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Horst Evers und die ganz großen Fragen

Der Berliner Niedersachse legt einen neuen Roman vor und ist auf Tournee: „Früher war ich älter“.

09.11.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Langenau. Altersstarrsinn lag ihm schon früh. Und schon früh hat sich Horst Evers aufs Älterwerden gefreut, „weil man da ja begreift, wie alles mit allem zusammenhängt“. Leider leben wir jetzt in Zeiten, „in denen man denkt, ich hab den Faden verloren“. Daher sagt der 51-jährige Erfolgsautor heute: „Früher war ich älter.“

So heißt auch sein aktuelles Programm, und mit neuen Geschichten unterhielt er sein Publikum im Langenauer Pfleghof. „Früher war ich älter“: ein Titel mit so vielen Bedeutungsebenen, „aber die kommen im Programm alle vor!“ Schließlich will der in Berlin lebende Niedersachse Antworten auf die großen Fragen geben: „Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Ist das weit? Muss ich da mit?“

Er spricht über die Provinz, veganfreie Wurst und alltägliche Streitereien: „Argumente bringen ja nichts mehr, wenn die anderen Recht haben.“ Und er feiert den Sport: „Den liebe ich – aber mein Körper halt nicht.“

Evers Geschichten sind, zu Bänden wie „Wäre ich du, würde ich mich lieben“ gebündelt, Bestseller. Aber Evers kann auch Roman, just am Montag ist einer erschienen: „Es hätte alles so schön sein können.“ Darin lässt er den 17-jährigen Marco aus einem niedersächsischen Kaff drei wilde Tage erleben, nach denen nichts mehr so ist wie zuvor. Und das alles nur, weil Marco gern mal ein Landbordell auskundschaftet und mitbekommt, wie ein Rocker aus dem Fenster fliegt.

Es ist nicht Evers‘ kühnste Geschichte, aber wie immer gibt es drollige, tropfige, trottelige, dennoch hinreißende Figuren, herrliche Situationskomik und vor allem den Everschen Erzählklang, den man gern mit „lakonisch“ beschreibt, was den Kern der Sache aber nicht trifft. Es ist ein mal bauernschlauer, mal dusseliger Tonfall, der alles so alltäglich lebens- und gefühlsecht wirken lässt. „Ich weiß ja alles, was ich weiß, immer nur so in etwa“, gibt sein Held Marco zu. „Meistens reicht das ja auch in etwa.“

Evers weiß hingegen, was er tut. Und das gilt erst recht für den Vortragskünstler Evers: Er lässt seine Figuren aufleben, stöhnt, stiert und staunt. Sein Talent hat er in Berliner Kabarett-Ensembles und auf Lesebühnen geschärft, was Hörbücher wie „Dumm fickt gut. Die Tragik der Hochbegabten“ dokumentieren. Aber zum Glück der Leser und Zuhörer ist bei Evers die Tragik stets nur der kleine Bruder des Humors. Magdi Aboul-Kheir

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09.11.2018, 06:00 Uhr
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