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„Ich bin ein markanter Typ“
Foto: Ursula Düren/dpa
Fernsehen

„Ich bin ein markanter Typ“

Der Schauspieler Jürgen Tarrach über seinen neuen Job als portugiesischer TV-Ermittler, wie sein Aussehen seine Rollen bestimmt und wie er zu einem Auftritt in „James Bond“ kam.

04.04.2018
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Einsatz in Portugal: Jürgen Tarrach verkörpert in der neuen Krimireihe „Der Lissabon-Krimi“ den abgehalfterten Anwalt Eduardo Silva, der in einem schäbigen Hotel wohnt und arbeitet, weil er kein Geld für eine eigene Kanzlei hat. In der ersten Folge muss er die Unschuld einer Mandantin beweisen, die ihren Mann umgebracht haben soll, und deckt dabei einen großen Skandal auf.

Herr Tarrach, in einer neuen ARD-Krimireihe spielen Sie einen portugiesischen Anwalt. Sehen Sie sich als südländischen Typen?

Jürgen Tarrach: Ich finde, dass ich nicht typisch deutsch aussehe und deshalb sehr gut in den Süden passe. Ich bin dem Mediterranen außerdem schon lange verbunden, Frankreich und Italien waren schon immer Sehnsuchtsorte für mich und ich habe seit Jahren ein Haus in Italien. Bei den Dreharbeiten in Portugal habe ich mich gefühlt wie ein Fisch im Wasser.

Was hat Sie an Lissabon besonders beeindruckt?

Oh, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Die gesamte Atmosphäre mit den zauberhaften Menschen! Die Lissaboner sind gelassen, hilfsbereit, aber auch zurückhaltend und nicht so aufgedreht wie die Italiener. Es ist eine lässige Lebensart, man kann sich in der Stadt treiben lassen, bleibt mal an einem der wunderschönen Jugendstil-Kioske stehen, da kann man einen Milchkaffee oder ein Bier trinken. Und die Schönheit der Stadt wird noch gesteigert durch die Melancholie, die sie ausstrahlt. Das Licht in Lissabon ist traumhaft. Wenn wir in Deutschland Fifty Shades of Grey haben, dann hat Lissabon 50 Pastelltöne oder mehr.

Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern malen auch, in Hannover sind Ihre Werke gerade ausgestellt. Was reizt Sie am Malen?

Der Hauptgrund des Malens für mich ist, dass es im Gegensatz zur Schauspielerei beruhigt und kontemplativ ist, man kann sich da wunderbar verlieren. Die Motivwahl macht man selber, während man als Schauspieler ja von tausend Zufällen abhängig ist: Bekommt man die Rolle? Wer sind die Kollegen? Beim Malen ist man nur man selbst und das Papier, Stifte und der Pinsel. Das ist sehr befriedigend, weil man hinterher ein Produkt in Händen hält.

In Ihrem Wikipedia-Eintrag steht: „Jürgen Tarrach verkörpert vorwiegend Typen der etwas schmierigen Art.“ Wie finden Sie das?

Es gibt Vieles, was über einen geschrieben wird, das perlt ab. Aber es ist nicht sehr charmant. Natürlich habe ich auch schmierige Charaktere gespielt, aber ich bin privat so nicht, also was soll's.

Sie selber haben mal gesagt, Sie seien nicht schön genug für bestimmte Rollen.

Ich empfinde mich nicht als gutaussehenden Mann, aber ich leide darunter nicht. Ich bin mit meinem Äußeren, soweit das möglich ist, im Reinen. Natürlich wäre ich gerne etwas schlanker, aber das wird im Alter immer schwieriger. Und dadurch, dass ich ein markanter Typ bin, belege ich ja auch eine Nische, ein Rollenfach, in das ich im Laufe der Zeit reingewachsen bin.

Das müssen Sie erzählen . . .

Ich habe schon als junger Schauspieler gespürt, dass meine Zeit erst später kommt. Ich bin kein Schiller-Jüngling. Da gibt es so rasende, entbrannte Helden wie den Mortimer in „Maria Stuart“. Den habe ich mal gespielt, das war ein Riesenreinfall, weil ich das einfach nicht bin. Gott sei Dank war das in meiner Anfängerzeit am Theater und es erinnert sich heute keiner mehr.

Wie hat die Nebenrolle im James-Bond-Film „Casino Royale“ Ihre Karriere verändert?

Für meine Karriere hat es nicht mehr gebracht als dass es in meiner Vita steht und toll aussieht. Es war ja auch nur eine winzige Rolle. Und ich hätte diese Rolle auch gar nicht bekommen, wenn nicht die zuständige Casterin gerade krank gewesen wäre. Die englische Casterin hat in ihrer Not alle Leute angerufen, die sie in Deutschland kannte, darunter war Claudia Michelsen, die mal in Hollywood gelebt hat. Als ich Claudia Michelsen zufällig bei einer Preisverleihung traf, fragte sie mich: „Hast Du Lust, drei Drehtage bei James Bond mitzumachen? Es ist nichts Besonders, aber die Bahamas sind auch mit dabei.“ Und dann habe ich natürlich sofort zugesagt.

Welchen Stellenwert hat Ihr neuer Job als Eduardo Silva für Sie? Die ARD hat aus den Auslandskrimis ja quasi einen zweiten „Tatort“ gemacht, mit wechselnden Ermittler in wechselnden Städten . . .

Für mich ist es einfach eine wahnsinnig tolle Aufgabe. Allein schon die Gespräche darüber, welche Geschichten man in Lissabon verorten kann, auch aus der Historie des Landes als ehemaliger Kolonialmacht heraus. Ob das gleichwertig ist mit dem „Tatort“, darüber denke ich gar nicht nach. Ich finde es ganz toll, dass ich im Gegensatz zum „Tatort“ nicht Kommissar bin, sondern ein Rechtsanwalt, der sich überlegen muss, wie er seine Mandanten raushaut. Eduardo Silva und seine Kollegin sind ein tolles Gespann.

Info „Der Lissabon-Krimi: Der Tote in der Brandung“ läuft am Donnerstag, 20.15 Uhr, in der ARD.

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04.04.2018, 06:00 Uhr
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