Tübingen · Vor der Premiere

Horror – das älteste Genre der Welt

Mit „Frankenstein“ bringt das LTT die Mutter aller Horror- und Science-Fiction-Romane auf die Bühne.

12.06.2024

Von ST

Das Frankenstein-Team: Dominik Günther, Leo Schmidthals und Sandra Fox.Bild: LTT

Das Frankenstein-Team: Dominik Günther, Leo Schmidthals und Sandra Fox.Bild: LTT

Mary Shelleys „Frankenstein“ hat sich in die Geschichte der Moderne eingeschrieben. Am LTT inszeniert Dominik Günther nun den Stoff, am Freitag, 14. Juni im Großen Saal. Dramaturg Tom Gipfel traf den Regisseur, die Bühnen- und Kostümbildnerin Sandra Fox und den Musiker Leo Schmidthals zu einem Gespräch.

Dieses Jahr hat „Poor Things“ vier Oscars gewonnen. Warum scheint die Frankensteingeschichte gerade wieder so aktuell zu sein?

Dominik Günther: Ich glaube, diese Geschichte ist zeitlos. Vielleicht ist „Horror“ ja das älteste Genre der Welt. Schon Höhlenmalereien von vierzigtausend Jahren vor unserer Zeitrechnung zeigen Hybridwesen aus Frau und Stier. Das hat also die Leute schon immer interessiert: Die Lust am Gruseln, am Ausmalen von fantastischen Bedrohungssituationen.

Leo Schmidthals: Spätestens im letzten Jahrhundert hat der Mensch Dinge erfunden, die ihn selbst zerstören können – die Atombombe, all die Dinge, die zur Klimakatastrophe führen. Social Media, Fake News – viele Dinge verselbstständigen sich über die Köpfe ihrer Schöpfer hinweg. „Die ich rief, die Geister / Werd‘ ich nun nicht los“, heißt es so treffend im „Zauberlehrling“.

Günther: Wir Menschen haben einen Forschergeist in uns, wir erschaffen Dinge und entwickeln uns weiter. Ich glaube, das macht uns Menschen aus. Jede Änderung birgt aber eben auch Gefahren. Man kann die Kontrolle verlieren, über etwas, das man erschaffen hat. ? Künstliche Intelligenz ist erst einmal eine tolle Sache, mit der in unglaublicher Geschwindigkeit Information generiert werden kann. Aber was, wenn sich diese Information auf einmal gegen den Menschen richtet? So entstehen diese ganzen Horrorszenarien, diese ganzen Monster, die sich die Menschen ausdenken.

Aber kann man eigentlich so genau sagen, wer in „Frankenstein“ das Monster ist?

Günther: Der Roman wirft genau diese Frage auf: War die von Frankenstein erschaffene Kreatur von Anfang an schlecht oder wurde sie erst durch den Menschen schlecht gemacht? Ist die Kreatur das Monster? Oder nicht vielmehr die Gesellschaft, die die Kreatur wie ein Monster behandelt? Das Wesen wird von seinem Schöpfer oder Vater verstoßen. Dabei hat es eine große Sehnsucht nach menschlichem Gefühl, Gemeinschaft, Liebe und Verständnis. Es erlebt aber immer nur Ablehnung. Erst da entsteht irgendwann der Rachegedanke.

Wie sieht ein künstlicher Mensch aus? Wie klingt so ein Wesen?

Sandra Fox: Es gibt ein großes kollektives Gedächtnis, was diese Frankensteingeschichte angeht. Und dieses Gedächtnis ist unglaublich reich und vielschichtig. Es speist sich aus all den Filmen, Comics, Romanen, popkulturellen Bezügen, die sich mit dieser Erzählung beschäftigen. Wir haben gar nicht die Not, die gesamte Bühne niederzubrennen, nur weil’s im Buch steht, oder Hundert Liter Blut zu verschütten. Das entsteht vielmehr im Kopf.

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Erstellt:
12.06.2024, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 22sec
zuletzt aktualisiert: 12.06.2024, 01:00 Uhr

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