Tiere

Hokus, Pokus, Fidibus

Katzen sind nützlich, elegant, reinlich und anschmiegsam. Und doch gelten sie als unheimlich. Ein mythologischer Streifzug zum Weltkatzentag.

08.08.2020

Von KNA

Vor allem schwarze Katzen hatten im Mittelalter einen schlechten Ruf. Foto: ©Skreidzeleu/shutterstock.com

Bonn. Im Mittelalter hielt man Katzen, zumal schwarze, für ein Teufelssymbol, wenn nicht gar für den Leibhaftigen selbst: „Hokus, Pokus, Fidibus, drei Mal schwarzer Kater“ – jedes Kind kennt den Zauberspruch auf das traditionelle Begleittier der Hexen. Nüchtern betrachtet sind Katzen gedrungen bis schlank gebaute Landraubtiere mit kurzer Schnauze. Rund 40 Arten weltweit und allein bis zu 14 Millionen Exemplare in Deutschland erlauben das Prädikat „weit verbreitet“. Breite, rundliche Tatzen mit einziehbaren Krallen und weiche Sohlenballen ermöglichen ihnen lautloses Anschleichen und Festhalten ihrer Beute.

Katzen können zwar nicht im Dunkeln sehen, wie oft behauptet wird. Aber sie verfügen hinter ihrer lichtempfindlichen Netzhaut über eine Art Spiegel, der das einfallende Licht bündelt und verstärkt. Diese ungewöhnliche Konstruktion lässt die Katze mit weniger Licht auskommen – und sie sorgt für den unheimlichen „magischen Katzenblick“, der ihre Augen nachts leuchten lässt. So entstand die Mär vom Tier, das die geheimen Mächte kennt.

In China steht sie für die Mächte des Bösen, in Japan dagegen wird sie verehrt als ein Tier, das friedliche Ruhe verbreitet. Den Indianern galt sie als Botin der List und des Diebstahls, die Kelten sprachen ihr Kräfte aus der Tiefe der Erde zu. Die Fruchtbarkeit der Katzen jedenfalls ist legendär. Nicht von ungefähr fährt Freya, die germanische Göttin der Liebe und Ehe, mit einem Wagen übers Firmament, der von grauen Katzen gezogen wird.

Die Griechen erfuhren durch ihren Geschichtsschreiber Herodot von Katzen. Im fünften vorchristlichen Jahrhundert kamen die ersten Exemplare als Luxusgeschöpfe nach Griechenland und vier Jahrhunderte später nach Rom. Das frühe Christentum warf ihnen Faulheit und sinnliche Begierde vor – ein Grund vielleicht, warum sie in unseren Breiten erst ab dem 4. Jahrhundert zum Haustier wurden.

Besonders abenteuerlich aber, was das christliche Mittelalter aus ihnen gemacht hat: Ihm galt die Katze als geheimnisvolle Künderin der Zukunft. Das Problem: das richtige Entziffern der Katzenbotschaft. Jede Bewegung kann von Bedeutung sein. Putzt sich die Katze, kommt Besuch. Putzt sie das rechte Ohr, ist es ein vornehmer Gast; putzt sie die linke Pfote, droht unangenehmer Besuch. Putzen des Gesichts steht für weiblichen, Putzen des Rückens für männlichen Besuch. Auch wenn sie einen Buckel macht, kommen Gäste.

Der beste Wetterfrosch

Der Volksglaube sieht in der Katze auch den besten Wetterfrosch. Dreht sie den Schwanz nach dem Ofen oder Herd, dann gibt es Frost. Leckt sie sich das verlängerte Rückgrat – wer kann das schon? –, droht Regen. Wer für einen bestimmten Tag gutes Wetter haben will, muss, so der Volksmund, seine Katze gut füttern.

Der Fantasie beim Andichten böser Omen waren keine Grenzen gesetzt. Wenn nachts die Katzen miauen, sollte man nicht aus dem Fenster schauen – sonst riskiert man einen geschwollenen Arm oder ein geschwollenes Gesicht. Auch in der mobilen Gesellschaft kann der Dachhase Verheerendes anrichten. Nimmt man ihn bei einem Wohnungswechsel sofort mit, gibt es bald einen Todesfall.

Katzen können aber auch Glück bringen. Ein Mädchen etwa, dem auf dem Weg zum Tanz eine gefleckte Katze nachläuft, bekommt bald einen Mann. Aber: Wer keine Katzen mag, hat Regen am Hochzeitstag. Wer eine tote schwarze Katze rückwärts über die linke Schulter wirft und sich dann nach rechts wendet, hat Glück. Und eine dreifarbige Katze, in ein brennendes Haus geworfen, ersetzt die Feuerwehr – nur wenn man dran glaubt natürlich. In Siebenbürgen und in Böhmen war es Brauch, eine schwarze Katze unter einem Obstbaum zu begraben, damit dieser besser gedeiht.

Ungezählt sind die Legenden, in denen Katzen als Bauopfer herhalten mussten, etwa um den Teufel zu täuschen oder Unheil und Schäden abzuhalten. Sie wurden etwa lebendig eingemauert, vergraben, durch Kathedralen oder über Brücken gejagt, an Stangen geröstet, ins Feuer oder sonstwohin geworfen.

Am Ende ist aber doch alles fauler Zauber! Eine Katze bleibt eine Katze, die friedlich auf der Fensterbank hockt und sich putzt. Sich putzt? Oje, so spät noch ein Besucher . . . kna

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2020, 06:00 Uhr

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