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„Ich bin nicht der Typ für Wehmut“
Manfred Langner verlässt die Schauspielbühnen. Foto: Ferdinando Iannone
Schauspielbühnen

„Ich bin nicht der Typ für Wehmut“

Der Intendant Manfred Langner über sein letztes Stück in Stuttgart, Erfolge und Niederlagen.

23.02.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. In Manfred Langners Arbeitszimmer stehen die Umzugskartons bereit. Im Sommer wechselt der Intendant der Stuttgarter Schauspielbühnen nach neun Jahren ans Stadttheater in Trier. Derzeit pendelt er zwischen den Städten. Zeit für ein Abschlussgespräch.

Mit „Richard III.“ verabschieden Sie sich aus Stuttgart. Warum damit?

Manfred Langner: Als ich das Stück auf den Spielplan gesetzt habe, wusste ich noch nicht, dass es meine letzte Spielzeit sein würde, daher ist das Zufall. Zu Shakespeare habe ich an sich einen Bezug, ich habe bereits acht oder neun Werke von ihm inszeniert. Ich schätze die Vielfalt, die in den Stücken steckt.

Ihre Version spielt in einer postapokalyptischen Welt mit aktuellen Bezügen: Henkern, die wie IS-Kämpfer anmuten, einem Richard, der beim Aussteigen aus der Badewanne einen riesigen Penis als Anspielung auf Trump präsentiert...

Ja, es gibt tatsächlich eine Menge Anspielungen auf Trump, auch auf Putin und Erdogan. Die Idee mit dem Penis hatte Hauptdarsteller Max Tidof. Wir haben am Anfang nur kurz überlegt, ob er jetzt besonders groß oder besonders klein sein muss (lacht).

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer letzten Produktion in Stuttgart?

Ich bin an sich sehr zufrieden. Das Stück polarisiert natürlich, was gut ist. Manche können damit nichts anfangen, aber die Mehrheit findet es spannend. Der Ministerpräsident war auch in der Premiere und hat mir danach geschrieben, dass ihm diese Mischung aus klassischer und zeitgenössischer Interpretation gut gefallen hat. Dass wir das erreicht haben, und ich hoffe nicht nur bei Winfried Kretschmann, das freut mich.

Spüren Sie mit Blick auf den Abschied schon Wehmut?

Ich bin nicht der Typ für Wehmut. Ich habe gern in Stuttgart gearbeitet und gehe nicht im Groll. Und natürlich werde ich viele Kollegen vermissen. An sich bin ich aber jemand, der nach vorn schaut.

Machen Sie eine Ausnahme: Was war im Rückblick Ihre beste Produktion, was die schlechteste?

Oh Gott, das ist schwer zu sagen. Es gibt schon Produktionen, bei denen ich im Nachhinein sage: Da hätte ich vielleicht besser die Finger davon gelassen. Aber die verdrängt man zum Glück schnell. Mit großem Vergnügen denke ich als Regisseur an „Tanz auf dem Vulkan“ zurück. Aber auch an „Das Boot“, weil jeder gesagt hat, das klappt nie, und es hat doch geklappt. Als Intendant fand ich die Revuen gut wie „Bundesrepublik“ oder „Blue Jeans“, die für modernes Unterhaltungstheater stehen. Ulf Dietrichs Inszenierung von „My Fair Lady“ war herausragend. Auch dass wir politische Stücke wie „Feelgood“, „Geächtet“ oder „Terror“ gemacht haben und mit „1984“ für den Theaterpreis „Der Faust“ nominiert waren, ist für so ein Theater ganz wichtig.

In welchem wirtschaftlichen Zustand verlassen Sie die Schauspielbühnen?

Ich verlasse sie in sehr guten, geordneten finanziellen Verhältnissen – der Abschluss 2017 wird aller Voraussicht nach erfreulich –, nachdem wir bei meinem Antritt mit einem strukturell bedingten Defizit kämpften. Wir haben unsere Zuschauerzahl mit jährlich rund 200 000 Besuchern gefestigt, und auch technisch haben wir im Theater aufgerüstet. Das freut mich – auch für meinen Nachfolger.

Was raten Sie diesem?

Axel Preuß ist ein erfahrener Theatermann, er braucht keine Ratschläge von mir. Ich drücke ihm alle Daumen und wünsche ihm toi, toi, toi.

Dominique Leibbrand

Info „Richard III.“ läuft noch bis zum 10. März im Alten Schauspielhaus.

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23.02.2018, 06:00 Uhr
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