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Retter mit feinen Näschen

Hundestaffeln wollen künftig für Suchaktionen bezahlt werden

Erdbeben, Unglücke, Vermisstensuche: In Heilbronn zeigten Rettungshundestaffeln ihr Können. Der Verband will künftig vom Land eine Pauschale für seine Einsätze bekommen. Verhandlungen laufen bereits.

12.10.2015
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn Hinter einer ausgehängten Zimmertür wird Balko (12) fündig. Der Appenzeller Sennenhund spürt eines der vermissten Opfer einer Verpuffung im Zementwerk Lauffen auf. Für seine Leistung bekommt der Rettungshund von seiner Besitzerin eine leckere Belohnung. Ganz zufrieden ist Marie Theres Fetzer (63) - die am längsten aktive Rettungshundeführerin der Republik - aus Dürnau bei Göppingen allerdings nicht: Balko hatte die gesuchte Person schon bei einem früheren Schnüffelrundgang entdeckt, aber nicht sofort merkbar Alarm geschlagen.

Zu einer zentralen Katastrophenschutzübung waren am Samstag im Raum Heilbronn acht von insgesamt 15 Staffeln des Bundesverbands Rettungshunde mit 50 Tieren unterwegs. Die neun Szenerien wie jene fiktive Situation im Zementwerk berücksichtigten die unterschiedlichsten Einsatzbereiche und Aufgabenstellungen. Da galt es, den Hund in nicht einsehbarem, schwer zugänglichem oder gefährlichem Gelände zu führen, mit dem Boot auf eine Insel überzusetzen, eine steile Kaimauer zu bezwingen, Risiken in Tanklager und Farbenfabrik richtig einzuschätzen. Panische Kinder mussten beruhigt, besorgte Eltern zurückgehalten, Verletzte versorgt, erste Hilfe bei einem Unfall geleistet werden - alles ehrenamtlich und mit selbst beschaffter Ausrüstung.

"Leute mit Hund ticken anders als normale Menschen", gibt Peter Göttert (65) zu. Der pensionierte Realschullehrer aus Schlierbach ist der Landesbeauftragte des Bundesverbands Rettungshunde (BRH). Die Tiere bekämen eine Aufgabe, "die ihnen Spaß macht". Die Besitzer - zu 80 Prozent Frauen - fänden Bestätigung "durch den Dienst an der Gemeinschaft". Der Hund als Retter dürfe nicht aggressiv sein, aber auch nicht ängstlich, müsse fleißig und fit sein, "und er braucht Nerven wie breite Nudeln". Bei der Übung mit "originalgetreu nachgestellten Schadensstellen" sei alles "sehr positiv" beurteilt worden, fasste Günter Baumann (64), Heilbronner Vorsitzender, die Manöverkritik später zusammen.

Der BRH sei die weltweit größte Hunderettungsorganisation, sagt Göttert stolz. Begonnen hat alles 1974 in Heilbronn. Weil der Bundesverband Selbstschutz aus finanziellen Gründen und wegen angeblich fehlender Einsätze aus dieser Aufgabe ausgestiegen war, gründeten Idealisten einen Verein, dem sich rasch Gleichgesinnte in anderen Städten und Bundesländern anschlossen. "Wir sind an 365 Tagen 24 Stunden einsatzbereit", erklärt Göttert. Innerhalb von sieben Stunden stehen Hunde und Halter abflugbereit in Frankfurt, wenn sie in ein fernes Katastrophengebiet gerufen werden. Auch er war schon mit seiner Altdeutschen Hütehündin Biene dabei, gemeinsam haben sie in der Türkei nach einem Erdbeben dafür gesorgt, dass zwei Frauen lebend aus den Trümmern geborgen werden konnten. "Unsere Einsätze sind kostenlos, aber nicht umsonst", betont Göttert. Eigentlich ist diese wichtige Hilfe unbezahlbar. Doch außer Spenden und ein paar Euro in Sammelbüchsen bekommt der BRH keine Zuwendungen.

"Wir sparen dem Land jährlich hunderttausende von Euro, wenn bei der Vermisstensuche die Polizei nicht ausrücken muss", rechnet Göttert vor. Deshalb verhandelt er gerade mit dem Innenministerium in Stuttgart über eine pauschale Entschädigung. Über die Höhe wurde angeblich noch nicht gesprochen. Durchschnittlich zwei Mal monatlich werden die speziell geschulten Schnupperschnauzen gebraucht, etwa 70 Prozent dieser Suchaktionen sind nachts.

Die beste Motivation, erklärt Sabine Mede (44) aus Filderstadt, sei die erfolgreiche Suche nach einer vermissten Person. 2008 konnte sie dank des Gespürs ihres Hundes einen Mann mit einem Herzinfarkt rechtzeitig entdecken und reanimieren. "Das treibt mich an", erzählt die Expertin für tiergestützte Therapie. Bei der Übung ließ sich Labradorhündin Kira (7) auch durch aufdringliche Beobachter nicht irritieren. Nach einer Explosion in einem Zementwerk, so das Szenario, wurden mehrere Menschen vermisst. Kira schlug an einem schlecht einsehbaren Förderband an.

Hundestaffeln wollen künftig für Suchaktionen bezahlt werden
Bravo, Balko! Der Appenzeller Sennenhund (rechts) wartet bei der Katastrophenschutzübung im Zementwerk auf den Einsatzbefehl seiner Besitzerin Marie Theres Fetzer, der dienstältesten Rettungshundeführerin in Deutschland. Foto: Hans Georg Frank

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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