Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Erschöpfte Helfer

Hilfsorganisationen schauen mit Sorge auf den Winter

Das Deutsche Rote Kreuz beklagt, dass viele Flüchtlingshelfer erschöpft sind. Auch der bald einsetzende Winter stellt die Hilfsorganisationen vor große Probleme bei der Versorgung der Asylbewerber.

06.10.2015
  • VIKTOR TASCHNER

Stuttgart Der beschwerliche Weg nach Deutschland kostet Kraft. Vielen Flüchtlingen steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, wenn sie ausgelaugt aber glücklich im Land ihrer Hoffnung ankommen. Viele ehrenamtliche Helfer nehmen sich dann ihrer an.

Doch die Hilfe ist nicht unendlich, Erschöpfung macht sich nun auch bei immer mehr Helfern bemerkbar. "Die Grenze der Belastbarkeit unserer Frauen und Männer ist erreicht", klagt der baden-württembergische Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Lorenz Menz, gestern in Stuttgart. Das Ehrenamt sei ein kostbares Gut, das sich nicht beliebig vermehren lasse. Das DRK fordert, ihre Ehrenamtler bei nationalen Großeinsätzen mit den Freiwilligen Feuerwehren gleichzusetzen. Arbeitgeber haben keine Pflicht, DRK-Helfer freizustellen, im Gegensatz zu Mitgliedern der Feuerwehren oder des Technischen Hilfswerkes (THW). Zudem müsse die Lohnfortzahlung gesichert werden.

Doch nicht nur personell erreicht die Flüchtlingsversorgung Grenzen. "In Europa sind Feldbetten mittlerweile knapp", erläutert DRK-Pressesprecherin Susanne Pohl eine weitere Schwierigkeit bei der Unterbringung. Das kanadische und das US-amerikanische Rote Kreuz haben Feldbetten zur Verfügung gestellt, die kürzlich eingeflogen wurden. Davon sei bereits ein Großteil in Verwendung.

Sorgen bereitet der Hilfsorganisation der kommende Winter. "Die Flüchtlinge müssen dann in festen Gebäuden Unterschlupf finden", sagt Pohl. Die nicht winterfesten Zelte müssten abgebaut werden. Die Bundesregierung habe mit dem DRK vereinbart, für überdachten Wohnraum zu sorgen. Als Beispiel nennt Pohl ein Fliegerhangar im bayerischen Erding. Die 15000 DRK-Flüchtlingshelfer werden zudem von Kollegen aus Norwegen, Dänemark und Finnland unterstützt. "Wenn Hilfe gebraucht wird, müssen wir ran", sagt Pohl trotz der schwierigen Lage.

Das Deutsche Rote Kreuz betreut nach eigenen Angaben im gesamten Bundesgebiet mehr als 86 000 Flüchtlinge in 311 Notunterkünften. Insgesamt sind rund 400 000 ehrenamtliche und 150 000 hauptamtliche Mitarbeiter für die Hilfsorganisation tätig.

Trotz des Ansturms ist für Günter Burkhardt, Geschäftsführer des Vereins Pro Asyl, das Asylrecht nicht verhandelbar. Ein Asylverfahren bedeute Menschenrecht. Daher stelle sich die Frage nach einer Obergrenze für die Aufnahme nicht. Dass die Situation mittlerweile auch für die Ehrenamtlichen schwierig sei, räumt Burkhardt ein. Der Geschäftsführer bemängelt, dass Flüchtlinge in Erstaufnahmestellen nicht zu in Deutschland lebenden Anhörigen ziehen dürften. "Das wären ungefähr zehn Prozent der Syrer und Afghanen", schätzt er. Der Staat müsse ermöglichen, dass Asylsuchende, die sich noch im Erstaufnahmeverfahren befinden, Wohnraum mieten könnten. Dies ist rechtlich nicht gestattet.

Hilfsorganisationen schauen mit Sorge auf den Winter
Zelte in einer ehemaligen Berliner Polizeikaserne dienen Flüchtlingen als Notunterkunft. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular