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„Ich fühle mich fast selbst wie im Himmel“
Eine Schwester aus dem Orden von Mutter Teresa trägt eine Relique der Heiligen zum Gottesdienst. Foto: Eine Schwester aus dem Orden von Mutter Teresa trägt eine Relique der Heiligen zum Gottesdienst. dpa
Mehr als 100 000 Gläubigen bejubeln die Heiligsprechung von Mutter Teresa – Papst Franziskus würdigt den „Engel der Armen“

„Ich fühle mich fast selbst wie im Himmel“

Für viele war sie schon zu Lebzeiten eine Heilige, nun ist sie es offiziell: Papst Franziskus hat die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa heiliggesprochen.

05.09.2016
  • BETTINA GABBE

Die Spannung der Menschen ist fast greifbar, so sehr haben sie auf diesen Augenblick gewartet: die Heiligsprechung von Mutter Teresa. Doch dann ist es soweit. Papst Franziskus spricht die von so vielen hier ersehnte, lateinische Formel: „Beatam Teresiam de Calcutta Sanctam esse decernimus et definimus“. Applaus brandet auf, einigen Pilgern stehen Tränen in den Augen – Mutter Teresa ist heilig!

Rund 120 000 Menschen sind auf den Petersplatz und die angrenzende Via della Conciliazione gekommen, um diesen Moment live zu erleben. Schließlich ist die Ordensgründerin, die 1910 im heute mazedonischen Skopje geboren wurde, als „Engel der Armen“ weltweit bekannt. Ihr bürgerlicher Name, Agnes Gonxha Bojaxhiu, sagt hingegen kaum jemandem etwas. Aber Mutter Teresa von Kalkutta – weil sie im indischen Kalkutta in einem weißen Sari durch die Slums zog, um den Bedürftigen zu helfen – die kennt nahezu jeder.

Die Heiligsprechung galt wegen des hohen Symbolgehalts als Höhepunkt des vom Papst ausgerufenen Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit. Mutter Teresa sei ein Vorbild an Heiligkeit und christlichem Glauben, der Radikalität und Mut erfordere, betonte das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt. Die neue Heilige habe ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt erhoben, damit sie angesichts der „Verbrechen der Armut, die sie selbst geschaffen hatten“, ihre Schuld erkannten, sagte Franziskus in seiner Predigt. Für ihn symbolisiert die Ordensfrau wie keine andere die „arme Kirche für die Armen“. Mutter Teresa ging an die Peripherien der Welt lange bevor der Papst dies als Losung seines Pontifikats ausgab. Für ihren Einsatz zugunsten von Armen und Kranken vor allem in Sterbehäusern in Kalkutta war die albanische Ordensfrau 1979 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Kritiker werfen der neuen Heiligen vor, die sozialen und politischen Ursachen des Elends nicht bekämpft, sondern nur dessen Symptome gelindert zu haben.

Bei strahlendem Sonnenschein jubelten Inder mit riesigen Nationalfahnen ebenso wie Katholiken aus aller Welt auf dem römischen Petersplatz. Auch Mutter Teresa-Schwestern sind da, an dem Tag, an dem ihre Ordensgründerin zur Ehre der Altäre erhoben wird. Immer wieder sieht man die weißen Kopftücher der Ordensfrauen mit dem typischen blauen Saum in der Menge, außerdem haben sie Plätze weit vorne bekommen, damit sie den Papst und „ihre Heilige“ auch gut sehen können. Denn eigens zur Zeremonie wurde ein großes Bild Mutter Teresas am Petersdom angebracht.

Mutter Teresa bedeutet vielen viel. Das macht auch Papst Franziskus bei seiner Predigt deutlich, in gewohnt umgangssprachlicher Manier und freier Rede: „Ich denke, es wird uns etwas schwer fallen, sie jetzt ,Heilige Teresa‘ zu nennen, denn ihre Heiligkeit ist uns so nahe, sie ist so zart und so fruchtbar, dass wir wohl spontan weiterhin ,Mutter Teresa‘ sagen werden.“

Zwei Inder sind ganz bewegt, weil sie sich an diesem Tag „Mutter Teresa so nahe fühlen“. „Sie ist wirklich wie eine Mutter für mich“, sagt der jüngere der Beiden. Und Bernadette aus Irland, die Mutter Teresa noch persönlich kannte und mehrmals traf, ist überzeugt, dass die neue Heilige bereits für sie ein Wunder erwirkt hat. Mit Hilfe einer Haar-Reliquie habe sie eine Krebskrankheit besiegt.

Die Heiligsprechung war ihrer Meinung nach längst überfällig. Deshalb ist heute für sie ein ganz besonderer Tag. „Ich fühle mich fast selbst wie im Himmel“, sagt sie unter Tränen. „Ich bin nicht gläubig, aber sie ist einfach großartig, weil sie Menschen geholfen hat“, fand einer der anwesenden deutschen Touristen.

In Indien wird die Heilige bis heute verehrt. Mit Gebeten und Veranstaltungen begleitete der Orden dort die Heiligsprechung der Nonne. Allein im Haupthaus in Kalkutta versammelten sich hunderte Nonnen und Besucher, um die Heiligsprechung auf Großbildschirmen zu verfolgen. Der indische Präsident Pranab Mukherjee nannte Mutter Teresa in einer Mitteilung einen „Messias der Armen“. Doch es gibt auch immer wieder Kritik wegen ihrer missionarischen Haltung. Als Vertreterin der Religion der ehemaligen Kolonialherren werten Skeptiker ihren Einsatz für Kranke auch als Versuch, Hindus zu bekehren.

Im Anschluss an die Heiligsprechung lud Papst Franziskus 1500 Bedürftige aus ganz Italien zu einem Mittagessen im Vatikan ein. In der vatikanischen Audienzhalle servierten ihnen im Auftrag des päpstlichen Almosenmeisters, Erzbischof Konrad Krajewski, 250 Mutter-Teresa-Schwestern Pizza alla napoletana. Damit gab Franziskus ein Beispiel für die Umsetzung seiner Forderung nach konkreter Hilfe, für die die in Kalkutta gestorbene Heilige künftig von allen Katholiken verehrt werden soll.

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05.09.2016, 06:00 Uhr
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