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Holz vom Acker
Holzschnitzel liegen zur Aufarbeitung bei der Firma „Westerwälder Holzpellets“ bereit. Foto: dpa
Landwirtschaft

Holz vom Acker

Immer mehr Bauern entdecken Bäume als neues wirtschaftliches Standbein. Experten halten die Ökobilanz dieses Konzepts für besser als die von Biogas.

04.03.2017
  • DPA

Schwarzbach. Florian Schmidts Bäume werden nicht alt. Der Chef der Agrargenossenschaft Niederpöllnitz bei Gera stapft über einen dreieinhalb Hektar großen Acker, auf dem nur noch Stümpfe von Pappeln aus dem Boden ragen. Vor neun Jahren wurden die Bäume von seinem Vorgänger als Stecklinge gepflanzt und nun vor wenigen Wochen das erste Mal abgesägt. Jetzt liegen die Pappeln am Feldrand zum Trocknen. „Sie werden später zu Hackschnitzeln verarbeitet“, erklärt Schmidt. Auf rund 6600 Hektar wächst laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wie hier im ostthüringischen Schwarzbach Energieholz auf deutschen Feldern. Dabei mischt auch der Energiekonzern Vattenfall mit.

Fachleute sprechen von Kurzumtriebsplantagen und der guten Ökobilanz von Holz verglichen mit fossilen Energieträgern wie Erdöl und Kohle. Das Prinzip geht so: Auf einem Feld werden statt Getreide oder Rüben Stecklinge vor allem von Pappel oder Weide in Reihen gepflanzt – bis zu Zehntausend je Hektar. Sie wachsen so schnell, dass sie bei guten Bedingungen nach einem Jahr schon zwei bis drei Meter hoch sind. Nach vier oder mehr Jahren rücken die Maschinen an, um das Holz zu ernten. Das wird dann verfeuert, um Wärme und manchmal auch Strom zu erzeugen. Danach treiben die Pflanzen erneut aus, so dass die Flächen in ein paar Jahren erneut abgeholzt werden können.

Schmidts landwirtschaftlicher Betrieb hat zunächst mit 24 Jahren Dauer kalkuliert. Doch der Landwirt geht davon aus, dass die Plantage auch 40 Jahre lang gute Erträge bringt. Insgesamt hat er 32 Hektar mit Pappeln bestückt. Es ist die größte derartige Anlage in Thüringen, wo trotz Förderung zuletzt nur 120 Hektar zum Anbau von Energieholz genutzt wurden.

Im Umland von Berlin sind solche Plantagen viel weiter verbreitet. Das liegt vor allem am Energiekonzern Vattenfall. Der betreibt in der Hauptstadt ein Biomasse-Kraftwerk. Dort wird mit Hackschnitzeln aus Holz Wärme und Strom erzeugt. Das verschlingt im Jahr 45 000 bis 50 000 Tonnen Holz, die zur Hälfte aus Plantagen stammen sollen, wie der Geschäftsführer der Vattenfall-Tochter Energy Crops, Jan Grundmann, erklärt. In Kooperation mit Bauern hat das Unternehmen im Umkreis von rund 100 Kilometern um Berlin und in Westpolen rund 2000 Hektar in Bewirtschaftung, um für Holz-Nachschub zu sorgen.

Doch insgesamt führt der Anbau von Energieholz auf deutschen Feldern ein Nischendasein. „Ackerfläche wäre genug vorhanden. Der Anbauumfang könnte 500 000 Hektar und mehr betragen“, erklärt Hermann Hansen von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Auch Umweltschützer gewinnen solchen Plantagen Positives ab. Sinnvoll eingesetzt, helfen sie Äcker vor Erosion zu schützen. Zudem wachsen sie – anders als Kulturen wie Mais und Raps – ohne Düngergaben sowie Pflanzen- und Schädlingsgifte. Gerade in Gegenden mit hoher Nitratbelastung könnten sie für Entlastung sorgen. Auch könne der Anbau von Holz auf Feldern helfen, Wälder zu entlasten und einen Teil für mehr Wildnis aus der Nutzung zu nehmen, merkt Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter an.

Warum wächst also nicht längst mehr Holz auf deutschen Äckern? Zum einen, so sagen Experten, gebe es Vorbehalte bei Bauern. Sie müssen anfangs mit hohen Kosten für Anpflanzung und Pflege in Vorleistung gehen und können – nicht wie sonst üblich – im nächsten Sommer, sondern erst nach einigen Jahren erste Erträge einfahren.

Ein anderer Punkt sind die gesunkenen Öl- und Gaspreise. Dadurch habe die Wettbewerbsfähigkeit von Holz für die Wärmegewinnung arg gelitten, erklärt Grundmann. Um für Bauern den Anbau attraktiver zu machen, hält auch Greenpeace-Mann Hofstetter eine stärkere Berücksichtigung solcher Plantagen beim Greening für geboten – also für ökologische Vorrangflächen, die Bauern vorhalten müssen. dpa

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04.03.2017, 06:00 Uhr
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