Pandemie

Hoffen auf den Impfpass

Könnte ein europaweit gültiges Zertifikat sorglose Reisen im Sommer ermöglichen? Die EU will die Weichen dafür stellen.

02.03.2021

Von CHRISTIAN KERL

Für die Corona-Impfung arbeiten die EU-Länder an einem eigenen Impfausweis. Foto: Christin Klose/dpa

Brüssel. Diese Nachricht macht vielen Mut: Ein europaweit gültiger Corona-Impfpass, der das Leben und Reisen leichter machen könnte, rückt näher. Die EU-Regierungschefs haben beim jüngsten Gipfel vereinbart, das beschlossene Vorhaben voranzutreiben. In Deutschland gibt es schon sehr konkrete Pläne. Das ist der Stand der Dinge.

Wie wird der neue Impfpass aussehen? Den Ausweis entwickelt jedes Land in der Europäischen Union für sich auf der Basis gemeinsamer Standards, die schon festgelegt wurden. Hierzulande arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einem digitalen Nachweis, für den in der Arztpraxis, dem Impfzentrum oder im Krankenhaus Informationen über Zeitpunkt, Impfstoff und Chargennummer gebündelt werden sollen. Daraus wird ein Barcode erstellt, den der Nutzer direkt über eine App aufs Smartphone scannen oder als Papierausdruck mitnehmen kann. Als Nachweis auslesen lässt sich der Code über eine Prüf-App, etwa wie beim Einchecken ins Flugzeug, erklärt das Gesundheitsministerium. Über diese Prüf-App sollen nicht nur staatliche Stellen, etwa beim Grenzübertritt, den Nachweis lesen können, auch private Dienstleister könnten Zugang haben – also etwa Hotels oder Veranstalter.

Ist der Impfpass Pflicht, was er kostet er? Der digitale Pass ist freiwillig und ergänzt den üblichen Impfnachweis auf Papier. Wer kein Smartphone hat oder es verliert, kann immer noch auf den gelben Impfausweis zurückgreifen, so das Bundesgesundheitsministerium. Ein zentrales Impfregister ist nicht geplant. Zu den Kosten gibt es noch keine Angaben, der gelbe Impfausweis ist aber kostenlos. Das erwarten Experten auch für den digitalen Nachweis. Zum Schutz gegen Missbrauch könnte bei Überprüfungen auch ein Lichtbildausweis verlangt werden. Der Impfpass ist an nur ein Smartphone gebunden, um Vervielfältigung zu verhindern.

Was bringt der Impfpass? Vorerst gilt: Es ist ein rein medizinischer Nachweis, mit dem sich für den Geimpften nichts ändert. Aber das bleibt nicht so. Schon im Lauf des Jahres dürfte der Corona-Impfnachweis vor allem von privater Seite hier und da eine Zutrittsbedingung werden, etwa für Theater, Kinos, Restaurants, Reiseveranstalter. Alltours hat bereits angekündigt, in seinen eigenen Clubhotels nur noch Urlauber mit Impfnachweis aufzunehmen, wahrscheinlich gilt das ab Herbst. Private Anbieter haben diese Möglichkeit, sagt der Deutsche Ethikrat. Der Staat hat es schwerer. Doch ist die verbreitete Erwartung, dass der Pass in Europa unkompliziertes Reisen ermöglicht – für Pendler, den Güterverkehr und natürlich für Touristen. Die Entscheidung haben die Regierungschefs beim jüngsten Gipfel vertagt. Christian Kerl

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Erstellt:
2. März 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. März 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. März 2021, 06:00 Uhr

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