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„Ich bin so ein Tausendsassa“
Die Maske ist „weiß, schlichter, reduzierter“: Cro. Foto: Saeed Kakavand
Musik

„Ich bin so ein Tausendsassa“

Keine Grenzen, keine Regeln: Der Rapper Cro geht für sein Album „tru.“ musikalisch neue Wege. Der Mann mit der Maske ist ein Workaholic, aber „super tiefenentspannt“.

05.09.2017
  • UDO EBERL

Ulm. Cro, der Rapper mit der Panda-Maske, nahm bisher vieles „Easy“. Nun betrachtet er seine Umwelt auf dem Album „tru.“ bisweilen auch kritisch. Schon die aktuelle Single „Unendlichkeit“ aus diesem dritten Studioalbum konnte mit über 200 000 verkauften Einheiten nach nur wenigen Wochen Gold-Status erreichen.

Musste und wollte sich Cro für dieses Album neu erfinden?

Cro : Würde ich so nicht sagen. Ich bin ganz einfach älter geworden. Das Schiff ist weitergefahren, die Häfen und Häuser wurden immer größer, das Konto wurde voller, aber ich hatte nun auch ganz andere Herausforderungen. Vieles um mich herum hat sich verändert. Deshalb hat sich die Musik weiterentwickelt, die Maske hat sich verändert – ein ganz natürlicher Prozess.

Warum hat sich zudem die Panda-Maske verändert?

Das ist einfach das Sinnbild für meine Weiterentwicklung. Sie ist weiß, schlichter, reduzierter. Es war Zeit, meine Entwicklung auch visuell zu zeigen.

Nicht geändert hat sich, dass Cro bei der Produktion und im Studio der Chef ist.

Ja, das ist tatsächlich von Anfang an so gewesen und hat sich bis heute nicht geändert. Auch beim Artwork und bei allem, was rund um das Album passiert, bin ich voll dabei, und falls nicht, geht es am Ende noch durch meine Hände und ich schaue mit dem Rotstift drauf.

Würden Sie sich als Workaholic bezeichnen?

Ja, aber nicht auf diese ekelhafte, gestresste Art. Ich habe mir meine Arbeit so nahe ans Bett gelegt, dass ich einfach nur aufstehen kann und es nicht weit habe. Ich arbeite irgendwie die ganze Zeit, selbst wenn Freunde da sind, und es fällt mir gar nicht auf.

Spielen Sie inzwischen mehr Instrumente oder passiert beim Songwriting noch viel am Rechner?

Was ich früher über Kisten via Midi gemacht habe, ist jetzt eben ein echter Flügel oder ein Schlagzeug und Percussion. Und wenn man die zehn Synthesizer-Classics dieser Welt googelt, die besitze ich alle. Ich kenne sie auch in- und auswendig, habe alle Presets durchgeklickt und an jedem Knopf gedreht wie ein Irrer. Ich würde sagen, gerade beim Produzieren habe ich mich über die Jahre heftig weiterentwickelt und drehe an den Soundrädchen Nächte hindurch so lange, bis endlich der gewisse Knackpunkt kommt.

Die Songs klingen auch deutlich internationaler.

Das war ja auch mein Bild von mir. Nur weil ich ein deutscher Künstler bin, muss das nicht heißen, dass ich auch so klinge. Deshalb singe ich auch häufig auf Englisch oder in einer völlig erfundenen Sprache wie bei „Alien“. Keine Grenzen, keine Regeln – bei diesem Album war wirklich Narrenfreiheit angesagt.

Der Arbeitstitel für das Album war „fake you.“, nun heißt es „tru.“. Was hat Sie dazu bewogen, den Titel zu ändern?

Eigentlich sollte das Album „fake you.“ heißen und diese Instagram-Welt, in der jeder versucht, sein Leben aufgehübscht zu zeigen, kritisieren. Man sollte nicht imitieren, sondern – wenn schon – sich selbst inszenieren, also: „fake you“. Ich bin beim Titel doch auf „tru.“ umgeswitcht, um zu sagen, dass man nicht alles glauben darf, was einem die Medien weismachen wollen. Heißt mein Album wirklich „tru.“? Man sollte es selbst mir nicht glauben, bevor es wirklich im Plattenregal steht.

Wie entstand die Idee zum Song „Forrest Gump“?

Ich fühle mich ein wenig wie Forrest. Ich bin so ein Tausendsassa, der alles in die Hände nimmt und macht. Ich bin vier Jahre lang durch die Mitte gerannt – Rekorde, Rekorde, Rekorde. Jetzt habe ich einmal kurz angehalten, um um mich herumschauen zu können. Wer ist mitgekommen, wer steht hinter mir? Und dann bin ich nach Hause gelaufen, wie Forrest.

