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Hymne auf Mario Götze wird zum Fluch
Bis morgen noch ist Mario Götze amtierender Weltmeister. Dann geht der Pokal in französische oder kroatische Hände. Foto: Eibner
Nationalteam

Hymne auf Mario Götze wird zum Fluch

Vier Jahre nach dem viel gefeierten Titelgewinn in Brasilien ist vom damaligen Ruhm nicht mehr viel übrig. Umso nostalgischer wirken die Erinnerungen an den WM-Triumph.

14.07.2018
  • GEROLD KNEHR

Ulm. Zeige der ganzen Welt, dass du besser bist als Messi, dass du allein ein Spiel entscheiden kannst.“ Mit diesen Worten schickte Joachim Löw an jenem denkwürdigen 13. Juli 2014 den damals gerade mal 22 Jahre jungen Mario Götze als Einwechselspieler ins WM-Finale gegen Argentinien.

Der gebürtige Memminger tat, wie ihm geheißen. In der 113. Minute nahm er im legendären und an diesem Sonntag von Polizeikräften stark gesicherten Maracanã-Stadion nach einer Flanke von André Schürrle den Ball mit der Brust an, ließ ihn im Rückwärtsfallen in einer eleganten Bewegung aufs Bein gleiten und schoss ihn volley zum 1:0-Siegtreffer ins Tor. Argentinien war geschlagen, Deutschland, angetrieben vom in der Schlussphase über sich hinauswachsenden und blutenden Leidensmann Bastian Schweinsteiger, zum vierten Mal Fußball-Weltmeister.

Gold am Hals und schräge Lieder

Entsprechend groß war der Jubel auf dem Rasen und in den Maracanã-Katakomben. Innenverteidiger Per Mertesacker stimmte spürbar bedudelt schräg klingende Lieder an. Lukas Podolskis Sohn Louis trug stolz die Goldmedaille, die ihm sein Vater um den Hals gehängt hatte. Fünf Tage zuvor hatte im Halbfinale eine erstaunliche Metamorphose stattgefunden. Die brasilianisch auftretende Löw-Auswahl schlug die sportlich, taktisch und emotional an diesem Tag völlig überforderten Rumpelfußballer des WM-Gastgebers in Belo Horizonte mit 7:1. Miroslav Klose löste mit seinem 16. WM-Treffer Ronaldo als WM-Torschützenkönig ab. Im Viertelfinale hatte Torhüter Manuel Neuer nach einem Gewaltschuss von Karim Benzema mit einer sensationellen Parade den 1:0-Sieg gegen Frankreich festgehalten, nachdem er zuvor im Achtelfinale gegen Algerien (2:1 nach Verlängerung) als spielender Libero geglänzt hatte.

Neben dem Titel haben sich Kapitän Philipp Lahm, der einen Tag nach dem WM-Triumph zurücktrat, und seine Mitstreiter durch ihr vorbildliches Verhalten beim Umgang mit den schwer geschlagenen Brasilianern viel Respekt und große Sympathien erworben. Doch davon ist nicht viel geblieben. Die Affäre Mesut Özil/Ilkay Gündogan/Recep Tayyip Erdogan und der Umgang des DFB damit hat der Mannschaft geschadet. Der Titelverteidiger wirkte in Russland satt und selbstzufrieden. Vor dem Finale morgen wird Weltmeister-Kapitän Lahm den goldenen WM-Pokal, den Mario Götze nach seinem goldenen Finaltor so innig geküsst hat, an Frankreich oder Kroatien abgeben müssen.

Joachim Löws Satz („besser als Messi“) ist nicht nur für Mario Götze zum Fluch geworden. Der nunmehr 26-Jährige konnte, auch wegen Krankheit und zahlreicher Verletzungen, nach seinem „Tor des Jahrhunderts“ (Löw) die hochgeschraubten Erwartungen nie mehr erfüllen. Der Bundestrainer, ein Fan des von Spanien initiierten Tiki-Taka-Spiels, hat den Anschluss an die internationale Weiterentwicklung verpasst, wo das fruchtlose Ballbesitzspiel mittlerweile als Tiki-Kaka verhöhnt wird. Am 24. August muss Löw der DFB-Spitze seine WM-Analyse und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen vorlegen.

Ralf Rangnick, Sportdirektor und nun auch wieder Trainer bei RB Leipzig, hat bereits eine klare Vorstellung. „Die WM hat uns nochmal gezeigt: Ohne Tempo, ohne Tiefgang, ohne Hochschalten in den fünften, sechsten, siebten Gang, ohne in den Rücken der Abwehr zu kommen, gewinnst du heute noch nicht einmal gegen Panama oder Südkorea.“ Doch zum Fußball gehört mehr als Sprinten und Rennen, nämlich taktisches Geschick und Köpfchen. Nur mit Sprintern wie Leichtathletik-Star Usain Bolt, der vor einigen Monaten bei Borussia Dortmund spaßeshalber mittrainierte, wird man nicht Weltmeister.

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14.07.2018, 06:00 Uhr
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