2018

Von NADJA OTTERBACH

In Stuttgart fühlt sich Timo Hildebrand wohl: „Hier habe ich meine längste und erfolgreichste Zeit verbracht.“ Foto: Ferdinando Iannone

In Stuttgart kommt man nicht an ihm vorbei. Timo Hildebrand wurde 2003 beim VfB Rekord-Torhüter, 884 Minuten blieb er ohne Gegentor. 2007 wurde er mit dem Verein Deutscher Meister und bestritt sieben Länderspiele. 2016 beendete er offiziell seine Fußball-Karriere, doch an Präsenz hat der charismatische Ex-Keeper nichts verloren. Das Leben außerhalb des Fußballs eröffne ihm grenzenlose Möglichkeiten, sagt er.

„Ich genieße es, viele neue Wege zu gehen.“ Einen dieser Wege geht er seit zwei Jahren – als Eventmanager. In der Agentur „Tailormade“ sitzt er regelmäßig vor dem Laptop, den Kopf voller Ideen. Aktuell stellt der 39-Jährige ein Yoga-Festival in der Carl-Benz-Arena auf die Beine, gemeinsam mit Yoga13, dem Studio, in dem er sich seit einer Operation an der Hüfte fit hält. „Die ganze Welt macht Yoga, und trotzdem haben vor allem Männer Berührungsängste, glauben immer noch, Yoga sei esoterisch und sanft.“ Immer wieder nimmt er Freunde mit zum Training, lässt sich erst belächeln, um dann nach zwei Stunden Power-Training Respekt zu ernten. „Wäre ich Fußballtrainer, würde ich Yoga fest integrieren.“

Dass auf dem „YEZ“-Festival ausschließlich vegetarische und vegane Speisen angeboten werden, ist für ihn selbstverständlich. Seit vielen Jahren rührt Hildebrand kein Fleisch mehr an. Hildebrand ist zu dem Schluss gekommen: „Wer sich damit auseinandersetzt, kann nicht guten Gewissens Fleisch essen.“ Während Timo Hildebrand von seinen Projekten erzählt, sitzt er auf der Terrasse der Event-Agentur, eine Tasse Kaffee vor sich. Er ist kein lauter Mensch, kein Selbstdarsteller. Er wirkt noch immer athletisch, auch wenn er augenzwinkernd sagt: „Einen Sixpack habe ich nicht mehr“. Er mache kein großes Tamtam um seine Person, versuche, unauffällig zu leben. Angesprochen wird er trotzdem ständig. Meist seien es ältere VfB-Fans, die wehmütig fragen: „Wie konntest du damals weggehen?“

Dabei fühlt sich Hildebrand dem VfB weiterhin verbunden. Er ist oft im Stadion, und für seinen You-Tube-Kanal „Timos Bankgeflüster“ blickt er regelmäßig hinter die Kulissen des Vereins. Seit kurzem schreibt er zudem Keeperkolumnen für die Online-Nachrichtenseite FUMS. Sein größtes Herzensprojekt aber ist der Stuttgarter Verein Stelp, mit dem er in die Türkei reiste, um Flüchtlinge zu versorgen. Und: bei dem er mittlerweile einen Vorstandsposten innehat. Er wolle nicht nur Geld geben, sondern auch mit anpacken, betont er. Erschreckend sei es gewesen, zu sehen, wie die Menschen in den Camps leben müssten. Aber auch über Stelp hinaus engagiert sich der einstige Fußballstar für soziale Zwecke. Für Brunnenbauer in Uganda etwa oder für die Sepp-Herberger-Stiftung, die Blindenfußballer unterstützt.

Er geht in seiner Vaterrolle auf

Nach wie vor ist Timo Hildebrand viel unterwegs. Sein Anker aber ist Stuttgart – und soll es bleiben. „Hier habe ich meine längste und erfolgreichste Zeit verbracht.“ Von seiner Partnerin lebt er seit drei Jahren getrennt, Sohn Neo ist oft bei ihm in Botnang, wo er ein Haus im Grünen besitzt. Er genieße es sehr, Vater zu sein, sagt er. „Ich liebe das.“ Luxus sei für ihn, nicht jeden Tag von morgens bis abends arbeiten zu müssen, sondern Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können.

Fühlt er sich als Schwabe? Er lacht. Beim Schwäbeln könne er mit Einheimischen nicht mithalten, gibt er zu, meint aber, dass er schwäbische Eigenschaften habe. „Ich haue mein Geld nicht sinnlos raus und bin bodenständig.“ Schnell schiebt er hinterher: „Aber nicht konservativ.“

2019 wird Timo Hildebrand 40. „Verrückt“, sagt er und grinst. Ein junger Wilder ist er nicht mehr, dafür aber im Reinen mit sich. Er wird den Runden gebührend feiern, mit vielen Wegbegleitern. 200 bis 300 Gäste kommen da locker zusammen, sagt er. Ein bisschen blitzt es in seinen Augen. Der Eventmanager würde wohl am liebsten sofort loslegen mit der Planung.

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Erstellt:
24. September 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. September 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 06:00 Uhr

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