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Verbrechen

Hochsaison für Einbrecher?

Jede Stunde wird in dreizehn Häuser oder Wohnungen eingebrochen. Viele meinen, in der Dunkelheit und in Großstädten schlügen Einbrecher besonders häufig zu. Ein Faktencheck.

08.11.2018

Von DPA

Ganoven haben nicht mehr so leichtes Spiel, viele Häuser wurden sicherer gemacht. Foto: Bodo Marks/dpa

Ulm. Den Beginn der dunklen Jahreszeit nutzt die Polizei regelmäßig zur Warnung vor Ganoven. Denn alle viereinhalb Minuten brechen Kriminelle in eine Wohnung oder ein Haus ein. Leben Menschen in Deutschland immer unsicherer in den eigenen vier Wänden? Einige Behauptungen im Faktencheck.

Es wird immer öfter eingebrochen: Falsch. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat 2017 deutschlandweit zum zweiten Mal in Folge weniger Einbrüche registriert. Von 2008 bis 2015 war deren Zahl kräftig gestiegen, aber 2017 lag sie mit 319 erfassten Einbrüchen pro Tag wieder auf dem Niveau von 2009. Mögliche Gründe: Die Strafen wurden verschärft, viele haben ihre Häuser sicherer gemacht. Allerdings hat es in 75 deutschen Regionen mehr Einbrüche gegeben als 2016. Die höchsten Anstiege gab es im Rheingau-Taunus-Kreis (47 Prozent), in Darmstadt (38) und Braunschweig (28).

Großstädter sind besonders gefährdet: Falsch. Wegen ihrer hohen Bevölkerungszahl stehen zwar Berlin, Hamburg und Köln 2017 mit zusammen rund 17 500 registrierten Einbrüchen an der Spitze der Einbruchsstatistik. München aber war mit knapp 1000 Einbrüchen weniger betroffen. Die sichersten Großstädte: Erlangen (37 Fälle), Jena (41) und Reutlingen (49). Betrachtet man Einbrüche anteilig zu allen registrierten Straftaten, ist das anders. Laut dem BKA waren 2017 Landkreise in Großstadtnähe am unsichersten: Osterholz bei Bremen, der Rheingau-Taunus-Kreis bei Wiesbaden sowie Harburg und Stormarn bei Hamburg mit je 5 Prozent. Das war das Doppelte des Bundesdurchschnittes.

Einbrecher haben im Dunkeln leichtes Spiel: Nicht unbedingt. Nach Angaben des BKA für 2017 kam es zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu drei von fünf Einbrüchen. Zu diesem Zeitraum sind aber auch Fälle mit unbestimmbarer Uhrzeit gezählt worden – etwa, wenn die Bewohner übers Wochenende weggefahren oder im Urlaub waren. Auf Monate bezogen wurde 2017 häufiger im Winter eingebrochen als im Sommer – laut BKA-Tatzeitstatistik im Dezember zum Beispiel so oft wie im August und September zusammen. Zur Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am Sonntag hatte die Polizei deshalb wieder den „Tag des Einbruchschutzes“ ausgerufen, um mit Beginn der dunklen Jahreszeit über Einbruchschutz zu informieren. Wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen zuletzt in einer 2017 veröffentlichten Studie über ungeklärte Taten der Jahre 2011 und 2012 in NRW herausfand, glücken Einbrüche allerdings meistens im Hellen – etwa, weil die Bewohner dann außer Haus sind. Zudem kommt es auf die Lage der Häuser an.

Einbrecher sind meist Ausländer: Falsch. Am häufigsten ermittelte die Polizei deutsche und örtlich-regionale Tatverdächtige, oft bekannte Gewohnheitstäter. Zum Beispiel Drogenkonsumenten, die durch Einbrüche ihre Rauschgiftsucht finanzieren. Die Studie des LKA Nordrhein-Westfalen kam für geklärte Fälle zu dem Ergebnis, dass verdächtige Einbrecher in fast 90 Prozent der Fälle männlich und im Mittel knapp 27 Jahre alt waren. Demnach besaßen rund 64 Prozent der Verdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit; mit knapp 22 Prozent bildeten Tatverdächtige mit einer osteuropäischen Staatsangehörigkeit laut der Studie die zweitgrößte Gruppe. Nach BKA-Angaben hat der Anteil überregional und international agierender Tatverdächtiger „kontinuierlich zugenommen“. Solche „reisende Täter“ stammten häufig aus Südost- und Osteuropa.

Deutschland ist in Europa besonders betroffen: Falsch. Trotz seiner zentralen Lage zwischen West und Ost gibt es hierzulande weit weniger Einbrüche als in anderen wirtschaftsstarken EU-Ländern. Mit 184 erfassten Einbrüchen auf 100 000 Einwohner stand die Bundesrepublik im jüngsten Ländervergleich von Eurostat 2016 besser da als etwa Dänemark (778 Fälle), Schweden (429), Luxemburg (368), Frankreich (361) oder die Schweiz (313).

Sebastian Fischer

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Erstellt:
8. November 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2018, 06:00 Uhr

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