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Die Medikamente drohten schon aus zugehen

Humedica-Helfer Matthias Gerloff aus Entringen berichtet vom Katastropheneinsatz in Tacloban –

Ihm fällt die Taschenlampe aus dem Mund, als er zum Funktelefon greift. Aber Matthias Gerloff, 46, Pfleger aus Ammerbuch, ist glücklich – dass er reden und helfen kann.

15.11.2013

Von Ernst Bauer

Ammerbuch / Tacloban. Hat sich die Lage zugespitzt? Seit der Nacht zum Montag ist Gerloff, wie berichtet, mit einem kleinen Ärzteteam der Hilfsorganisation „Humedica“ im Katastropheneinsatz auf den Philippinen. Acht Tage nachdem der Taifun Haiyan eine Schneise der Verwüstung über den Inselstaat im westlichen Pazifik, in Südostasien, gezogen hat, versuchen er und die Mediziner nach wie vor unablässig, den Leuten in Tacloban unter die Arme zu greifen, sie medizinisch – vor allem mit Antibiotika – zu versorgen.

„Wir waren stundenlang draußen“, erzählt Gerloff, man habe wieder viele Patienten behandelt, „bestimmt 150 Leute“. Und ein leerstehendes Krankenhaus in der weitgehend zerstörten Stadt besichtigt. Es sieht aus, wie von allen guten Geistern verlassen, von Ärzten und Nonnen. Die Patienten wurden in eine andere Klinik evakuiert. „Wir sind am Suchen, wo längerfristig ein nachhaltiges Projekt entstehen könnte.“

Wie durch ein Wunder fanden sie selber Unterkunft in einem heil gebliebenen Haus mitten in der Stadt: „Wir dürfen wohnen bleiben bei Lenny“, berichtet der Pfleger aus Ammerbuch. Diese Frau, offenbar eine Rechtsanwältin, habe in den letzten Tagen „immer mehr Leute aufgenommen“; darunter auch ein neugeborenes Kind, das kurz vor dem Taifun auf die Welt kam, mit der Mutter „die Flutwelle überlebt“ hat. Noch ein Wunder.

„Die Sicherheitslage ist für uns okay“, sagt Gerloff. Gestern Morgen habe sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass alle Gefängnisse geöffnet worden seien, „damit die nicht verhungern“. Die Bevölkerung habe plötzlich Angst gehabt. Aber passiert sei nichts. „Es gibt auch für uns inzwischen eine Ausgangssperre.“ Von 19 Uhr an solle man abends möglichst nicht mehr auf die Straße. So diszipliniert, wie hier aber selbst das rare Benzin „verteilt“ werde, habe man allerdings wohl kaum etwas zu befürchten.

Für das kleine Ärzteteam – das erste, das überhaupt nach Tacloban durchkam – ist der Donnerstag ein ausgesprochen glücklicher Tag: „Wir haben heute frisches Wasser gekriegt, frisches Material!“ Verbandszeug und Medikamente drohten schon auszugehen. „Wir haben die Tupfer schon geschnippelt“, halbiert, berichtet Gerloff. Aber dann stand zur großen Freude aller das ersehnte zweite Ärzteteam auf der Matte. „Jetzt wird im großen Team gearbeitet“, freut sich der Entringer, der sich „inzwischen auch richtig akklimatisiert“ hat – „ich schlafe besser bei Nacht“; ein Unfallchirurg sei nun auch dabei; und er ist seinen Leuten daheim, den Verantwortlichen der Uniklinik, so dankbar, dass sie ihn ziehen ließen, ihm als Pfleger und Lehrer an der Krankenpflegeschule für den Katastropheneinsatz frei gaben; an solchen Fachkräften fehlt es nämlich da am meisten.

Zu dem Zeitpunkt weiß Gerloff noch gar nicht, was gestern Humedica vermeldet hat: Man habe das „Mother of Mercy“-Krankenhaus in Tacloban übernommen, mit einem Hilfsgüterflug sei bereits ein drittes Humedica-Team unterwegs.

Der Ammerbucher Pfleger Matthias Gerloff (hinten links) hilft mit den Ärzten einer Verletzten in Tacloban.

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Erstellt:
15. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. November 2013, 12:00 Uhr

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