Trauerfeier in der Stiftskirche, Bestattung auf dem Stadtfriedhof

Hunderte nahmen Abschied von Walter Jens

In Tübingen haben am Montag hunderte Trauergäste gemeinsam mit der Familie Abschied von Walter Jens genommen.

17.06.2013

Von dpa/ST

Tübingen. Seine Krankheit ließ Walter Jens schon vor Jahren verstummen. Und still war es jetzt auch beim Abschied des Tübinger Gelehrten. Die Familie hatte sich Nachrufe bei Trauerfeier und Beerdigung verbeten. Sie ließ Mozarts Requiem für ihn sprechen.

Abschied von Walter Jens - Requiem in der Stiftskirche
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Abschied vom Tübinger Gelehrten Walter Jens ganz ohne Nachrufe. Nur Mozarts Requiem erklang in der Stiftskirche, jenes Werk, das Jens einst kommentiert und mit dem er 2006 seine letzten öffentlichen Auftritte hatte.

© Video: Hans-Jörg Schweizer 05:37 min

Es war ein würdiger Abschied. Etwa 1000 Gäste kamen zum Trauergottesdienst für Walter Jens in die Tübinger Stiftskirche. Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatten Kränze nach Tübingen geschickt. Landesverkehrsminister Winfried Hermann war persönlich gekommen: Er war Hiwi am Lehrstuhl von Walter Jens im Seminar für Allgemeine Rhetorik gewesen.

Den Weg zum Stadtfriedhof legte die überwiegend aus älteren Menschen bestehende Trauergemeinde zum Teil in Nahverkehrsbussen zurück, die die Stadtverwaltung auf dem Holzmarkt vorfahren ließ.

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Walter Jens im Jahr 2007 im Festsaal der Universität Tübingen während der Weltethos-Rede von Helmut Schmidt.

Walter Jens mit seiner Pflegerin Margit Hespeler: In seinen letzten Lebensjahren verbrachte er viel Zeit auf ihrem Hof in Mähringen.

Tübingens Alt-OB Eugen Schmid im Gespräch mit Walter und Inge Jens.

Walter Jens, der berühmte Tübinger: Auf diesem Bild begrüßt er gemeinsam mit Eberhard Jüngel Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise beim Rathausempfang 2004.

2005: Walter und Inge Jens im Gespräch mit dem Tübinger Alt-OB Dr. Eugen Schmid.

Walter Jens, der Kunstinteressierte: Der ehemalige TAGBLATT-Chefredakteur und -Mitverlerger Christoph Müller führte Inge Jens, Walter Jens und Hans Küng 2001 durch seine Niederländerausstellung im Diozösanmuseum in Rottenburg.

Die Familien-Forscher Walter und Inge Jens bei einer Lesung im Dezember 2004: Gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls Literaturwissenschaftlerin, veröffentlichte Jens 2004 unter dem Titel "Frau Thomas Mann" eine Biografie Katharina Manns.

Walter Jens und Karl Josef Kuschel 2003 im Werkstattgespräch.

Walter Jens 1998 bei einer Lesung in der Buchhandlung Osiander...

Walter Jens im Februar 1996 mit Hans Küng bei dessen Abschiedsvorlesung.

Walter Jens in der am häufigsten fotografierten Pose: Als Redner, hier bei einer Ausstellungseröffnung 1997.

Ein häufiger Gast auf dem Rathaus: Empfang anläßlich des Umbrisch-Provencalischen Marktes 2001 mit Hans Küng am Pult. Daneben in der ersten Reihe OB Brigitte Russ-Scherer, Inge und Walter Jens.

Amtsgericht Tübingen: Prozeß gegen Walter und Inge Jens am 13. Juni 1994

150 Jahre Philologie - Vortrag von Walter Jens im November 1988

1997 beim Stehempfang im alten Lesesaal der Universitätsbibliothek mit Bundespräsident Roman Herzog (rechts).

Auf dem Podium zur Sterbehilfe 2001.

"Politik braucht Kultur". Walter Jens war kein Elfenbein-Intellektueller, Auf diesem Bild spricht er im September 2002 bei einer Wahlveranstaltung der SPD in der Mensa Morgenstelle.

Bei Lesungen und Diskussionen saß Walter Jens häufig in der ersten Reihe. Der Theologe Karl-Josef Kuschel hatte bei Osiander seinen Walter Jens vor sich sitzen (links vorn) und vor sich liegen (Tisch).

Walter Jens war Sportler und Sportbegeisterter: Im Mai 1970 stand er in einem Fußballspiel "Professoren gegen Uni-Pedellen" zwischen den Pfosten.

„Ich hatte gerade einen Essay über Richard Wagner beendet und nichts Besseres zu tun gehabt. . .“: Walter Jens 1987 beim mitternächtlichen Tennis-Federationcup-Gucken, ertappt von TAGBLATT-Karikaturist Sepp Buchegger.

Uni nonstop: 1997 eröffnete Walter Jens eine Marathonvorlesung an der Universität Tübingen.

Walter Jens bei der Vorstellung seines Buches über Fontane im März 2000.

Walter Jens spricht 1996 im Festsaal der Tübinger Universität.

Der größte Tübinger Hörsaal war zu klein für die Zahl derer, die sich für das Thema Sterbehilfe interessieren. Was Hans Küng, Herta Däubler-Gmelin, Dietmar Mieth, Christoph Müller, Urban Wiesing, Gottfried Kusch und Walter Jens (im Bild vorne von links) auf dem Podium des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS am 1. Mai 2001 zu dem umstrittenen Thema zu sagen hatten, wurde deshalb in Wort und Bild in einen weiteren Kupferbau-Hörsaal übertragen.

Anschließend wurde der Sarg auf dem Tübinger Stadtfriedhof beigesetzt. Dort hatten sich Walter Jens und seine Frau Inge schon vor vielen Jahren eine Grabstätte nicht weit entfernt von den Gräbern Friedrich Hölderlins und Ludwig Uhlands ausgesucht. Der Philologe, der zu den wichtigsten Intellektuellen der deutschen Nachkriegsgeschichte zählt, war vor einer Woche im Alter von 90 Jahren gestorben.

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Erstellt:
17. Juni 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2013, 12:00 Uhr

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