Und so hatten Sie auch den Mut zu einem Longsong zentral mitten im Album.

Wir haben oft zusammen losgezockt, und eine Bassline wie bei „Computiful“, die konnte ich nicht einfach kürzen. Deshalb die Entscheidung: zwölf Minuten – einfach rauf mit dem Ding aufs Album. Ich wollte auch eine Ansage machen und aus dem Radio-Schablonenraster ausbrechen. Vielleicht wird der Song von manch einem Sender gespielt, und das macht dann auch Anderen Mut, nicht nur die üblichen Dreieinhalb-Minuten-Songs aufzunehmen. Eigentlich sollte jeder Musik so machen können, wie er sich fühlt, ohne Sprachgrenzen und musikalische Raster. Einfach fließen lassen.

Am Ende des Albums fühlt man sich bisweilen als Hörer fast im Halbschlaf in so einem wattierten „Lost in Translation“-Feeling.

Am Anfang ist Action, und da rumpelt die Platte. In der zweiten Hälfte soll man wirklich beim Hören einschlafen können, und es rollt ganz entspannt aus. Das war der Plan.

Zu Beginn ist „tru.“ allerdings sehr nahe am Hiphop und geht richtig zur Sache.

Die Platte sollte schon auch Ecken und Kanten haben. Sonst hätte ich ja gleich ein Schmusealbum machen können. Das kommt dann vielleicht, wenn ich alt bin. Jetzt habe ich ja noch Feuer in mir.

Sie haben den Dreh für Ohrwurm-Melodien raus. Liegt das in den Genen?

Das liegt mir einfach. Wenn ein Beat läuft, habe ich sofort 1000 Melodien drauf. Das kommt einfach raus. Ich werde natürlich auch immer besser und schneller. Ich kann sofort übersetzen, was ich denke.

Das klingt alles sehr entspannt.

Ich bin super tiefenentspannt. Ich lasse mich von nichts mehr stressen. Das bringt sowieso nichts. Deshalb war ich auch mit dem Album etwas spät dran, aber es sollte alles perfekt sein, und meine Devise hieß: Qualität vor Deadline.

Sie haben, das hört man heraus, noch ziemlich viele Pfeile im Köcher.

Ich habe jetzt schon wieder locker 30 Tracks auf Lager. Ich würde mal sagen, das Album ist die kleine Schwester zum Album, das als nächstes kommen wird

Gibt es bisweilen einen Zwiespalt zwischen Carlo und der Kunstfigur Cro?

Ständig. Ich bin Carlo. Ich bin der Künstler hinter Cro, der ihn sich ausgedacht hat und ihn füttert. Carlo ist viel größer und macht viel mehr. Aber es gibt häufig schon einen Clinch, wenn ich in die Rolle von Cro schlüpfe. Das kann dann superschizophren sein als multiple Persönlichkeit.

Wie bleiben Sie geerdet?

Das ist gar nicht so schwer. In den hohen Universen bin ich ja nur mit Maske unterwegs, und ansonsten ist alles ganz normal. Ich stelle mich im Supermarkt in der Schlange an und bin ein ganz normaler Dude wie jeder hier.

Verdanken Sie diese Erdung auch Ihrer Mutter, der auf dem Album ein Song gewidmet ist?

Mum ist die beste Mutter der Welt. Sie hat uns einfach machen lassen, was wir wollten, aber uns die richtigen Werte mit auf den Weg gegeben. Ihr ging es einfach nur darum, dass wir glücklich sind und nicht auf dem falschen Weg landen. Dad war da schon strenger, hat uns aber auch ständig kreativ gefordert. Aber die Erziehung war genau richtig so.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Leichtigkeit und Lässigkeit?

Früher war ich einfach noch grün hinter den Ohren und hatte gar keine Ahnung. Ich stand in einem Raum, den ich nicht kannte, habe mich einfach mal ausprobiert, und es fiel mir leicht. Jetzt kenne ich mich in dem Raum aus, weiß genau, wo was ist, und bin inzwischen ein Pro. Deshalb kann ich alles lässig angehen.

Wie fühlt sich das an, wenn man vom TV-Kulturmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“ in die „musikalische Champions-League“ gehoben wird?

Es fühlt sich massiv und legendenhaft an. Das entspricht genau dem, was ich selbst fühle und was daraus werden kann. Es passt also.

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05.09.2017, 06:00 Uhr
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