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„Ich darf mein Kind behalten“
Der Direktor des Zirkus „Belly“ Klaus Köhler mit seinem Schimpansen. Das Zirkustier ist über 40 Jahre alt. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Justiz

„Ich darf mein Kind behalten“

Seit knapp 40 Jahren lebt der Schimpanse Robby in einem Zirkus – ohne Artgenossen, aber mit Familienanschluss. Der Menschenaffe sollte dort weg, sein Besitzer wehrte sich vor Gericht. Mit Erfolg.

09.11.2018
  • AFP

Wo ist ein praktisch nur unter Menschen aufgewachsener Zirkus-Schimpanse in seinen letzten Lebensjahren am Besten aufgehoben? Darüber hat gestern das niedersächsische Oberverwaltungsgericht entschieden. Schimpanse Robby habe mehr als vier Jahrzehnte in einem kleinen Zirkus verbracht – und dort solle er auch bleiben, urteilte das Gericht in Lüneburg. Robby gilt als bundesweit wohl letzter Menschenaffe in einem Zirkus.

„Ich freue mich, dass ich mein Kind behalten kann“, sagte sein Besitzer, Zirkusdirektor Klaus Köhler, unmittelbar nach der Entscheidung des Gerichts. Nach seinen Angaben ist der Affe 47, das Gericht ging von 43 Jahren aus. In jedem Fall ist Robby ein Affengreis, auch in Gefangenschaft werden nur sehr wenige Schimpansen älter. Köhler war gegen eine Entscheidung des Landkreises Celle vor Gericht gezogen, wonach Robby in eine Auffangstation kommen sollte, die auf die Resozialisierung von Menschenaffen spezialisiert ist.

Obwohl Robby fraglos schwer verhaltensgestört sei, müsse er nicht abgegeben werden, entschieden jetzt die Richter. Der Schimpanse sei zwar auf Menschen geprägt und werde nicht artgerecht zusammenmit anderen Affen gehalten. Doch habe der Landkreis unter anderem das hohe Alter des Tieres und die damit verbundenen Gefahren einer möglicherweise Jahre dauernden Resozialisierung nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem sei außer Acht gelassen worden, dass der Affe auch in der Einrichtung voraussichtlich nur mit wenigen Artgenossen direkten Kontakt hätte. Damit entschied der Senat anders als das Verwaltungsgericht Lüneburg im April vergangenen Jahres.

Das kleinere Übel für Robby

In der Verhandlung ging es gestern nur um die Frage nach dem voraussichtlich kleineren Übel für den Affen. Für seine Entscheidung hörte der Senat einen Fachtierarzt an. Robby habe Mangel an sozialen Kontakten und Kompetenzen, erklärte Experte Pierre Grothmann. Das Schimpansenmännchen weise Entwicklungsstörungen auf und könne typische Verhaltensweisen nicht ausleben, etwa in seinem Sexualleben. Andererseits sei das Tier in jungen Jahren kastriert worden.

Der Schimpanse wurde in einem Zoo geboren und in jungen Jahren von seinen Artgenossen getrennt, dann kam er zum Circus Belly von Klaus Köhler. „Robby kennt keine Affen, sondern nur Menschen – wir sind die Artgenossen für ihn“, sagt der. „Das ist eine Persönlichkeit mit menschlichen Zügen.“ Robby trete nur noch selten auf – nämlich dann, wenn er Lust darauf hat. Die Familie verbringe täglich mehrere Stunden mit ihm. „Eine Entnahme wäre ein Todesurteil für ihn“, sagt Köhler Peer Körner

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09.11.2018, 06:00 Uhr
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